2. Teil: Die Medienpol Design GmbH akquiriert für go-city.org – mit türkischen Call-Centern

04.09.2013 mit Update vom 08.12.2014 - Die Medienpol Design GmbH aus Bad Kreuznach und ihr Geschäftsführer Hans-Jürgen Doll haben outgesourced: die Methode mit den Spam-Anrufen und den Telefaxen, über die wir am 01.06.2013 in einem Blog-Beitrag berichteten,

[Zum Blog-Beitrag vom 01.06.2013: Die Medienpol Design GmbH akquiriert für go-city.org – auf besondere Art],

wird jetzt aus der Türkei angewandt. Zum Beispiel von Call-Centern in Antalya und Izmir. Fragt man nach den örtlichen Hinterleuten, fallen deutsche und türkische Namen: A. Weber, E. Aydin, Ü. Karaaslan, S. Aydin oder Aytaç Bayzıt.

Die Zusammenarbeit zwischen der Medienpol Design GmbH und den türkischen Call-Centern ist vertraglich geregelt. Da gibt es eine deutschspachige “Rahmenvereinbarung für die Übertragung von Anzeigenverträgen.“ Das Call-Center heißt darin „Veräußerer“, die Medienpol Design GmbH „Erwerber“. Wir zitieren daraus:

"Präambel:

Der Veräußerer ist Inhaber einer Handelsagentur. Er beschäftigt Außendienstmitarbeiter, die Gewerbetreibende akquirieren, die ihrerseits Anzeigenaufträge an die Handelsagentur erteilen. Der Veräußerer vertreibt diese Anzeigenaufträge weiter, wodurch er durch den zustande gekommenen Vertrag mit den einzelnen Gewerbetreibenden berechtigt ist.

Der Erwerber unterhält ein Internetbranchenbuch unter der Domain Go-City.org. Er selbst hält aktuell keinen eigenen Außendienst vor. Da der Veräußerer nicht alle der akquirierten Anzeigenaufträge abwickeln kann, treffen die Parteien folgende Vereinbarung:

§ 1 Vertragsgegenstand

Der Veräußerer bietet dem Erwerber regelmäßig die Übernahme geschlossener Anzeigenaufträge an. Der Erwerber hat die Möglichkeit, diese nach Prüfung des rechtmäßigen Zustandekommen der Aufträge zu übernehmen. In diesem Fall werden die übernommenen Verträge einzeln anhand des als Anlage 1 beigefügten Musters übertragen. [….]

§ 2 Kaufpreis

Für jeden übertragenen Vertrag auf den Erwerber erhält der Veräußerer einen Kaufpreis in Höhe von 30% des Auftragswertes.[….]

§ 5 Geltendes Recht

Für diesen Vertrag sowie die künftig zu schließenden Übertragungsverträge gilt ausschließlich deutsches Recht."

Die in § 1 der Rahmenvereinbarung erwähnte Anlage hat folgenden Wortlaut:

"[….]
Der Veräußerer überträgt folgende Anzeigenaufträge auf den Erwerber:

----

Der Erwerber verpflichtet sich, die die Veröffentlichungen auf eigene Kosten mit den im zugrunde liegenden Vertrag vereinbarten Bedingungen durchzuführen. Er übernimmt zu diesem Zwecke sämtiche vertraglichen Verpflichtungen vom Erwerber.

Der Veräußerer erklärt im Hinblick auf die oben genannten Verträge nochmals ausdrücklich, dass diese in rechtmäßer Art und Weise zustande gekommen sind, insbesondere dass die Vorschriften des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) sowie sonstiger Gesetze bei der Akquise der Aufträge beachtet wurden."

Diese Masche hat für die Medienpol Design GmbH des Hans-Jürgen Doll nicht nur den Vorteil, dass man sich die Mühen der Akquise erspart. Apropos Mühe: der Schnitt liegt bei etwa 5 zu 1 – von fünf Angerufenen erteilt einer einen Auftrag, heißt es. Einmal in der Woche werden die so akquirierten Aufträge mitsamt der Übertragungsvereinbarung nach Deutschland übersandt. Die Masche hat auch den vermeintlichen Vorteil, vor Problemen sicher zu sein: nicht nur wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Sondern vor allem vor den Strafverfolgungsbehörden - hofft man jedenfalls. Denen kann man dann erzählen, man hätte mit krummen Sachen nichts zu tun; das seien die Türken schuld.

Das Outsourcen in die Türkei und die dadurch entstehende Provision von 30% – oder wie auch immer sie heißt – versucht man sich von denen bezahlen lassen, die herein gelegt wurden. Und zwar heftiger als noch vor einem Vierteljahr. Mittlerweile will die Medienpol Design GmbH des Hans-Jürgen Doll bis zu 1.424,43 EUR haben. Zweimal im Jahr. Über drei Jahre. So steht es im Kleingedruckten, beispielsweise der Agentur Bayzıt - Medien-Branchenverzeichnis. Das wären dann 8.546,58 EUR.

[Anonymisiertes Muster eines Formulars der Agentur des Aytaç Bayzıt aus Antalya]

Der Betrag ist für eine Nennung auf der Internetseite go-city.org. Das dort die Veröffentlichung erfolgen soll, erfahren die Betroffenen mit der Rechnung der Medienpol Design GmbH, die zur Zahlung auf ein Konto bei der Sparkasse Rhein-Nahe auffordert.

In dem ergaunerten Auftrag steht davon nichts. Dort ist nur lapidar – und auch nur versteckt im Kleingedruckten – die Rede von einer „Eintragung im Internetportal unter der Stadt bzw. Ort des Auftraggebers“.

Als verantwortlich für die Internetseite go-city.org wird heute eine Business Company, 12100 Wilshire Boulevard, Los Angeles, California, 90025 (USA) im Impressum genannt. Dies stimmt nicht, wenn man sich den obigen Wortlaut der Rahmenvereinbarung anschaut. Offenbar will man auch so die Zusammenhänge verschleiern.

Wie wir schon in unserem Blog-Beitrag vom 01.06.2013 schrieben: Aufträge, die so zustande kamen, sind rechtlich angreifbar. Wenn man sich einer Zahlungsforderung der Medienpol Design GmbH des Hans-Jürgen Doll ausgesetzt sieht, ist eine frühest mögliche Reaktion der beste Weg, um seine Rechte zu wahren.


Update vom 08.12.2014:

Man optimiert jetzt die Verschleierungsmasche. Das türkische Call-Center, von dem aus angerufen wird, führt keinen Namen mehr, der beim Überfliegen des Textes als ungewöhnlich, weil türkisch-sprachig, auffallen könnte. Jetzt nennt man sich Nora Medien Verlag. Da auch die fett hervor gehobene 0841-Nummer für das Retour-Fax keine Assoziation mit der Türkei erzeugt, muss man sehr genau auf das Kleingedruckte unten links hinschauen. "Cad." ist die Abkürzung für das Türkische Wort Caddesi: Straße.

[Beispiel eines Formulars des Nora Medien Verlag]

Später erhalten die Betroffenen, die auf das Formular des Nora Medien Verlag hereingefallen waren, eine Rechnung der Medienpol Design GmbH des Hans-Jürgen Doll.



Über Hans-Jürgen Doll und seine Firmen berichten wir immer wieder:

[Zum Blog-Beitrag vom 02.04.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 21.05.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 01.06.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 11.09.2013 mit diversen Updates, zuletzt vom 04.08.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 31.10.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 19.05.2017]



Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte
Kontakt über Telefon
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
mail [at] radziwill.info