AB-Verlag Inhaber Anna Büttner e.K. und ABV exklusive s.r.o – zwei Firmen mit gleicher Anzeigenmasche

13.11.2015 mit Update vom 09.06.2018 – Zeitungsartikel mit Überschriften, wie etwa „Die Arglist steckt im Kleingedruckten“ oder „Geschäftsleute fühlen sich abgezockt“, werden einem bei Google auf den ersten Seiten angezeigt, wenn man nach dem AB-Verlag sucht.

Der Verlag sitzt in der Oberpfälzer Kleinstadt 92676 Eschenbach. Im Handelsregister des Amtsgericht Weiden i. d. OPf (Weiden) ist die Firma zum Aktenzeichen HRA 2352 unter dem Namen AB - Verlag Inhaber Anna Büttner e.K. eingetragen. Die 1960 geborene Anna Büttner hat dort als Gegenstand des Unternehmens angeben: "die Gewinnung von Kunden, die in der eigens erstellten Verbraucherinformationsbroschüre inserieren und anschließende Verteilung in der Öffentlichkeit."

An der Art und Weise, wie diese Kunden gewonnen werden, ist die Kritik entbrannt. Auch daran, welcher Art die Gegenleistung ist - für die man einen stolzen vierstelligen Betrag verlangt.

Kritik ist auch an einer ganz besonderen Zweitverwertung entbrannt. Etliche, die mit dem AB-Verlag Inhaber Anna Büttner zu tun hatten, sahen sich mit der Rechnung einer weiteren Firma konfrontiert: der ABV exklusive s.r.o. aus der tschechischen Kleinstadt Tachov in der Region Plzen (Pilsen). Die will auch noch viel Geld für Anzeigen in Werbebroschüren haben.

Ein Zufall ist das nicht.


Ein geschäftstüchtiger Außendienstler erscheint

Gewerbetreibende werden von einem Vertreter aufgesucht. Überraschend steht er bei ihnen, im Laden oder Büro. Er macht seine Sache gut, wenngleich nicht aus der Sicht der Betroffenen. Die glauben nämlich danach, so übereinstimmende Berichte, auch in den Medien, es sei um eine Broschüre der Kommune oder des Landkreises gegangen. In der sie sich zur Veröffentlichung einer Anzeige verpflichtet haben. Manche merken noch nicht einmal, worum es sich wirklich handelt, nachdem sie die erste Rechnung erhalten haben. Zum Beispiel über 737,80 EUR brutto für eine Werbeanzeige. Zu zahlen auf ein Konto des AB-Verlag bei der Kreissparkasse Bayreuth.

[Beispiel einer Rechnung des AB-Verlag Inhaber Anna Büttner e.K. - Herbst 2015]


Dann kommt die ABV exklusive s.r.o.

Doch als ob das noch nicht genug wäre, erhalten Betroffene eine weitere Rechnung. Einer Firma ABV exclusive s.r.o. aus dem tschechischen Tacov. Zum Beispiel über 630 EUR zuzüglich 21% tschechischer Mehrwertsteuer. Macht zusammen 762,30 EUR. Für eine Werbeanzeige. Zu zahlen auf ein Konto bei der Kreissparkasse Bayreuth.

[Beispiel einer Rechnung der Firma ABV exclusive s.r.o. aus Tachov - Herbst 2015]

In der Tat gibt es Unterschriften unter einem Vertrag mit der ABV exclusive s.r.o. Man war noch einmal an die Betroffenen heran getreten. Der Vertrag mit dem AB-Verlag müsse bestätigt werden, dachten die. Mißtrauisch wurde sie nicht. Es gibt nun einmal eine sprachliche Ähnlichkeit zwischen den Begriffen AB Verlag und ABV. Weit mehr als nur eine Ähnlichkeit gibt es zwischen den Verträgen. Sie ähneln sich in den Formulierungen fast eins zu eins. Vergleichen sie selbst:

[Beispiel eines Anzeigenvertrages mit dem AB-Verlag, Inh. Anna Büttner e.K. aus Eschenbach]

[Beispiel eines Anzeigenvertrages mit der Firma ABV exklusive s.r.o. aus Cz-Tachov]

Von selbst kam das nicht. Die ABV exclusive s.r.o. hat einen kurzen Draht zum AB-Verlag der Anna Büttner. Einen sehr kurzen. Zwar ist die ABV im tschechischen Handelsregister registriert und sitzt offiziell in Tachov. Doch ihr Geschäftsführer, der 1955 geborene Max Robert Frank, hat dort als seine Anschrift die Zinkenbaumstraße 45 in Eschenbach angegeben. Es ist dieselbe Anschrift, die auch für Anna Büttner im tschechischen Handelsregister genannt wird. Die ist dort nämlich auch aufgeführt. Als Alleingesellschafterin eben dieser ABV exclusive s.r.o. Mit 200.000 tschechischen Kronen, das sind etwa 7400 EUR, ist deren Stammkapital eher übersichtlich.


Wenig Gegenleistung für viel Geld

Mit ihren Unterschriften haben die Betroffenen sich zu einer Anzeigenschaltung verpflichtet und sollen dafür viel Geld zahlen, so das Wunschdenken von AB Verlag und ABV. Viermal innerhalb eines Jahres entstehen Kosten beim AB-Verlag Inhaber Anna Büttner, dreimal in einem Jahr bei der ABV exklusive s.r.o. Für eine Veröffentlichung einer Anzeige in einer Broschüre, die mit 2000 Exemplaren erscheint. Und irgendwo verteilt wird. Nicht unbedingt in der Nähe. „Die Auslegestellen und das genaue Verteilungsgebiet stehen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses noch nicht fest“, heißt es im Vertrag. Wenigstens wird aber so viel gesagt, dass die Auslegestellen „sich zum geringen Teil im Landkreis (kreisfreien Stadt, Große Kreisstadt) des Auftraggebers und zum überwiegenden Teil in anderen Landkreisen“ befinden. Es kann also geschehen, dass die Werbung für einen Bäcker, Fleischer oder Friseur 100 km entfernt verteilt wird. Der erhoffte Werbeeffekt für das viele Geld ist damit wohl nicht verbunden.

Es findet sich auch noch folgende Formulierung im Kleingedruckten beider Verträge:

„Der Auftraggeber bestätigt, dass der Außendienstmitarbeiter nicht davon gesprochen hat, für die Gemeinde/Stadt/Landkreis des Auftraggebers oder dergleichen tätig zu sein.“

Warum das wohl vom AB-Verlag und der ABV exklusive s.r.o so betont wird?


Verträge sind angreifbar

Auf seiner Internetseite warnt der AB-Verlag seine "lieben Kundinnen und Kunden". Die sollten bloß nicht zu Rechtsanwälten gehen, die würden nur Aussagen verdrehen und die Kunden verwirren. Ein sicher inniger Wunsch, nicht nur des AB-Verlages, sondern aller Firmen, die sich nicht gerne in die Karten schauen lassen.

Viel zu viele zahlen, meist, um ihre Ruhe zu haben. Und tragen so dazu bei, dass diese Art von Geschäft noch kein Ende gefunden hat. Doch so zustande gekommene Verträge sind angreifbar. Nicht nur wegen der Art und Weise ihres Abschluss. Oder der Formulargestaltung; mit Klauseln, die man als überraschend bezeichnen kann. Vor allem aber, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommt, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist. Oder wie Juristen sagen: es an den essentialia negotii eines Vertrages mangelt.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise mit dem AB-Verlag Inhaber Anna Büttner oder der ABV exklusive s.r.o zustande gekommenen Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen.


Update vom 09.06.2018:

Zwei Gerichtsentscheidungen aus Nürnberg bestätigen, dass der ABV exklusive s.r.o. kein Anspruch aus Anzeigenverträgen mit dürftig beschriebener Gegenleistung zusteht.

[Zum Blog-Beitrag vom 09.06.2018 - Urteil: kein Geld für Anzeigenvertrag mit der ABV exklusive s.r.o. aus Tschechien]

[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]
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