Pro Media-Verlag: Kölner-Masche-Abzocker aus der Türkei im Anmarsch auf Deutschland

25.01.2022 mit Update vom 13.03.2022 - Das ganz spezielle Geschäft mit der „Kölner Masche“, vor allem mittels türkischer Call-Center, geht weiter.

[Mehr zum Thema Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

In diesen Tagen wurde uns der Versuch einer Firma Pro Media-Verlag aus der Türkei bekannt. Das Ziel der Firma ist es, von Gewerbetreibenden und Freiberuflern eine Unterschrift unter einem Formular zu ergattern. Damit sollen die sich verpflichten, Geld für eine Anzeige zu zahlen. Viel Geld.

Nach Art der Szene dürfte die Rechnung aber nicht aus der Türkei kommen. Sondern von einer derzeit noch nicht bekannten Firma aus Deutschland.


Der Trickanruf

So wie es uns berichtet wird, segelt die Firma „Pro Media-Verlag“ unter falscher Flagge. Ein derartiges Geschäftsmodell wird Kölner Masche genannt, seit vor Jahr und Tag zum ersten Mal in Köln gegen diese Art von Betrug ermittelt wurde.

Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit regelmäßig in einer von Dritten herausgegebenen Broschüre, Stadt- oder Straßenkarte, zum Beispiel der Gemeindeverwaltung, inseriert hatten, erhalten einen Anruf eines Call-Centers aus der Türkei. Man bezieht sich auf diese Publikation und erklärt, es müsse schnellstens ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht mehr in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.


Formular mit dubiosem Inhalt

Das angekündigte Formular kommt bald darauf, vorzugsweise per Fax. Dadurch ist die Bildqualität schlechter als bei einer E-Mail und hält die meisten davon ab, sich dem Entziffern des Kleingedruckten zu widmen. Tatsächlich findet sich in ihm auch groß hervor gehoben die bisher verwendete Anzeige der so Angesprochenen.

Diese gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe. Schließlich hatte man gerade darüber geredet. Sie unterschreiben – und schicken es an die angegebene Rückfax-Nummer mit Hamburger 040-Vorwahl zurück.


Viel Geld für wenig

Und wofür das viele Geld, 896 EUR netto sind das laut Formular des Pro Media-Verlag für eine Anzeige? Für Informationsbroschüren oder Tafeln liest man. Doch wie sehen die aus?

Das Kleingedruckte im Formular hat man fast wortgleich schon bei anderen Firmen aus dieser speziellen Geschäftswelt gesehen: das sogenannte Objekt soll eine Auflage von 1.000 Exemplaren bei Broschüren oder 250 Exemplaren bei Informationstafeln haben, kann man im Kleingedruckten lesen. Ausgeliefert werden sollen diese an Haushalte mit Tagespost durch die Deutsche Post AG. Nach welchen Kriterien diese Haushalte ausgesucht werden? Das Formular schweigt.

Schweigen auch zum Veröffentlichungszeitpunkt:

“Die Verteilung erfolgt spätestens sechs Monate nach Auftragserteilung“,

heißt es lapidar.


Beispiel eines Formular des Pro Media-Verlag



Wer zahlt, findet keine Ruhe

Wer glaubt, nach einer Zahlung Ruhe zu haben, wird sich bald mit der nächsten Rechnung konfrontiert sehen. Nach dem Vertragsformular des Pro Media-Verlag entsteht der Rechnungsbetrag nämlich zweimal innerhalb eines Jahres. Zwei Jahre lang. Das sind dann schon 3.584 Euro netto.


Unsere Prophezeiung: die Rechnung wird von einer deutschen Firma kommen

Wer hinter der Firma „Pro Media-Verlag“ steckt, lässt das verwendete Formular nicht erkennen. Es könnte sich auch, was bei türkischen Call-Centern immer wieder vorkommt, um eine Firma handeln, die unter Pro-Media-Verlag nur mit diesem Formular auftritt und bereits nächste Woche den nächsten Namen mit dem nächsten Formular führt.

In der Kölner-Masche-Szene ist die Arbeitsaufteilung zwischen Deutschland und der Türkei beliebt. Die Drecksarbeit, das Geschäft mit Lügen, führt das türkische Call-Center aus. Anschließend tritt es die Forderung aus dem unterschriebenen Formular an eine deutsche Firma ab. Diese verschickt die Rechnung und wird behaupten, vom Schmu des türkischen Call-Centers sei ihr nichts bekannt, nach dem Formular habe doch alles seine Richtigkeit.

Das türkische Call-Center erhält für die Ergaunerung der Unterschriften eine Provision.

Wir erwarten diese Vorgehensweise auch bei den Formularen des Pro Media Verlag. Hier dürfte sich bald eine deutsche Geldeintreiber-Firma melden.


Forderungsabwehr ist möglich

Viel zu häufig werden solche Rechnungen bezahlt. Und dadurch das Geschäftsmodell der Kölner Masche bis heute am Leben erhalten. Manche zahlen, weil Ihnen am Anfang nichts auffällt; sondern vielleicht erst bei der zweiten, dritten oder letzten Rechnung. Andere, weil sie sich schämen, herein gelegt worden zu sein und nun ihre Ruhe haben wollen.

Wenn man eine Rechnung für einen dem Pro Media-Verlag erteilten Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühest mögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel. Wir melden uns dann.



Update vom 13.03.2022

Ein deutscher Geldeintreiber meldet sich jetzt bei den Betroffenen. Eine Firma Besser-Gefunden. Aus (angeblich) Bielefeld. Mit dem (angeblichen) CEO Meier Fabian. Viel Geld sollen die Betroffenen zahlen. Für nichts.

[Zum Blog-Beitrag vom 13.03.2022: Teil 2 - Pro Media-Verlag: Kölner-Masche-Abzocker aus der Türkei – jetzt mit „Besser-Gefunden“ als Geldeintreiber]



Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]




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