Problematische Anzeigenverträge der creaprint Medien GmbH & Co KG

14.01.2020 – Erneut wurde uns eine Werbefirma bekannt, bei der wir nach rechtlicher Prüfung meinen, dass, so wie es versucht wird, ein wirksamer Werbevertrag mit den Betroffenen kaum angenommen werden kann.

Eine Firma mit Hamburger Anschrift, creaprint Medien GmbH & Co KG, versucht an Anzeigenaufträge von Gewerbetreibenden und Freiberuflern für eine Anzeigenschaltung zu gelangen. Etwa in einer Broschüre „Regio-Magazin“. Für die dann von den Betroffenen im Laufe der Zeit viel Geld verlangt wird.

Wie so oft bei Firmen dieser Art führt die Spur nach Bad Kreuznach.


Ein Vertreterbesuch

Ein Mitarbeiter der creaprint Medien GmbH & Co KG erscheint bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, so wurde uns berichtet. Darum, was er in dem Akquisegespräch so alles erzählte, soll es in diesem Blog-Beitrag nicht gehen. Wenn er aus Sicht der creaprint Medien GmbH & Co KG seine Sache gut gemacht hat, steht am Schluss des Gespräches die Unterschrift unter einem Formular an.

In diesem Beitrag soll es darum gehen, was unterschrieben wird.

Es geht um einen Anzeigeneintrag in einer Broschüre „Regio-Magazin“; was immer das sein soll. Seit knapp 40 Jahren gibt es eine Rechtsprechung des Bundesgerichtshof, wonach bei einem Anzeigenauftrag der Verlag verpflichtet ist, für den mit dem Vertrag erstrebten Erfolg einzustehen. Es kommt nicht nur auf die Veröffentlichung der Anzeige als solches an, sondern auf die damit verbundene Werbewirksamkeit.

Schauen wir einmal, ob der Vertrag diesen Anforderungen gerecht wird. In dem im wahrsten Sinne des Wortes Kleingedruckten des Vertragsformulars findet man erste Informationen: Die Auflagenhöhe beläuft sich pro Veröffentlichung auf 1000 Exemplare.

„Die Verteilung der Wurfsendung (o.a. Druckerzeugnis) erfolgt über die Deutsche Post AG mit Tagespost an Haushalte.“ Doch nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht?

Vielleicht ist alles auch anders. Noch einmal aus dem Formular: “Alternativ kann die Verteilung auch über ein anderes Verteilunternehmen (Selbst/Paketdienst) an öffentliche Einrichtungen (z.B. Polizei, Rathäuser, Gerichte, Stadtverwaltungen) bei insgesamt 40 Stellen vorgenommen werden.“

Doch wo sollen die jeweils 1000 Broschüren verteilt werden? Dazu wird man an anderer Stelle des Formulars fündig: „20.000-29.999 (gilt als Verteilungsgebiet)“ heißt es beispielweise rechts oben in einem uns vorliegenden Vertrag. Das Postleitzahlgebiet 2XXXX reicht über 44.078 km² von Bremen bis Flensburg. 8.530.000 Einwohner leben dort. Die Broschüre mit der Anzeige einer Apotheke in Bremen kann dann in Itzehoe verteilt werden. Die Werbung des Heilpraktikers Flensburg in Bremen. Ein Werbeerfolg dürfte damit kaum zu erwarten sein.

[Auszug aus dem Vertragsformular der creaprint Medien GmbH & Co KG]


Die Rechnung

Einige Zeit nach ihrer Unterschriftsleistung kommt bei den Betroffenen die erste Rechnung an. 671,76 EUR brutto sind es beispielsweise, die für eine 9 x 2,5 cm kleine Anzeige im Regio-Magazin verlangt werden. Fünf weitere Rechnungen folgen, denn nach dem Kleingedruckten im Vertrag der creaprint Medien GmbH & Co KG beträgt der Veröffentlichungszeitraum zwei Jahre und in jedem Jahr soll dreimal kostenpflichtig das Regio-Magazin mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren erscheinen. Das macht dann zusammen 4.030,56 EUR brutto. Die Kontoverbindungen wechseln. Tauchte vormals in den Rechnungen die Deutsche Apotheker- und Ärztebank auf, soll aktuell auf ein Konto bei der Deutschen Bank in Hamburg gezahlt werden. Binnen einer Woche und ohne Abzug.

Ab der zweiten Rechnung wird bei Firmen in dieser speziellen Werbe-Szene gerne argumentiert, mit der Zahlung der ersten Rechnung hätte man in jedem Fall das Bestehen eines Vertrages anerkannt.


Die Spur führt nach Bad Kreuznach

Die Firma ist im Handelsregister des Amtsgericht Hamburg (HRA 100085) registriert. Aber mit anderer Schreibweise: als crea print Medien GmbH & Co KG. Sie ist keine Neugründung. Bereits am 16.03.2004 wurde sie gegründet. Bis jetzt hörten wir allerdings von ihr nichts. „Erstellung von Informationsbroschüren und Medienobjekten“, wird als Geschäftsgegenstand genannt. Vertreten wird sie durch die crea print Medien Verwaltungs GmbH (Handelsregister Hamburg HRB 89813). Die wiederum durch den GmbH-Geschäftsführer, den 1970 geborenen Dirk Steinhagen.

Steinhagen kann man als alten Fahrensmann der Werberszene bezeichnen. Seine ersten Aktivitäten reichen weit in die Vergangenheit. Über eine seiner anderen Firmen, die ST Mediakonzept Werbeagentur e.K hatten wir vor einiger Zeit in unserem Blog berichtet.

[Zum Blog-Beitrag vom 14.12.2017 - Zweifelhafte Anzeigenverträge: die ST Mediakonzept Werbeagentur e.K und ihre "Gesundheitsinfobroschüre"]

Wie so viele in dieser Werbeszene sitzt Dirk Steinhagen, so seine letzte Angabe gegenüber dem Handelsregister für seine ST Mediakonzept Werbeagentur e.K, in Bad Kreuznach. Wer regelmäßig unseren Blog liest, weiß: Bad Kreuznach ist das El Dorado einer speziellen Werberwelt, die mit rechtlich problematischen Formularen, wenn nicht gar mit anderen Tricks, arbeiten. Eine gefühlte Hundertschaft einschlägiger Firmen hat sich dort und in der Nachbarschaft angesiedelt.


Mitarbeiter gesucht

Dafür, dass man den Geschäftsführer Dirk Steinhagen oder sonst jemanden von der Firma creaprint Medien GmbH & Co KG regelmäßig persönlich unter der aktuell genannten Anschrift Anckelmannsplatz 1, 20537 Hamburg antrifft, würden wir keine allzu große Wette eingehen wollen. Unter anderem befindet sich dort ein Business-Center, das virtuelle Büros anbietet:

“Neben einem zuverlässigen Telefon– und Postservice können Sie auch umfassende Sekretariatsleistungen in Anspruch nehmen“,

heißt es in dessen Internetauftritt.

Heute suchte man über die Internetseite creaprint-medien-gmbh.de neue Mitarbeiter. Die vom Homeoffice arbeiten sollen. Das las sich dann so:

"Sales-Manager/in im Direktvertrieb

Wir sind eine all in one-Werbeagentur mit Sitz in Hamburg und verstehen uns auf die Gestaltung und Realisierung von Print- und Online-Produkten.

Sie haben Erfahrung im Vertrieb von Printprodukten und ein hervorragendes fachliches Know-how in der Betreuung von Kunden, die Sie eigenverantwortlich akquirieren. Sie arbeiten bevorzugt von Ihrem Homeoffice aus, sind reisefreudig, mobil und im Besitz der Führerscheinklasse B. Ihre Stärken sind Kommunikation, Organisation, Gewissenhaftigkeit und Belastbarkeit.“

Wir garantieren Ihnen eine überdurchschnittliche Vergütung […]


Forderungsabwehr ist möglich

Verträge mit solch dürftig beschriebener Gegenleistung sind angreifbar. Um es im Juristenlatein zu formulieren: es mangelt dann an den essentialia negotii.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise der creaprint Medien GmbH & Co KG erteilten Anzeigenauftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühe Reaktion der sicherste Weg, um sich gegen das Zahlungsansinnen wehren zu können.





Siehe auch:

[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

[Die Abzockerfirmen und ihre Konten]

[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]





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