Wenig Gegenleistung aus Düsseldorf: das Firmen-Suchportal der Daniela Dietz

04.03.2019 – Firmen die mit einer der Varianten von Telefonanrufen an das Geld Betroffener wollen, kommen in Deutschland gehäuft in zwei Gegenden vor: Ostwestfalen und Niederrhein.

Aus der Henkelstrasse 255 in 40599 Düsseldorf wurde uns jetzt ein Name bekannt: Firmen Suchportal, Inhaberin Daniela Dietz, teilweise auch auf ein und demselben Schreiben als FirmenSuchportal oder Firmen-Suchportal geschrieben.

Es wird versucht, von Geschäftsleuten ein „ja“ für unter anderem einen Eintrag auf der Internetseite firmen-suchportal.de zu erhalten.


Viel Geld für wenig

Schaut man sich das Kleingedruckte auf der Seite firmen-suchportal.de an, kommen Verträge gemäß § 1 AGB so zustande:

"Der Vertrag kommt zustande zwischen dem Firmen-Suchportal und dem Kunden. Von einem verbindlichen Auftrag kann erst dann ausgegangen werden, sobald der Kunde das Ihm vorher unterbreitete Angebot schriftlich, oder in einem 2ten Telefonat bestätigt hat."

Ob es auch schriftliche Vereinbarungen in der Praxis gibt, wissen wir nicht.

Soweit es um ein zweites Telefonat geht, funktioniert nach uns vorliegenden Berichten das Geschäftsmodell mit zwei Telefonaten bei Firmen aus dieser Business-Welt so oder so ähnlich:

Ein Anruf kommt bei einem Gewerbetreibenden, Handwerker oder Freiberufler in Deutschland, Österreich oder der Schweiz an. Manche der Angerufenen glauben schließlich nach energischem Einreden, das man sich bereits kenne und eine Geschäftsbeziehung besteht. Oder dass man es mit Google zu tun habe. Sie stimmen einem Vertrag mit dem Anrufer zu. Bei einem zweiten Anruf wird dann abgefragt, dass man im ersten Telefonat einem Vertrag zugestimmt haben soll. Und zwar so, dass man außer einem „ja“ nichts anderes antworten soll. Wegen „der guten Ordnung“. Dass sie es weder mit einer bereits bekannten Firma, noch mit Google zu tun haben, fällt ihnen meistens dann auf, wenn die Rechnung kommt.

Wie auch immer der Vertrag (angeblich) zustande kam: 236,81 Euro brutto verlangt man bei Firmen-Suchportal für eine Laufzeit von einem Jahr. Für, so heißt es in der Rechnung: “Eintrag im Firmen-Suchportal und Google“. Zu zahlen innerhalb von zehn Tagen netto auf ein Konto bei der Stadtsparkasse Düsseldorf oder der Postfinance in der Schweiz.

Wenn nicht fristgerecht gezahlt wird, folgen Mahnungen und Drohungen mit einem Inkassobüro.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros? ]


Portal, das niemand kennt und keiner braucht

Ganz neu ist die Firma nicht. In Deutschland war aber die letzten Jahre eher wenig von ihr zu hören. Wir können nur spekulieren, ob in der Zeit eher Österreich oder die Schweiz im Visier des Firmen-Suchportal lagen.

Die Internetseite firmen-suchportal.de verspricht unter ihrem Logo: "Gefunden werden statt immer nur suchen." Doch sie entspricht in jeder Beziehung dem, was man von vergleichbaren Firmen gewohnt ist. Versuchen Sie darüber einmal selber eine Branchensuche für Ihren Ort. Das Portal ist für Benutzer so hilfreich, wie ein Stadtplan, in dem nur 1% der Seiten verzeichnet sind. Überhaupt: dass die Seite nachhaltig beworben wird, ist uns nicht bekannt. Man wird sie deshalb nicht kennen. Zumindest für den Eintrag in diesem Portal erhält man für das geforderte Geld nach unserer Meinung keine adäquate Gegenleistung.

In dem Fall einer anderen Internetfirma hatte das Landgericht Wuppertal (LG Wuppertal, Hinweisbeschluss vom 05.06.2014 – 9 S 40/14) vor einigen Jahren festgestellt, dass die Aufnahme in ein Internet-Branchen-Verzeichnis als Leistung quasi wertlos ist, wenn ein Internet-Nutzer, der ein Branchenverzeichnis sucht, nicht auf dieses Verzeichnis stößt. Die Folge: die vereinbarte Vergütung ist dann wegen eines objektiv auffälligen Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung sittenwidrig.

[Zum Blog-Beitrag vom 05.12.2014 - Landgericht Wuppertal: Aufnahme in ein Internet-Branchen-Verzeichnis kann quasi wertlos sein]


Forderung lässt sich angreifen

Viel zu viele zahlen. Selbst nachdem sie merken, um was es wirklich geht. Aus Kreisen anderer Firmen ist von bis zu 70% die Rede.

Nach verbreiteter Art derartiger Firmen findet sich in § 11 der AGB-Allgemeine Geschäftsbedingungen des Firmen-Suchportal auch noch eine Verlängerungsfalle:

“ Alle Verträge verlängern sich automatisch um ein weiteres Vertragsjahr, falls diese
nicht vom Kunden mit einer Frist von drei Monaten zum Vertragsende schriftlich gekündigt werden.“

Unsere Erfahrung zeigt: eine frühest mögliche Reaktion ist der Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.





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