Argosmedia Ltd – Pseudo-Londoner Firma mit Betrugsmasche

06.01.2014 – „Stadt warnt vor falschen Werbern“ oder „Landkreis warnt vor Betrügern“ – das sind Schlagzeilen in der Presse, wenn es um die Argosmedia Ltd geht. Angeblich sitzt sie in London (United Kingdom), tatsächlich ist dort außer einem Briefkasten nicht viel von ihr anzutreffen - wobei selbst der Briefkasten nicht exklusiv ist: rund 100 Personen und Firmen teilen ihn sich. Auch bei der deutschen Anschrift, die sie angibt, sieht es nicht viel anders aus: Haferkamp 2, 22081 Hamburg; dort befindet sich ein Büro- und Versandservice, der eine Briefkastenvermietung anbietet.

Die Spur der Argosmedia Ltd führt aber in der Tat nach Deutschland. Ihr Director (vergleichbar mit einem Geschäftsführer) ist seit dem 15.02.2013 der 1966 geborene deutsche Staatsangehörige Cagatay Anar, vorher war es ein Peter Palko. Cagatay Anar wohnt auch in Deutschland, im Großraum Frankfurt am Main; als Berufsbezeichnung gibt er in Großbritannien "Consultant" an – ein Titel, den jeder nach Belieben führen darf.

Als Stammkapital der Argosmedia Ltd sind 20 britische Pfund Sterling verzeichnet, das sind derzeit knapp über 24 EUR. Damit kann man sich schnell der Firma entledigen, wenn es brenzlig wird – ohne dass es finanziell weh tut.

Die Argosmedia Ltd segelt unter falscher Flagge. Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit in einer von Dritten herausgegebenen Broschüre, zum Beispiel der Stadtverwaltung regelmäßig inseriert hatten, erhalten einen Anruf – oder werden von einem Drücker aufgesucht. Man bezieht sich auf diese Broschüre und erklärte, es müsse ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden. Tatsächlich findet sich die bisher verwendete Anzeige in dem Formular. Auch die sinngemäße Bezeichnung der bisherigen Publikation, beispielsweise „Allgemeines Bürgerinfo“, steht dort. Direkt daneben dann noch die Worte „Anzeigenauftrag/Faxbestätigung“.

[Muster eines Formulars der Argosmedia Ltd]

Die so angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe – und unterschreiben. Später kommt eine Rechnung, deren Höhe die Empfänger solange verwundert, bis sie schließlich feststellen, Opfer einer Betrugsmasche geworden zu sein: 998 EUR will man für eine Anzeige mit der Größe 12 * 5 cm (das sind 60 cm²) haben, außerdem sollen die Empfänger noch die Mehrwertsteuer direkt an das Finanzamt abführen. Reverse Charge Verfahren gemäß § 13 b UStG nennt sich das. Dass die Voraussetzungen des Reverse-Charge-Verfahrens überhaupt gegeben sind, dürfte allerdings zweifelhaft sein

Und wofür ist das Geld? Die Argosmedia Ltd. erstellt zum Beispiel ein „Druckobjekt Allgemeine Bürgerinfo“, wie es in etwas verquerem Deutsch heißt. Was auch immer sich dahinter verbirgt - ein Belegexemplar ist jedenfalls der Rechnung nicht beigefügt. Dieses sogenannte Druckobjekt soll nach dem Kleingedruckten auf dem Formular der Argosmedia eine Auflage von 1.000 Exemplaren haben. Ausgeliefert werden sollen diese 1.000 Exemplare an Postfachinhaber. Darüber, welcher Art diese Empfänger sind, schweigt das Kleingedruckte. Nur zum Verteilungsgebiet lässt sich etwas entnehmen. Zum Beispiel, das im Postleitzahlgebiet 1**** verteilt wird – das allerdings von der Insel Rügen bis ins südliche Brandenburg reicht. So kann es sein, dass die Anzeige der Potsdamer Fahrschule in Stralsund verteilt wird und die des Bäckers aus Rostock in Berlin. Ein Werbeeffekt ist damit nicht gegeben.

So zustande gekommene Verträge sind angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern auch schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der von der Argosmedia geschuldeten Leistung.

Wer glaubt allerdings, nach Zahlung der Rechnung der Argosmedia Ltd hätte Ruhe, wird sich bald mit der nächsten Rechnung konfrontiert sehen. Nach dem Vertragsformular der Argosmedia entsteht der Rechnungsbetrag dreimal im Jahr. Das sind dann zusammen 2.996 EUR zuzüglich Mehrwertsteuer.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise an die Argosmedia Ltd mit ihrem Director Cagatay Anar erteilten Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühest mögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich gegen derartige Methoden wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



In einem weiteren Beitrag beschäftigen wir uns mit der Argosmedia Ltd.:

[Zum Blog-Beitrag vom 10.03.2014 mit diversen Updates, zuletzt vom 11.03.2015: Die Spur führt nach Bad Kreuznach]


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