Auf Betrugstour: die angebliche Inkassogesellschaft Herzog mbH aus Düsseldorf mit Branchen-Portal-Deutschland Ltd

22.06.2016 – Wieder einmal versucht ein Trittbrettfahrer sich an die Opfer der Masche mit den zwei Anrufen anzuschleichen, um sie zu betrügen.

Vor drei Monaten hatten wir über eine Inkassogesellschaft Kaiser mbH mit einer Kölner Anschrift berichtet. Sie treibe Forderungen für eine Firma Lokale-Firmen-Suche aus Madrid/Spanien ein, war deren Legende. Jetzt hat man die Namen gewechselt. Und nennt sich Inkassogesellschaft Herzog GmbH. Aus 40474 Düsseldorf, Maritim-Platz 12. Die spanische Firma soll diesmal in La Coruna, C/San Andres No. 151 sitzen. Es sei die Branchen-Portal-Deutschland Ltd., die teils mit nur einem Bindestrich oder gleich ganz ohne geschrieben wird.

Nichts davon stimmt. Weder gibt es dieses Inkassobüro. Noch eine Firma Branchen-Portal-Deutschland Ltd. Nicht einmal die Hausnummern existieren.


Die Kopie einer Masche mit Anruf...

Bei einem Gewerbetreibenden in Deutschland Raum klingelt das Telefon. Die Angerufenen haben meist eine Gemeinsamkeit. Sie waren in den Wochen zuvor Opfer der Doppel-Anruf-Masche geworden.

[Mehr zur Doppel-Anruf-Masche]

Der Anrufer kommt mehr oder weniger akzentfrei zur Sache: man sei von einem Inkassounternehmen, der Inkassogesellschaft Herzog. Es gäbe ein Problem. Aber man suche erst einmal den Weg der direkten Ansprache, bevor man mit Mahnungen beginne. Die seien schließlich unangenehm. Es ginge um die Firma Branchen-Portal-Deutschland. Die würde man bei der Inkassogesellschaft Herzog vertreten. Der Angerufene sei auf deren Internetseite eingetragen. Das sei bislang kostenlos gewesen, würde ab jetzt aber Geld kosten. Man würde die Rechnung übersenden. Wenn die sofort gezahlt würde, wäre ein weiteres Tätigwerden der Inkassogesellschaft Herzog nicht mehr vonnöten. Ansonsten müsste man weiter Maßnahmen ergreifen.


... und Brief

Tatsächlich kommt dann auch etwas. Ein Anschreiben, in deren Briefkopf es Inkassogesellschaft Herzog mbH heißt. Ohne Unterschrift. Aus dem Text:

„… wie mit unserem Sachbearbeiter besprochen, übersenden wir ihnen anbei eine Rechnungskopie und die entsprechenden AGB zur aktuellen Forderung unseres Mandanten: Branchen Portal Deutschland Ltd. […]

Wir weisen Sie darauf hin, dass wir den offenen Saldo unter Einhaltung des § 28a Bundesdatenschutzgesetz an Auskunfteien (u.a. Schufa und Infoscore) melden werden, falls wir keine einvernehmliche Lösung finden.“

Eine Rechnung liegt bei. 299,50 EUR will man haben. Branchen-Portal Deutschland heißt es in deren Briefkopf. Anschrift aus La Coruna, spanischer Nordwesten. Das Symbol der Google-Partner ist abgedruckt. Das Geld soll auf ein Konto der Caixabank S.A. in Barcelona gehen, einem bei Betrügern dieser Machart geschätzten Geldinstitut. Die Mehrwertsteuer soll man hingegen an das örtliche Finanzamt abführen. Reverse-Charge-Verfahren nennt sich das dann.

[Anschreiben von Inkassogesellschaft Herzog mbH mit Rechnung und AGB für Branchen-Portal-Deutschland]

Gezahlt werden soll laut Rechnungstext für „Darstellung Ihrer Firmendaten im Internet“. Auf welcher Seite? Dazu findet sich nichts. Eine Branchen-Portal-Deutschland Ltd. existiert jedenfalls nicht. Nach den beigefügten Allgemeinen Geschäftsbedingungen - AGB und dem Text auf der Rechnung soll der Gerichtsstand in La Coruna sein.

Letztlich ist das auch gleich. Eine Inkassogesellschaft Herzog mbH ist in keinem Handelsregister verzeichnet. Natürlich auch nicht im Rechtsdienstleistungsregister, in dem alle zugelassenen Inkassounternehmen verzeichnet sind. Man findet sie auch nicht am Maritim-Platz 12 in Düsseldorf. Dort, wenige Schritte nach rechts aus dem Flughafen-Terminal heraus, ist der Platz. Doch die Hausnummer gibt es nicht. Im spanischen La Coruna wird man auch unter der angegebenen Adresse nicht fündig.

Der Betrugsversuch ist nicht neu. Er ähnelt eins-zu-eins dem, über den wir vor knapp einem viertel Jahr berichtet hatten. Vergleichen Sie selbst die Schreiben:

[Anschreiben von Inkassogesellschaft Kaiser mbH mit Rechnung für Lokale-Firmen-Suche Madrid mit AGB]


Nicht zahlen - Strafanzeige erstatten

Normalerweise muss man tätig werden, wenn man Opfer der Branchenbuch-Betrüger wurde. In diesem Fall nicht. Mit nicht existierenden Firmen muss man sich nicht abgeben. Legen Sie kommentarlos auf, wenn Sie angerufen werden. Lassen sie sich nicht auf ein Gespräch ein. Wenn Sie Post erhalten, können Sie diese problemlos entsorgen. Entweder im Papierkorb. Noch besser: in einem Brief, mit dem Sie bei Polizei oder Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die Hinterleute erstatten. Das können Sie selber machen, Rechtsanwälte müssen Sie dafür nicht beauftragen.




Der Trick mit den erfundenen Inkassobüros erfreut sich in letzter Zeit steigender Beliebtheit. Schon häufiger haben wir in unserem Blog darüber berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 11.11.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 29.04.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 19.06.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 12.10.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 03.02.2016]
[Zum Blog-Beitrag vom 08.04.2016]
[Zum Blog-Beitrag vom 11.04.2016]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]





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