Aus Hamburg auf Kundenfang: die HAS Verlag GmbH & Co. KG will Geld für Anzeigen

20.08.2015 mit Update vom 14.10.2019 - „Touristik warnt vor dubiosen Werbern“ konnte man kürzlich in einer hessischen Zeitung lesen. Es hätte sich jemand als Vertreter des örtlichen Tourismus-Verbandes ausgegeben und seinen Besuch bei einem Gewerbetreibenden angekündigt. Weiter aus dem Zeitungsartikel: „Bei seinem Besuch legte er einen Texteintrag des Anbieters/des Betriebes aus einer älteren Broschüre vor, mit dem Hinweis, dass dieser nun in der Neuauflage einer touristischen Broschüre erscheinen solle. Man möge den Eintrag prüfen. Kosten würden einem dabei nicht entstehen. Jedoch solle der Besuch des angeblichen TTS-Mitarbeiters auf einem Formular kurz schriftlich bestätigt werden.“ Regelmäßige Leser unseres Blogs ahnen, was auf dem Formular stand. Es müsse Geld gezahlt werden. Die Zeitung nennt auch den Namen der Firma: die Hamburger HAS Verlag GmbH.

[Zum Beitrag des Usinger Anzeiger vom 18.06.2015]

Über die „in Langfassung“ richtig als HAS Verlag GmbH & Co. KG firmierende Firma aus 22769 Hamburg findet man viele Berichte im Internet. Mit gleicher oder ähnlicher Tendenz. „Vorsicht Falle – Trittbrettfahrer sprechen Firmen an“ oder „Unterschrift erschwindelt“, heißt es dann.

Die HAS Verlag GmbH & Co. KG konnte in diesen Tagen ihr fünfjähriges Bestehen, na ja, feiern. Am 27.07.2010 wurde sie im Handelsregister des Amtsgericht Hamburg (HRA 11864) eingetragen. Sie wird vertreten durch die HAS Verwaltungs GmbH (Handelsregister des AG Hamburg Aktenzeichen, HRB 122564); die wiederum durch deren Geschäftsführer. Das sind der 1964 geborene Achim Kufner und Ralf Kufner, Jahrgang 1968. Im Handelsregister sind – Stand 2012 - beide mit Wohnorten vom Niederrhein eingetragen.


Ein Besuch nach Ankündigung

Von Betroffenen wurde uns eine Akquise der HAS Verlag GmbH & Co. KG geschildert, die dem entspricht, was man auch in Presse und Internet lesen kann. Telefonisch sei ihnen ein baldiger Besuch angekündigt worden. Der Anruf bezog sich auf eine Anzeige, die von den Betroffenen regelmäßig geschaltet wird.

Als der Besucher kam, zeigte er auch die Anzeige. Und fragte, ob sie in der nächsten Ausgabe erscheinen soll. In den uns bekannten Fällen wurde, anders als in der hessischen Zeitung beschrieben, nicht mit einem kostenlosen Abdruck geworben. Es hieß, dass man die Rechnung wie üblich bekäme. Man müsse das bestätigen, alles sei noch so, wie sonst auch. Ein Formular wurde vorgelegt. Ob man einen Stempel habe, man möge den Abdruck doch draufsetzen, wurde gebeten, das mache die Sache einfacher. Der freundliche Besucher machte noch ein paar Kreuzchen, so erschien es den Betroffenen, dann unterschrieben sie. „Hier bitte“, wurde ihnen gesagt und gezeigt wo das Unterschriftenfeld ist. Wer liest schon Kleingedrucktes? Noch nicht einmal die meisten Juristen. Außerdem wäre der Besucher freundlich gewesen, wurde uns erklärt. Und man hätte doch die Firma gekannt. Es sei eigentlich so gewesen, wie sonst auch.

So dachte man. Doch es war nicht so.

Die böse Überraschung kam spätestens in Form der Rechnung einer bis dahin unbekannten Firma an; 886,74 EUR sind es, die unter der Bezeichnung HAS Verlag GmbH & Co. KG von den Betroffenen verlangt werden. Gezahlt werden soll innerhalb von 14 Tagen auf ein Konto bei der Postbank Hamburg.


Viel Geld für was?

Wofür? “Für Ihre Anzeige im „Ratgeber Umwelt“ heißt es beispielsweise in der Rechnung der HAS Verlag GmbH & Co. KG.

[Beispiel einer Rechnung der HAS Verlag GmbH & Co. KG aus Hamburg]

Was das sein soll? Das Druckobjekt soll jedenfalls nach dem Kleingedruckten auf dem Formular der HAS Verlag GmbH & Co. KG in einer Auflage von 1000 Exemplaren erstellt werden. Weiter heißt es:

„Die Broschüren werden innerhalb eines Radius von 50 Kilometern zum vereinbarten Postleitzahlengebiet bei Inserenten, Stadtverwaltungen und Gemeindeverwaltungen an mindestens 35 verschiedenen Stellen ausgelegt.“

Doch nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht? Auf einer Fläche von über 300 Quadratkilometern!


Wer zahlt, hat keine Ruhe

Wer glaubt, wenn er zahlt, würde er seine Ruhe haben, hat sich getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular wird man innerhalb eines Jahres insgesamt viermal zur Kasse gebeten. Macht dann bei einer 12 * 4 cm kleinen Anzeige zusammen gerechnet schon mal 3.546,96 EUR.

[Beispiel eines Anzeigenformulars der HAS Verlag GmbH & Co. KG]

Wenn man nach den Namen von Achim Kufner und Ralf Kufner im Internet Ausschau hält, wird man feststellen, dass beide bereits vor der Gründung der HAS Verlag GmbH & Co. KG mit ähnlichen Werbefirmen aktiv waren. „Anzeigenhaie zocken Unternehmer ab“, war damals eine Überschrift in der Neuen Osnabrücker Zeitung.


Eine Forderungsabwehr ist möglich

Solche Verträge sind angreifbar. Sowieso, wenn sie durch Lug und Trug zustande gekommen sind. Auch wegen der Formulargestaltung; mit Klauseln, die man als überraschend bezeichnen kann. Vor allem aber, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommt, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist. Oder wie Juristen sagen: es an den essentialia negotii mangelt.

Viel zu viele zahlen; sonst hätte diese Art von Geschäft schon längst ein Ende gefunden. Nicht alle machen das sofort, etliche halten dem Druck von Mahnungen und Drohungen aber auf Dauer nicht stand.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise der HAS Verlag GmbH & Co. KG aus Hamburg erteilten Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 14.10.2019:

Auch im Jahr 2019 will die HAS Verlag GmbH & Co. KG aus Hamburg an Aufträge. Und an das Geld Betroffener. Gezahlt werden soll jetzt auf ein Konto bei der Münchener Fidor Bank.




Der Mitgeschäftsführer der HAS Verlag GmbH & Co. KG, Ralf Kufner, ist noch mit einer weiteren Firma tätig. Der Anzeigenfirma plain werbeservice GmbH aus 50259 Pulheim.

[Zum Blog-Beitrag vom 26.11.2015]




Jetzt ist eine weitere Firma mit Ralf Kufner als Geschäftsführer aufgetaucht: die wsk media UG (haftungsbeschränkt). Genauso wie bei HAS Verlag und plain werbeservice geht es wieder darum, an Unterschriften unter ein Formular zu gelangen. Mit der sich die Betroffenen zur Zahlung von teuren Anzeigen verpflichten.

[Zum Blog-Beitrag vom 17.09.2019 - Mit altem Bekannten: die Anzeigenmasche der wsk media UG aus Mönchengladbach]




Siehe auch:

[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]

[Die Abzockerfirmen und ihre Konten]




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