Aus Köln auf Kundenfang: die Werbefirma Multi Media Druck der Birgit Stemmeler

22.12.2016 mit Update vom 03.09.2019 - In der „Szene“, über die wir in diesem Blog berichten, gibt es bestimmte Moden. Macht eine Firma etwas vor, machen es andere nach. Kein Wunder, hängt doch auf dem Weg über die Hinterleute solchen Geschehens vieles mit allem zusammen.

Mal ruhiger und mal lebhafter wird das Geschäft mit Werbeanzeigen betrieben. Nicht irgendwelchen, sondern solchen, bei denen viel Geld verlangt wird. Für eine sehr überschaubare Gegenleistung.

Unter dem Namen Multi Media Druck, Inhaber Birgit Stemmeler wird aus 50678 Köln versucht, an Unterschriften von Gewerbetreibenden unter ein Formular zu gelangen. Und natürlich an deren Geld. Viel Geld. Für eine Anzeige in einem "Druckobjekt". Unter dem sich die Betroffenen eigentlich etwas anderes vorstellten.


Eine Unterschrift wird ergattert...

Angesprochen von der Firma Multi Media Druck der Birgit Stemmeler werden Geschäftsleute, die zuvor regelmäßig in der Publikation einer Stadt oder Gemeinde eine Anzeige geschaltet hatten. Von Betroffenen wurde berichtet, dass sie annahmen, es mit einem Mitarbeiter ihres bisherigen Vertragspartner zu tun zu haben.

In diesem Blog-Beitrag soll es weniger darum gehen, wie man an die Unterschriften der Betroffenen gelangt. Sondern darum, was unterschrieben wird.

Die bisher von den Betroffenen geschaltete Anzeige ist in der Mitte des Formulars voreingetragen, das ihnen von der Firma Multi Media Druck der Birgit Stemmeler zugeht. Auch deren Name und Kontaktdaten. Sie sollen es unterschreiben und an eine Rückfax-Nummer schicken.

Die so angesprochenen glauben, das Formular stamme von ihrem bisherigen Werbepartner. Die Mühe, das Kleingedruckte sorgfältig zu lesen, machen sich wenige. Sie unterschreiben und schicken es zurück. Die Falle schnappt zu.


... dann folgt die Rechnung

Die meisten Betroffenen werden stutzig, wenn sie die Rechnung der Firma Multi Media Druck der Birgit Stemmeler in Händen halten. Deren Aufmachung, vor allem aber der geforderte Betrag, unterscheidet sich von dem, was man bislang gewohnt war. Die meisten merken jetzt, was ihnen widerfuhr. 813,13 EUR brutto sollen für eine 90 x 95 mm kleine Werbeanzeige gezahlt werden. Binnen 14 Tagen, auf ein Konto bei der Commerzbank AG.

Noch bevor die 14 Tage verstrichen sind, kam in einem hier vorliegenden Fall bereits eine Zahlungserinnerung. Jetzt verlangte man schon 823,13 EUR.


Das wird kein wirksamer Vertrag

Die Anzeigenaufträge an die Firma Multi Media Druck sollen in einem „bekannten Infofolder/Prospekt“ erscheinen, heißt es in dem Formular.

[Beispiel des Anzeigenformulars der Firma Multi Media Druck, Inhaberin Birgit Stemmeler]

Doch der „Infofolder/Prospekt“ ist den Betroffenen nicht bekannt, nahmen sie doch an, es ginge um die bisherige Publikation. Näheres zu dem Druckobjekt findet man in dem Formular nicht, außer dem Hinweis, dass er sechs Seiten habe. Von „mindestens 1000 Stück“ ist noch die Rede.

Dazu, wie sie unter das Volk kommen, lässt das Formular vielerlei Interpretationen zu. Unten, neben der Unterschrift, ist unter „Verteilungsgebiet“ eine Postleitzahl eingetragen. Die aber gleich relativiert wird: „und Umgebung“ steht daneben. Oben im Kleingedruckten heißt es dann schon:

„Die Multi-Media-Druck behält sich das Recht vor, mehrere PLZ-Gebiete in einem Infofolder/Bürgerinfo zu veröffentlichen/verteilen.“

Doch die Ungenauigkeit der Beschreibung des Verteilungsgebiets ist noch steigerungsfähig. Einige Sätze weiter:

„Die Deutsche Post AG wird damit beauftragt die Verteilung innerhalb Deutschland als Postwurfsendung „Haushalte mit Tagespost“ vorzunehmen.“

Ein Belegexemplar mit allen darin abgedruckten Anzeigen sollen die Betroffenen wohl auch nicht erhalten. Noch einmal aus dem Kleingedruckten:

„Die Multi-Media-Druck ist nicht berechtigt, dem Auftraggeber Daten der Mitinteressenten zu nennen.“

Unabhängig davon, wie die Firma Multi Media Druck, Inhaberin Birgit Stemmeler es schaffte, an die Unterschriften unter ihr Werbeformular zu gelangen; es ist damit kein wirksamer Vertrag zustande gekommen. Oder wie man unter Juristen sagt: es mangelt an den essentialia negotii.


Eine virtuelle Anschrift

Die von der Firma Multi-Media-Druck angegebene Anschrift klingt im ersten Moment exklusiv. Doch im Zollhafen 24 in 50678 Köln wird man von dieser Firma vermutlich kaum jemanden persönlich antreffen. Dort sitzt ein Business-Service, das „virtuell offices“ anbietet. Auf Deutsch würde man dazu sagen: Tarnadressen.


Wer zahlt, bekommt keine Ruhe

Wer glaubt, wenn er zahlt, würde er seine Ruhe haben, sieht sich bald getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular kann man innerhalb eines Jahres insgesamt viermal zur Kasse gebeten werden. Macht in dem Fall zusammen gerechnet 3.264,52 EUR brutto.

Ab der zweiten Rechnung wird in dieser speziellen Geschäfts-Szene dann gerne argumentiert, mit der Zahlung der ersten Rechnung hätte man in jedem Fall das Bestehen eines Vertrages anerkannt.


Gegen solche Forderungen lässt sich vorgehen

Doch solche Verträge sind angreifbar. Nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande gekommen sind. Vor allem, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommt, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise der Firma Multi Media Druck, Inhaberin Birgit Stemmeler aus Köln erteilten Anzeigenauftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühe Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 03.09.2019:

Längere Zeit hörten wir nichts mehr von ihr. Doch im Sommer 2019 wurden uns erneut Aktivitäten der Firma Multi Media Druck, Inhaberin Birgit Stemmeler aus Köln mitgeteilt. In einer hier vorliegenden Rechnung von Ende August 2019 sollen die Betroffenen für die Veröffentlichung einer Anzeige 985,92 EUR brutto zahlen. Jetzt auf ein Konto bei der Postbank. Innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Rechnung.



Informationen zum Thema "Kölner Masche":
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]


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