Aus Pulheim auf Kundenfang: die Anzeigenfirma plain werbeservice GmbH

26.11.2015 mit diversen Updates, zuletzt vom 11.12.2020 – Vor einigen Wochen berichteten wir über die HAS Verlag GmbH & Co. KG aus Hamburg. Deren Mitgeschäftsführer, der 1968 geborene Ralf Kufner, ist noch auf einem zweiten Standbein aktiv. Unter dem Namen plain werbeservice GmbH (kein Vertipper, die ersten beiden Worte werden klein geschrieben) wird unter der Anschrift Daimler Straße, 50259 Pulheim versucht, an Unterschriften von Gewerbetreibenden unter ein Formular zu gelangen. Und natürlich an viel Geld von denen. Für eine Anzeige in einem Druckobjekt. Unter dem sich Betroffene etwas ganz anderes vorstellten.

Die plain werbeservice GmbH wurde am 20.11.2012 gegründet. Die mit einem Stammkapital von 25.000 EUR ausgestattete Firma ist im Handelsregister des AG Köln (HRB 77190) eingetragen. Ralf Kufner ist deren Geschäftsführer. "Werbedienstleistungen und telefonische Marktforschung sowie Kundenbefragungen", nennt das Handelsregister als Geschäftsgegenstand.

Doch die von Betroffenen genannte Methode der plain werbeservice GmbH ähnelt nach hier vorliegenden Berichten derjenigen der HAS Verlag GmbH & Co. KG:


Ein freundlicher Vertreter kommt

Telefonisch wurde der Besuch eines Außendienstmitarbeiters angekündigt. Es ginge um die Anzeige, die von den Betroffenen regelmäßig in der Publikation der Stadt oder der Gemeinde geschaltet werde, hieß es.

Der Werber erschien dann auch zum verabredeten Zeitpunkt, führte zuerst einen freundlichen Smalltalk und zeigte schließlich die bisherige Anzeige; ob sie so auch in der nächsten Ausgabe erscheinen soll. Die so Angesprochenen hatten keinen Zweifel daran, dass alles seine Richtigkeit habe und es um die erneute Schaltung der Anzeige in der bisherigen Publikation ging. Schließlich war alles „ordentlich“ angekündigt und besprochen worden. Man müsse das schriftlich bestätigen, sagte der freundliche Vertreter. Er legte ein Formular vor. Ob man einen Stempel habe, man möge den Abdruck doch draufsetzen, bat er noch, das mache die Sache einfacher. Dann wurde das Unterschriftenfeld gezeigt, „hier muss unterschrieben werden“. Schnell geschah das, die Mühe, das Kleingedruckte sorgfältig zu lesen, macht sich erfahrungsgemäß kaum einer. Die Falle schnappte zu.


Dann überrascht die Rechnung

Einige Zeit später kommt eine Rechnung. 774,69 EUR brutto sind es, die unter der Bezeichnung plain werbeservice GmbH von den Betroffenen verlangt werden. “Druckobjekt: Info Notruf“ heißt es beispielsweise in der Rechnung der plain werbeservice GmbH. Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Raiffeisenbank Frechen-Hürth. Sofort und ohne Skonto-Abzug.

[Beispiel einer Rechnung der plain werbeservice GmbH aus Pulheim - Herbst 2015]

Das Druckobjekt soll jedenfalls nach dem Kleingedruckten auf dem Formular der plain werbeservice GmbH in einer Auflage von 2000 Exemplaren erstellt werden. Weiter heißt es: „Der Verlag ist verpflichtet, die vereinbarte Werbeanzeige in 2000 Faltblättern (Hochformat DIN A 3) abzudrucken und innerhalb eines Radius von 50 Kilometern zum vereinbarten Postleitzahlengebiet verteilen zu lassen. Die Verteilung erfolgt über die deutsche Post AG an Haushalte mit Tagespost in den Postleitbereichen der jeweiligen Inserenten. Per Postleitbereich werden mindestens 200 Exemplare an die Haushalte verteilt.“

Doch nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht? Auf einer Fläche von über 300 Quadratkilometern! Nur zu realistisch da erscheint ein weiterer Satz im Kleingedruckten: „Für die Werbewirksamkeit oder den Werbeerfolg kann der Verlag nicht einstehen.“

[Beispiel eines Anzeigenformulars der plain werbeservice GmbH aus Pulheim - Herbst 2015]

Übrigens findet sich quergesetzt, ganz links, noch ein handschriftschriftlicher Zusatz: „X Nicht von der Stadt/Gemeinde X“. Warum das von der plain werbeservice GmbH wohl so betont wird?!


Wer zahlt, bekommt keine Ruhe

Wer glaubt, wenn er zahlt, würde er seine Ruhe haben, sieht sich bald getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular wird man innerhalb eines Jahres insgesamt viermal zur Kasse gebeten. Macht bei einer 7 * 7 cm kleinen Anzeige zusammen gerechnet schon mal 3.098,76 EUR brutto.

Ab der zweiten Rechnung wird in dieser speziellen Geschäfts-Szene dann gerne argumentiert, mit der Zahlung der ersten Rechnung hätte man in jedem Fall das Bestehen eines Vertrages anerkannt.


Gegen solche Forderungen lässt sich vorgehen

Doch solche Verträge sind angreifbar. Nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande gekommen sind. Vor allem aber, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommt, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise der plain werbeservice GmbH aus Pulheim erteilten Anzeigenauftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühe Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 17.09.2019:

Jetzt ist eine weitere Firma mit Ralf Kufner als Geschäftsführer aufgetaucht: die wsk media UG (haftungsbeschränkt). Genauso wie bei HAS Verlag und plain werbeservice geht es wieder darum, an Unterschriften unter ein Formular zu gelangen. Mit der sich die Betroffenen zur Zahlung von teuren Anzeigen verpflichten.

[Zum Blog-Beitrag vom 17.09.2019 - Mit altem Bekannten: die Anzeigenmasche der wsk media UG aus Mönchengladbach]



Update vom 22.10.2019:

Auch im Herbst 2019 ist die plain werbeservice GmbH aktiv. Für einen "Ratgeber Erste Hilfe" wird von den Betroffenen 361,76 EUR brutto verlangt. Zu zahlen auf ein Konto bei der Net-m Privatbank 1891 AG. Innerhalb eines Jahres wird der Betrag viermal entstehen und sich damit insgesamt auf 1.447,04 EUR beziffern.



Update vom 27.04.2020:
Noch ein neues Konto

Im April 2020 wird auf den Rechnungen der Plain Werbeservice GmbH ein neues Konto genannt. Bei der Volksbank Rhein Erft Köln eG.



Update vom 11.12.2020:

Das nächste Konto. Bei der Raiffeisenbank Frechen-Hürth.



[Die Abzockerfirmen und ihre Konten]

Informationen zum Thema "Kölner Masche":
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Siehe auch:
[Die Abzockerfirmen und ihre Konten]



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