2. Teil: Wer Brunnen bohren lässt, kann nicht Wasser erwarten – Brunnenbauer muss aber tief genug bohren

30.04.2019 – Vor einigen Jahren berichteten wir über ein Urteil des Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt. Die Überschrift unseres Bau-News-Beitrages fasst es so zusammen: Wer einen Brunnen bohren lässt, kann nicht erwarten, dass Wasser gefunden wird.

[Zum Bau-News-Beitrag vom 24.03.2015]

Doch wenn ein Brunnenbauer daraus ableitet, die Arbeit nur halb zu machen, aber den vollen Werklohn zu verlangen, irrt er sich.


Eine Anzeige aus der Fernsehzeitschrift

Ein Grundstückseigentümer aus einem brandenburgischen Dorf, nördlich von Berlin, suchte uns in unserer Kanzlei auf. Er war von einem Brunnenbauer vor dem Amtsgericht Bernau verklagt worden. Unter Berufung auf das Urteil, über das wir in unseren Bau-News berichtet hatten.

Seine Geschichte ließ sich etwa so zusammenfassen. In dem Dorf bewohnt er ein Einfamilienhaus mit einem großen Garten. Die Nachbarn rings umher haben alle einen eigenen Brunnen, über den sie das Wasser für die Bewässerung ihrer Gärten entnehmen. So etwas habe er auch haben wollen. In einer Fernsehzeitschrift für Ostdeutschland fand er eine Kleinanzeige eines Brunnenbaumeisters. „Mit Garantie“ hieß es. Er habe angerufen und der Brunnenbauer erklärte, das Dorf zu kennen. Da gäbe es Wasser, meinte der. Der angebotene Preis sei gut gewesen. Mündlich habe man sich auf einen Auftrag geeinigt.


Bohrt und bohrt...

Pünktlich erschienen die Brunnenbohrer und legten los. Doch bis zu einer Tiefe von 20 Metern ohne Erfolg. Nun verlangte der Brunnenbauer mehr Geld. Für den Mehraufwand; er hätte gedacht, dass man nicht tiefer gehen müsse. Bei 30 Metern und 40 Meter das Gleiche. Bei 50 Meter fragte er nach, ob es im Ort einen Brunnenbauer gäbe. Den gab es und er rief ihn an. Ja, es gäbe Grundwasser, erfuhr er. In etwa 55 Meter Tiefe. So tief hätte man in der Nachbarschaft bohren müssen.


… und hört zu früh auf

Die Brunnenbauer bauten ihr Bohrgestänge ab. Dem erstaunten Grundstückseigentümer erklärten sie, keine Ausrüstung zu haben, um tiefer zu gehen. Das Bohrloch müsse er selber verfüllen, so etwas sei nicht ihre Aufgabe.

Einige Tage später sei die Rechnung gekommen. Die habe er nicht bezahlt. Und jetzt sei er verklagt worden.

Wir besorgten uns die hydrologische Karte des zuständigen Landesamtes. Die bestätigte das, was schon der örtliche Brunnenbauer erklärt hatte. Unter dem Dorf gab es eine grundwasserführende Schicht. In 52 – 55 Meter Tiefe begann sie. Die Brunnenbauer hätten tiefer gehen müssen.


Werkvertrag: Geld gibt es erst bei abnahmefähiger Leistung

Unser Ansatz für eine Verteidigung gegen die Klageforderung war dadurch einfach. Mit der Garantie aus der Zeitungsannonce haben wir erst gar nicht angefangen. Die war das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt war. Der Ansatz war der Rechtscharakter des Brunnenbohrvertrages. Er war ein Werkvertrag. Und bei dem gibt es, wenn nichts anderes vereinbart wurde, dann das Geld, wenn die Leistung abnahmefähig erbracht worden war. Das wäre dann der Fall gewesen, wenn bis in eine Tiefe gebohrt worden wäre, in der üblicherweise Wasser die grundwasserführende Schicht liegt. Also bis 55 Meter Tiefe. Der Brunnenbauer, der erklärt hatte, die örtlichen Verhältnisse zu kennen, hätte bis dahin bohren müssen, um eine abnahmefähige Leistung zu erbringen. Dann hätte er sein Geld bekommen, auch wenn es wider Erwarten und warum auch immer, ausgerechnet dort kein Wasser gegeben hätte. Nicht aber, wenn er mangels Gerät zu früh aufhört.

Das unterschied den Fall von dem, der dem Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt vorgelegen hatte. Dort hatte der Brunnenbauer tief genug gebohrt.


Klage wurde zurück genommen

So argumentierten wir gegenüber dem Gericht. Der Brunnenbaumeister nahm sich daraufhin auch einen Anwalt. Etwas, was er besser vor Klageerhebung gemacht hätte. Der wird ihn wohl über seine Erfolgsaussichten aufgeklärt haben. Die Klage wurde jedenfalls recht zügig zurück genommen.