Gebaut, römische Überreste gefunden und trotzdem weiter gemacht: das ist teuer

26.01.2022 – Asterix und Obelix und ihre Auseinandersetzung mit den Römern kennen die meisten. Und viele wissen aus der Schulzeit, dass die Römer sich nicht nur in Gallien aufgehalten haben, sondern auch in großen Teilen Germaniens. Dem heutigen Westen und Süden der Bundesrepublik. Und das nicht nur für ein paar Jahre, sondern teils für Jahrhunderte.

Wo die Römer einmal gelebt haben, muss man mit Überbleibseln rechnen. Vergraben in der Erde. Und wenn dann jemand bauen will, los gräbt und die Reste arglos zur Seite schafft, kann das teuer werden. Das zeigt eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Zweibrücken Senat für Bußgeldsachen (OLG Zweibrücken 1 OWi 2 SsBs 62/20).

In der Pfalz, im Raum Germersheim, besaß ein selbstständiger Garten- und Landschaftsbauer ein Wohnhaus. Dieses genügte ihm so nicht mehr, er wollte umbauen. Im August 2016 reichte er einen Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung für den Umbau ein. Im Oktober des Jahres wurde sie ihm erteilt. Dass auch im Keller gearbeitet werden sollte, ging aus dem Bauantrag nicht hervor. Solche Arbeiten wurden auch nicht genehmigt.


Brunnen abgetragen, Tonscherben zur Seite gepackt

Dennoch begann der Mann den bereits vorhandenen kleinen Kriechkeller zu erweitern, hob das Grundstück aus und stieß dabei auf umfangreiches römisches Fundmaterial, insbesondere diverse Tonscherben und zwei Brunnen. Die Tonscherben packte er zur Seite. Als er 2018 die zuständigen Spezialisten für Landesarchäologie informierte, war die Baugrube bereits nahezu vollständig ausgehoben und einer der gefundenen Brunnen bis zur Hälfte abgetragen.

Wegen dieses Vorgangs wurde gegen ihn ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Dagegen wehrte er sich mit der Begründung, nicht gewusst zu haben, dass die Tonscherben und Mauerreste Kulturdenkmäler seien. In der ersten Instanz half ihm das nicht. Er wurde wegen Bauens ohne Baugenehmigung und vorsätzlichen Verstoßes gegen das Denkmalschutzgesetzt zu einer Geldbuße von 8.500,00 € verurteilt.

Dagegen legte er Rechtsbeschwerde ein, zum Oberlandesgericht. Das hob zwar das Urteil des Amtsgerichts Germersheim auf, stellte aber zugleich klar:

“ Ist in einem Gebiet - wie es im Fall von R. der Fall ist - allgemein bekannt, dass aufgrund der römischen Vergangenheit des Ortes bei Erdarbeiten mit römischen Fundmaterial zu rechnen ist, liegt die Annahme, dass bei Erdarbeiten aufgefundene Tonscherben und Mauerreste keine Kulturdenkmäler sein könnten, ebenso fern wie die Annahme bloß fahrlässigen Handelns im Falle der teilweisen Zerstörung der vorgefundenen Gegenstände […] In Ermangelung entgegenstehender Angaben des Betroffenen ist die Annahme vorsätzlichen Verhaltens des Betroffenen deshalb nicht zu beanstanden.“


Es geht weiter

Das Amtsgericht wird sich jetzt erneut mit dem Fall befassen müssen. Es geht im Wesentlichen darum, ob die Geldbuße beibehalten oder gemindert wird.