Handwerker hat (Laien) auf preisgünstige Alternativen hinzuweisen

09.12.2022 – Ein Handwerker muss darauf hinweisen, wenn es auch eine günstigere Methode gibt, um zum Ziel zu gelangen. Und zwar auch dann, wenn er diese Methode selber nicht anbietet.

Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (OLG Karlsruhe, Urteil vom 07.06.2022 – 9 U 163/20).

Im Raum Bodensee war es auf dem Grundstück eines Hauseigentümers im Jahr 2016 zu einem Bruch der etwa 50 Jahre alten Abwasserleitung gekommen. Schnell wurde durch teilweises Ausgraben und einer Kamerafahrt festgestellt, dass sich dort Beschädigungen und Beeinträchtigungen des Wasserabflusses befanden, insbesondere durch Verschmutzungen und eingedrungene Wurzeln.


28 Meter Leitungsneubau

Ein Fachbetrieb für Haustechnik machte ein Angebot. Und was für eins. Es sei nicht ausreichend, die Abwasserleitung nur im Bereich der Bruchstelle zu erneuern, erklärte er. Man müsse sie auf 28 Meter komplett neu herstellen und in 3 Meter Tiefe durch den Garten zu führen. Der Hauseigentümer war Laie auf dem Gebiet. Über seine Frau, die genauso wenig davon verstand, bekam der Betrieb den Auftrag. Am Schluss berechnete er 26.200 EUR.


Inlinersanierung wäre deutlich billiger

Der Hauseigentümer leistete Teilzahlungen, bis er erfuhr, dass eine Sanierung der alten Leitung im Inlinerverfahren wesentlich kostengünstiger gewesen wäre. Es handelt sich dabei um eine dauerhafte und ausgrabungsfreie Vollsanierung, bei der das beschädigte Rohr durch Kunststoff ausgekleidet wird. Mit einer Lebensdauer von rund 40 Jahren ist die Methode auch nachhaltig.

Der Haustechnikbetrieb verteidigte sich damit, dass er diese Methode nicht anbietet. Er klagte die restlichen Kosten für die Handwerksleistung ein. Der Hauseigentümer forderte daraufhin sein Geld zurück bis zur Höhe dessen, was er bei einer Inlinersanierung bezahlt hätte.


Oberlandesgericht kippt Landgericht

In der ersten Instanz lief es am Landgericht Konstanz nicht gut für den Hauseigentümer. Doch er gab nicht auf und legte Berufung ein. Am Oberlandesgericht Karlsruhe sah man die Sache anders, als am Landgericht Aus dem Urteil:

“Die Kl. war vorvertraglich verpflichtet, den Bekl. – bzw. die für ihn handelnde Ehefrau – vor Auftragserteilung darüber aufzuklären, dass es für die Sanierung der beschädigten Abwasserleitung mit deutlich überwiegender Wahrscheinlichkeit eine wesentlich kostengünstigere Variante gab, als die von der Kl. vorgeschlagenen Neuverlegung. Die Verlegung einer neuen Abwasserleitung war mit erheblichen Kosten verbunden (23.697 EUR). Eine Sanierung im Wege des sogenannten Inlinerverfahrens wäre wesentlich günstiger gewesen. Der für die Kl. handelnde Drittwiderbeklagte T. K. hätte die Ehefrau des Bekl. darauf hinweisen müssen, dass eine solche kostengünstige Sanierung wahrscheinlich möglich war. Es wäre erforderlich gewesen, die vorhandene alte Leitung zunächst vollständig zu reinigen (Kostenaufwand nach den Angaben des Sachverständigen ca. 1.000 EUR bis 1.500 EUR). Im Inlinerverfahren hätte anschließend die vorhandene Leitung ohne Aufgrabungen repariert werden können durch eine Auskleidung und Reparatur des Rohrers von innen. Dabei spielen spezielle Harzbeschichtungen eine Rolle, durch die schadhafte Stellen abgedichtet werden. Das Inlinerverfahren ist nach dem Gutachten des Sachverständigen ein Standardverfahren zur Reparatur von schadhaften Abwasserleitungen, das auch schon 2016 jedem Fachmann bekannt war. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass die Neuverlegung der Abwasserleitung, die von der Kl. vorgenommen wurde, bei einer Länge von etwa 28 m und einer erforderlichen Tiefe der Verlegung in mehr als 3 m besonders aufwendig war.

Die Kl. war vor Auftragserteilung verpflichtet, naheliegende wirtschaftliche Interessen des Bekl. zu berücksichtigen, da der Bekl. als Nichtfachmann die in Betracht kommenden technischen Möglichkeiten nicht kannte. Angesichts der allgemeinen Verbreitung des Inlinerverfahrens ändert der Umstand nichts, dass die Kl. selbst Reparaturen im Inlinerverfahren nicht anbot, so dass der Bekl. ein anderes Unternehmen mit der Sanierung hätte beauftragen müssen. Aus der Perspektive der Kl. war offensichtlich, dass der Bekl. sie kaum mit der kostenaufwendigen Neuverlegung der Abwasserleitung beauftragt hätte, wenn er die allgemein verbreitete kostengünstige Möglichkeit einer Inlinersanierung gekannt hätte“

Rund 13.700,00 € hätte der Hauseigentümer bei einer Inlinersanierung gespart. Auf diesen Kosten bleibt der Handwerksbetrieb sitzen.


Das Urteil hat zwei Seiten

Zum einen ist es richtig, dass ein Handwerksbetrieb verpflichtet ist, einen Laien aufzuklären, dass er nicht die teuerste Methode anwenden muss.

Letztlich wird es aber immer auf den Einzelfall ankommen, ob zwei unterschiedliche Methoden wirklich vergleichbar sind, oder ob die teurere Methode nicht auch Vorteile bietet.