Neue Rechtsprechung! Gebäudeversicherer haftet nicht für undichte Fuge zwischen Dusche und Wand

11.01.2022 – Jetzt kann es für Hauseigentümer und Vermieter teuer werden, wenn sie die Silikonfugen im Badezimmer nicht warten.

Der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 20.10.2021 – IV ZR 236/20) änderte mit dem Urteil die bisherige Rechtsprechung. Diese hatte Wasserschäden durch undichte Duschfugen bisher in der Versicherung als gedeckt angesehen. Nun gilt das Gegenteil.

Den Sachverhalt stellen wir hier vereinfacht dar:

Ein Wohnungseigentümer im Raum Aschaffenburg hatte eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen. In der galten die für derartige Verträge üblichen Versicherungsbedingungen, die VGB 2008. In diesen fand sich im Teil A, § 3 Abs. 3 VGB folgende Regelung:

“3. Nässeschäden

Der Versicherer leistet Entschädigung für versicherte Sachen, die durch bestimmungswidrig austretendes Leitungswasser zerstört oder beschädigt werden oder abhanden kommen. Das Leitungswasser muss aus Rohren der Wasserversorgung (Zu- und Ableitungen) oder damit verbundenen Schläuchen, den mit diesem Rohrsystem verbundenen sonstigen Einrichtungen oder deren wasserführenden Teilen, aus Einrichtungen der Warmwasser- oder Dampfheizung, aus Klima-, Wärmepumpen oder Solarheizungsanlagen, aus Wasserlösch- und Berieselungsanlagen sowie aus Wasserbetten und Aquarien ausgetreten sein.“


17.500 EUR Sanierungskosten

Warum auch immer, ob man die Wartung unterlassen hatte oder es darauf anlegte, dass die Versicherung zahlt; es kam im Duschbereich einer Wohnung zu einem Wasserschaden, weil eine Silikonfuge zwischen Duschwanne und angrenzender Wand undicht wurde. 17.500,00 € betrugen die Kosten. Die wollte der Eigentümer von der Versicherung wiederhaben. Die sah es nicht ein und der Eigentümer verklagte sie.

Die Entscheidungen wechselten durch die Instanzen und schließlich landete der Rechtsstreit beim höchsten deutschen Zivilgericht, dem Bundesgerichtshof. Der entschied, dass die Versicherung nicht zahlen müsse. Der Wasserschaden sei nicht aus den Rohren der Wasserversorgung oder den angeschlossenen Schläuchen, wie etwa der Brause, entstanden. Damit gäbe es auch kein Geld für einen Nässeschaden, den die undichte Duschsilikonfuge hervorgerufen haben.

Mit dieser Entscheidung stellte der Bundesgerichtshof die bisherige Rechtsprechung auf den Kopf. Die sah das nämlich genau umgekehrt.


Eigentümern drohen hohe Kosten bei unterlassener Wartung

Für Eigentümer bedeutet es, jetzt sorgfältig auf den Zustand der Fuge zu achten. Allgemein wird empfohlen, sie alle zwei Jahre durch Inaugenscheinnahme zu warten und vorsorglich alle acht Jahre auszutauschen. Wer das unterlässt, wird im Schadensfall auf hohen Kosten sitzen bleiben.