Stauendes Wasser auf der Terrasse – erhöhter Wartungsaufwand ist Mangel

17.10.2019 - Wird ein Handwerker mit Abdichtungsarbeiten an einer ebenen Dachfläche beauftragt, hat er für ein Gefälle zu sorgen und sicherzustellen, dass die Gefälleneigung über die gesamte Dachfläche zum Ablauf hin verläuft. Wenn das nicht geschieht und sich Wasser an einer Stelle staut, kann das zu erhöhtem Wartungsaufwand führen durch Verkrustungen und Schmutzansammlungen.

Eine Handwerksleistung, die einen erhöhten Wartungsaufwand nach sich zieht ist aber mangelhaft, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG Frankfurt, Urteil vom 05.05.2017 - 24 U 53/15; rechtskräftig durch BGH, Beschluss vom 21.11.2018 - XII ZR 126/17).


Terrasse auf Dach einer Doppelgarage

Im Raum Darmstadt wurde gebaut. Ein Handwerksbetrieb bekam den Auftrag, auf dem Dach einer Doppelgarage eine Dachterrasse zu errichten. Die Dachfläche hatte eine ebene Betondecke. Damit sich später auf der Terrasse kein Wasser sammelt, muss diese nach den Regeln der Technik ein zweiprozentiges Gefälle zu einem Wasserablauf haben.

Der Handwerksbetrieb machte sich an die Arbeit, baute eine Dämmung ein und legte darauf die Terrassenfläche. Schließlich erklärte er die Arbeiten für been-det.


Erst Wasser – dann Schmutz – dann Verkrustungen

Der Eigentümer des Hauses sah das ganz und gar nicht so. Es gab ein paar kleine Mängel hier und dort. Vor allem aber konnte er feststellen, dass sich auf der Terrasse Wasser sammelte. Er verweigerte eine Abnahme und forderte zur Nachbesserung auf. Der Handwerksbetrieb erschien und machte sich noch einmal an die Arbeit. Doch ganz bekam er das Problem mit dem Wasser nicht in den Griff. Stattdessen schickte er seine Rechnung. Über 12.200,00 €.

Die wurden nicht gezahlt. Nun zog der Handwerksbetrieb vor Gericht. In der ersten Instanz lief es nicht gut. Das Gericht hatte einen Sachverständigen bestellt. Der stellte fest, dass sich zwar auf der weit überwiegenden Fläche keine Pfützen bilden würden. Jedoch würde sich an einer Stelle das Wasser aufgrund unzureichenden Gefälles stauen. Dadurch würden Schmutzansammlungen entstehen und in der Folge Verkrustungen, die bei einwandfreier Ausführung nicht entstehen würden. Das Landgericht Darmstadt wies die Klage ab.


Fließestrich vergessen?

Der Handwerksbetrieb gab nicht auf und legte Berufung ein, zum Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Doch dort lief es nicht besser für ihn. Ihm half auch nicht sein Einwand, etwaige Unebenheiten in der Bodenplatte seien nur weitergegeben worden. Aus dem Urteil:

“Auch soweit der Kläger einwendet, etwaige Unebenheiten der Bodenplatte an sich wären quasi in der aufliegenden Gefälledämmung weitergegeben worden, verhilft das der Klage nicht zum Erfolg. Denn die bauseits vorgegebenen Umstände musste der Kläger entsprechend selbst feststellen und bei seiner Planung berücksichtigen. So hätte er etwa einen Fließestrich auf die Dachfläche aufbringen können, um eine absolute Planheit zu gewährleisten.

Vor allem aber hätte er als Fachbetrieb die Beklagten als Auftraggeber darauf hinweisen können und müssen, falls Schwierigkeiten bei der Herstellung eines einwandfreien Wasserabflusses zu erwarten waren.“

Und sein Werk sei mangelhaft gewesen, da durch das Wasser und dem sich verstärkt sammelnden Schmutz ein erhöhter Wartungsaufwand begründet würde, meinte das Oberlandesgericht. Noch einmal aus dem Urteil:

“So konnten sie indes davon ausgehen, mit dem geplanten Budget werde eine einwandfreie Lösung erzielt.

Eine solche liegt indes nicht vor, da durch das anstehende Wasser und den sich verstärkt sammelnden Schmutz ein erhöhter Wartungsaufwand begründet wird. Der Kläger kann dabei auch nicht damit gehört werden, das Gefälle sei verhältnismäßig gering. Denn ausweislich der dem Sachverständigengutachten beigefügten Lichtbilder bilden sich auf der weit überwiegenden zum Ablauf hin geneigten Dachfläche keine Pfützen. Lediglich an einer Stelle staut sich das Wasser aufgrund unzureichenden Gefälles. Dies führt zu fortwährenden Schmutzansammlungen und in der Folge zu Verkrustungen, die bei einwandfreier Ausführung nicht entstehen würden.

Diese unbefriedigende Ablaufsituation ist bereits einmal Gegenstand klägerischer Nachbesserung gewesen, ohne dass dadurch eine zufriedenstellende Situation eingetreten wäre.“


Urteil rechtskräftig

Der Handwerksbetrieb gab danach immer noch nicht auf. Er beantragte die Zulassung einer Revision beim Bundesgerichtshof. Doch dort wollte man sich mit dem Fall nicht weiter befassen. Seit dem 21.11.2018 ist der Rechtsstreit rechtskräftig beendet. Der Handwerksbetrieb bekommt kein Geld und der Hauseigentümer muss mit seiner mangelhaften Terrasse leben - oder mit dem gesparten Geld einen anderen Handwerker beauftragen.



Siehe auch:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 28.07.2019: Wer Handwerker mit Terrassenabdichtung beauftragt, muss dichte Terrasse bekommen]