Der Trick mit den zwei Anrufen: die RP Marketing UG mit deutscherstaedteverlag.com

16.05.2017 - Seit vielen Jahren berichten wir in unserem Blog über die Trickser mit der Doppelanruf-Masche, die an das Geld von Gewerbetreibenden und Freiberuflern wollen. Bei einem Cold-Call wird denen vorgegaukelt, sie seien bislang kostenlos in einem Verzeichnis eingetragen. Weil man vergessen hätte rechtzeitig zu kündigen, müsste jetzt gezahlt werden; es gäbe nur die Möglichkeit, für einen kürzer oder einen länger laufenden Eintrag zu zahlen. Etliche der so Überrumpelten glauben schließlich den Schmu und meinen, noch am günstigsten davon zu kommen, wenn sie sich für einen Vertrag mit einer eher kürzeren Laufzeit entscheiden. Das auf eine solche Weise ergatterte „ja“ lässt man sich bei einem zweiten Telefonat bestätigen. Dessen Inhalt wird nach vorheriger Ankündigung aufgezeichnet. Die erfundene Legende aus dem ersten Anruf geht daraus nicht hervor. Später wird den Betroffenen der Mitschnitt vorgehalten. Sie hätten doch aus freien Stücken dem Vertrag zugestimmt, heißt es dann.

Eine Hundertschaft solcher Firmen hatten wir in den letzten Jahren kommen sehen. Und auch wieder gehen, wenn deren Name durch einen Bericht in unserem Blog verbrannt war.

Jetzt ist uns wieder ein Name aufgefallen. Als Deutscher Städteverlag tritt eine RP Marketing UG (haftungsbeschränkt) aus der Frankenallee 219 in 60326 Frankfurt am Main auf. Ihr Geschäftsführer ist der 1987 geborene Rejhan Poturovic.

Gewerbetreibende und Freiberufler in Deutschland werden angerufen und zu einem „ja“ für einen Eintrag auf der Internetseite deutscherstaedteverlag.de bewogen. Für den sie viel Geld zahlen sollen und wenig Gegenleistung erhalten.


Rechnung, Mahnung, Inkassobüro

Einige Tage nach dem „ja“ folgt die Rechnung. Beispielsweise für einen "Premiumeintrag Deutscher Städteverlag“ für 12 Monate. 891,31 EUR brutto werden dann verlangt. Bei Zahlung innerhalb einer Woche könne man sich 3% Skonto abziehen, heißt es darin. Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Frankfurter Sparkasse.

[Beispiel einer Rechnung der RP Marketing UG alias Deutscher Städteverlag]

Wer auch nach Zahlungserinnerung nicht zahlt, bekommt bald Post von der National Inkasso GmbH, einer Inkassofirma aus Düsseldorf. Wer regelmäßig unseren Blog besucht, wird den Namen kennen. Die National Inkasso GmbH ist in den letzten Jahren für eine Vielzahl einschlägiger Firmen aus der „Szene“ als Geldeintreiber aktiv geworden. Innerhalb einer Woche sollen die Angeschriebenen zahlen. Auf rund 1.050 EUR sei die Forderung mittlerweile angewachsen, meint die National Inkasso; durch Zinsen und diverse Gebühren. „Sollten wir bis zu der gesetzten Frist keinen Zahlungseingang verzeichnen können, werden wir unserem Auftraggeber empfehlen, das gerichtliche Mahnverfahren gegen Sie einzuleiten“, droht sie.


RP Marketing UG - Neugründung vom Oktober 2016

Die RP Marketing UG (haftungsbeschränkt) wurde am 19.10.2016 in das Handelsregister des Amtsgericht Frankfurt am Main (HRB 106658) eingetragen. Als Geschäftsgegenstand heißt es dort knapp und bündig: „Unternehmensberatung und Beratungsdienstleistung“ – was nicht so recht zu dem praktizierten Business-Modell passt. Mit einem Stammkapital von gerade einmal 200 EUR ist auch sie eine typische Wegwerffirma. Wenn es Probleme gibt, lässt sie sich liquidieren, ohne dass ein großer finanzieller Verlust schmerzt. Danach macht man mit der nächsten Billigfirma weiter.

Deren Geschäftsführer, der serbische Staatsangehörige Rejhan Poturovic, ist auch Alleingesellschafter der RP Marketing UG. Im Zusammenhang mit „der Szene“ war er uns bislang noch nicht aufgefallen. Was dafür sprechen könnte, dass es sich um eine bloße Strohpuppe handelt, weil die Hintermänner sich verborgen halten wollen.


Wer braucht so etwas wie deutscherstädteverlag.de?

Eine Denic-Abfrage zu der Internetdomain deutscherstädteverlag.de erbrachte, dass sie erst Ende 2016 gegründet wurde. Rejhan Poturovic ist deren Inhaber. „Suche unter Tausenden von Unternehmen“, heißt es auf der Seite. Wir nahmen diese Sprüche beim Wort. Suchten heute auf ihr nach Einträgen. Und wurden in unserer Erwartung nicht enttäuscht. Deutscherstädteverlag.de entspricht in schlechtester Hinsicht dem, was wir von derartigen Firmen kennen. Regelmäßige Leser unseres Blogs wissen Bescheid.

Etwa eine Million Gewerbetreibende, Freiberufler und Verbände gibt es in Deutschland. Bei der Seite deutscherstädteverlag.de spiegelt sich das nicht wieder. Sie ist als Branchenverzeichnis so wertlos wie ein Stadtplan, in dem nur 2% aller Straßen genannt sind. Wir können auch nicht erkennen, dass der deutscherstädteverlag.de überhaupt beworben wird. Und schon gar nicht nachhaltig. Sie ist schlicht unbekannt. Ein Eintrag darin ist das viele Geld nicht wert, das von der RP Marketing UG verlangt wird.


AGB mit Verlängerungsfalle

Die RP Marketing UG verweist im Rahmen ihrer Anrufe auf AGB – Allgemeine Geschäftsbedingungen, die auf ihrer Homepage deutscherstaedteverlag.de veröffentlicht sind. Darin findet sich – szenetypisch – in § 9.2 der Versuch einer Verlängerungsfalle für die Verträge, bei denen kein automatisches Ende vorgesehen ist:

„Der Vertrag verlängert sich jeweils um weitere 12 Monate zum Standardpreis, falls er nicht spätestens 4-8 Wochen vor Ablauf des Vertrages schriftlich gekündigt wird.“


AGBs mit Dritt-, Viert- und Fünftverwertung

Eins-zu-eins wortgleiche AGB wie die RP Marketing UG, mit Ausnahme der Firmennamen, verwenden auch die schweizerische E&S Marketing AG alias Ihr Online Verlag, die M&I Marketing und Werbung UG aus Frankfurt am Main, die als Deutscher Online Verlag auftritt, aus dem Taunus der MedienVerlagMueller und zuvor die mittlerweile weggedämmerte südhessische AD Marketing UG alias Lokaler Medien Verlag.

Auch die Internetseiten gleichen sich in weiten Teilen in ihrer Aufmachung. Einschließlich der Werbesprüche: „Deutscher Städteverlag ist eine moderne Plattform, die es Verbrauchern ermöglicht, bessere Kaufentscheidungen zu treffen und durch gemeinschaftliches Engagement Markttransparenz zu schaffen“, heißt es bei RP Marketing. Nicht anders bei der E&S Marketing und dem MedienVerlagMüller, nur dass dort die beiden ersten Worte durch „IhronlineVerlag.com“ oder "MedienVerlagMueller" ersetzt wurden.

Noch eine weitere Gemeinsamkeit haben diese Firmen: alle ihre nach außen als Verantwortliche auftretenden waren bislang noch nicht im Zusammenhang mit dieser "Business-Szene" aufgefallen,


Ein Schwachpunkt "der Szene": das Telefon

Im Mai 2016 konnten wir aber über eine Entwicklung berichten, die das Geschäftsmodell böse beeinträchtigen kann. Wenn nämlich derartige Unternehmungen Probleme mit dem Telefon bekommen. Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post- und Eisenbahnen, kurz Bundesnetzagentur, begann sich für Firmen aus „der Szene“ zu interessen.

[Zum Blog-Beitrag vom 31.05.2016]


Neue Anrufe drohen

Bei den Firmen, die mit diesem Geschäftsmodell arbeiten, ist es verbreitet, eine Zweit- und Drittverwertung der besonderen Art zu versuchen. Sprich: wenn es gelungen ist, jemanden hereinzulegen, wird es bald darauf wieder versucht. Wieder mit gleicher Machart, mitunter wird ein anderer Firmenname genannt. Häufig aber trickreicher. Dann wird zum Beispiel erklärt, beim letzten Mal sei das Telefonat fehlerhaft aufgenommen worden. Oder aber: man hätte vergessen, eine automatische Kündigung aufzunehmen. Beim zweiten Anruf wird ein anderer Firmenname untergeschoben, der sich ähnlich anhört. So etwas fällt den allermeisten nicht auf. Die Falle schnappt dann erneut zu.


Eine Forderungsabwehr ist möglich

Viele schämen sich, herein gefallen zu sein. Sie zahlen. Und halten so dieses ganz spezielle Business seit Jahren am Laufen.

Doch bei richtiger Abwehrstrategie muss man sich vor einer auf diese Weise zu Stande gekommenen Forderung der Firma Deutscher Städteverlag alias RP Marketing UG nicht fürchten. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel mit einer kurzen Schilderung der Story, die man Ihnen am Telefon erzählt hatte; wir melden uns dann.

Sollten Sie weitere Anrufe derartiger Firmen erhalten, empfehlen wir, die bürgerlichen Höflichkeitsformen hinten anzustellen. Legen Sie einfach kommentarlos auf! Irgendwann hört der Spuk auf.


Mehr zur Doppel-Anruf-Masche:
[Der Trick mit der Doppel-Anruf-Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]


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