Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?

Rund 750 aktive und zugelassene Inkassounternehmen gibt es in Deutschland. Ihr Geschäftsmodell ist das gewerbsmäßige Einziehen fremder Forderungen. Ihr Mittel der Wahl: das Erzeugen von Ängsten im Kopfkino der Betroffenen. Weil den meisten nicht bekannt ist, was Inkassounternehmen eigentlich dürfen. Dabei ist die Antwort recht trivial. So gut wie nichts. Um einen einst von Mao Tse-tung in die Welt gesetzten Begriff zu gebrauchen: sie sind Papiertiger.

Einige dieser Inkassodienstleister fielen uns immer wieder besonders auf: als Geldeintreiber von Firmen, deren Geschäftsmodell so speziell ist, dass wir darüber in unserem Blog "Neues aus der Welt der Abzocker und Werbeverlage" berichtet hatten. Dazu gehören:

Die National Inkasso GmbH aus 40591 Düsseldorf; das Inkassobüro vertrat in der Vergangenheit unter anderem:

  • AD Marketing UG (haftungsbeschränkt), Mülheim am Main
  • BVO Branchenverzeichnis S.L.
  • European Database Services Ltd., Sofia/Bulgarien alias European Data Ltd., Brüssel/Belgien
  • European Business Marketing S.L. ZEC, Gran Canaria/Spanien
  • European Phone Marketing S.L., Gran Canaria/Spanien
  • Firmen Marketing Online Deutschland S.L.U., Las Palmas/Spanien
  • JW Handelssysteme GmbH, Chemnitz
  • Kleinanzeigen Online S.L., Las Palmas/Spanien
  • Örtlicher Medien Verlag - LECC d.o.o., Wien/Österreich und Tuzla/Bosnien
  • RP Marketing UG (haftungsbeschränkt), Frankfurt am Main
  • Verlag für Internetmedien S.L., Maspalomas/Spanien


Die City Inkasso GmbH aus 65929 Frankfurt am Main; das Inkassounternehmen vertrat in der Vergangenheit unter anderem:

  • A&Z Managememt AG, Herisau im Kanton Appenzell-Ausserhoden/Schweiz
  • Allfindo UG (haftungsbeschränkt), Lübbecke
  • Auskunft XL, Teneriffa/Spanien
  • BIZZONE d.o.o,, später Namensänderung in EBIZ d.o.o., Berlin, Stuttgart, Tuzla/Bosnien
  • EU Marketing AG, Zürich bzw. Freienbach, Kanton Schwyz/Schweiz
  • Firmen Redaktion online SL, Las Palmas/Spanien
  • Gesellschaft für Marketing und Suchmaschinenoptimierung S.L., Las Palmas/Spanien
  • Gesellschaft für Webdesign S.L., Mallorca/Spanien
  • Gesellschaft für Marketing und Suchmaschinenoptimierung S.L.
  • Gesellschaft für Marketing und Suchmaschinenoptimierung S.L. für Gesellschaft für Marketing und Internet 365 UG (haftungsbeschränkt)
  • Infokomfort, Inh. Marc do Giro, Lübbecke
  • ÖrtlichesBranchenbuch LP Marketing
  • Peters Online Verlag GmbH, Garrel und Osnabrück
  • Teledeal Media, Inhaber Nizam Toru, 46446 Emmerich am Rhein
  • Vision Web Solutions Sp.z.o.o., Berlin bzw. Szczecin (Stettin)/Polen


Ass. jur. Eliane Becker-Lerner AktivaInkasso GbR aus 55543 Bad Kreuznach; das Büro vertrat in der Vergangenheit unter anderem die Firmen:

  • Arkadia Verlag GmbH, Geilnau
  • Argosmedia Ltd.
  • BBI Reclam TIC A.S., Istanbul bzw. Stuttgart bzw. Berlin
  • CONRAD Media Ltd., London
  • Media Agentur Pro (Inc), Klosterneuburg/Österreich
  • Medienpol Design GmbH, Bad Kreuznach
  • Medienwerk Digital GmbH, Bad Kreuznach
  • MVG Medien Verlagsservice GmbH, Weinsheim
  • Novag Ltd. (vormals Astoria Finance Ltd.), London
  • Ottenbacher Verlags GmbH, Berlin
  • Pro City Consulting UG (haftungsbeschränkt), Bad Kreuznach
  • Regio Medienagentur GmbH, Bad Kreuznach
  • Regio Marketing SRL, Offenbach am Main bzw. Medias Rumänien
  • Regiokart Regionale Kartographien GmbH, Wiesbaden
  • SSF - Swiss Support Forum AG, Arth/Schweiz


Die EuroTreuhand Inkasso GmbH aus 50735 Köln vertrat in der Vergangenheit unter anderem schon folgende Firmen:

  • A & M Giro-Marketing Company, Lda, Faro/Portugal
  • DBV Online S.C.P., Gran Canaria/Spanien
  • deal UP, Inhaber Alexander Heinz-Wilhelm Peters, Bissendorf und Kranenburg
  • dvvg digitale vertriebs- u. verlagsgesellschaft mbH, Bünde
  • EBVZ.de - Verlag für elektronische Medien Melle, Inhaberin Vanessa Gambietz, Melle/Osnabrück
  • Firmenauskunft P.U.R. GmbH/fa-24.com, 46446 Emmerich
  • Peters Online Verlag GmbH, Garrel und Osnabrück
  • Teledeal Media, Inhaber Nizam Toru, 46446 Emmerich am Rhein
  • Verlag für virtuelle Dienste, Inhaberin Carmen Homer, Emmerich am Rhein

Über alle diese Firmen hatten wir mit Beiträgen in unserem Blog aufgeklärt.


Ein Kopfkino wird erzeugt

Inkassounternehmen nutzen die Unwissenheit vieler aus, über das, was sie dürfen. Noch zurückhaltend formulierte etwa die Nationalinkasso GmbH im Zusammenhang mit einer angeblichen Forderung der Firmen Marketing Deutschland SLU:

"Wir würden uns gerne persönlich mit Ihnen zusammensetzen um eine Lösung in dieser Angelegenheit zu finden."

Wesentlich forscher ging die Inkassogesellschaft Wrulich GmbH & Co. KG aus 55743 Idar-Oberstein vor. Betroffene einer Werbefirma der besonderen Art, der GSV Geographischer Stadtplanverlag GmbH & Co. KG in 55130 Mainz, wurden von dem Inkassobüro aufgefordert, die Forderung dieses Verlages zu zahlen. Das las sich so:

„Falls wir bis zu den angeforderten Terminen keine Zahlung erfolgt, so müssten wir Mittel und Wege zum direkten Inkasso bei Ihnen vor Ort suchen.“

Eine immer wieder aus einschlägiger Ecke zu hörende Drohung. Wer das liest, soll an gewalttätige Motorradgangs oder ein „Russisch Inkasso“ denken; so, wie in manchen Krimis des Privatfernsehens zu sehen. Doch die Drohung ist leer. Inkassobüro haben keine gesetzliche Handhabe zu einem, na ja: "besonderen", Inkasso vor Ort. In der Realität gibt es das auch nicht. Alleine schon aus Kostengründen wird kein Inkassobüro einen Mitarbeiter zu einem Ortstermin quer durchs Land schicken, bei dem es um die Beitreibung von vielleicht eintausend Euro ginge.

Ähnlich funktioniert auch der Trick mit einer Detektiv-Androhung. Spezialdetektei FAUST e.K. nennt sich beispielsweise eine derartige Firma.


Ein Inkassounternehmen darf: nichts!

Wagen wir uns aber trotzdem an ein Gedankenspiel. Was dürften Inkasso-Menschen machen? Die Antwort: sie dürften nichts, sie haben keine Rechte. Sie dürfen nichts pfänden. Wenn sie an der Werkstatttür stehen, muss man sie nicht hereinlassen. Auch nicht an der Haustür. Das wäre es dann mit dem Besuch gewesen. Aus einem Ladengeschäft kann man sie heraus bitten. Gehen sie nicht, hieße das Delikt Hausfriedensbruch. Und wäre ein Fall für die Polizei.


Außer: Briefe schreiben...

Inkassobüros dürfen Betroffenen Briefe schreiben. In denen mitunter das Blaue vom Himmel geschwindelt wird. Über unglaubliche Nachteile, die einem drohen würden, wenn man jetzt nicht sofort zahlt. Manchmal liest sich das aber auch so:

„Sollten wir nichts von Ihnen hören, so erlauben wir uns die vorgeschlagenen Teilbeträge per Post-Nachnahme bei Ihnen einzuziehen.“

So etwas gehört in die Kategorie des Dummenfangs. Und ist auf die einfachste Weise abzuwehren. Indem man dem Postzusteller schlicht und einfach erklärt, nichts zu zahlen. Der vermerkt das und das Nachnahme-Schreiben geht zurück an den Absender. Das war’s dann.

Auch den Versuch, mit einem Trickformular zu übertölpeln, gibt es. Das solle man ausfüllen und einen Ratenzahlungsvorschlag machen. Oder mitteilen, dass man derzeit nicht zahlen könne. Anschließend solle man das Formular unterschreiben und zurückschicken. Und unterschreibt zugleich den Eingangssatz, dass die Forderung anerkannt werde. Mit einem solchen Anerkenntnis ist dann eine eigene Anspruchsgrundlage geschaffen worden, auch wenn die ursprüngliche Forderung nicht rechtens war. Eine Verteidigung dagegen ist kaum möglich. Um nicht versehentlich in solche Fallen zu tappen, empfehlen wir grundsätzlich, nichts zu unterschreiben.


…und anrufen

Inkassodienstleister dürfen auch anrufen. Dagegen hilft ein entschlossenes Wegdrücken oder auflegen. Ohne lange Diskussion und Höflichkeitsfloskeln. Die Sprache versteht man, die Belästigungen hören dann schnell auf.

Die einzige Gefahr, die von - deutschen - Inkassobüros ausgeht, können Nachteile bei Schufa, Creditreform und Co. sein, Aber das auch nur, wenn man sich nicht wehrt und die Forderung nicht zurückweist. Sonst nicht einmal das.


(Zuletzt bearbeitet am 01.03.2019)



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