Die Euro-Print Services Limited aus Stuttgart: „Unseriöse Anzeigenwerber“

06.03.2015 mit diversen Updates, zuletzt vom 11.12.2019 – „Unseriöse Anzeigenwerber“ findet man im Internet als Überschrift einer Notiz über die Euro-Print Services Limited aus 70565 Stuttgart. Auch alternative Schreibweisen tauchen auf: EuroPrintService L.T.D. Oder Euro Print Service Ltd. Die seit Sommer 2011 im Handelsregister des Amtsgericht Stuttgart zum Aktenzeichen HRB 737999 eingetragene Euro-Print Services Ltd. hat sich mit ihrem geschäftsführenden Direktor, dem 1967 geborenen Michael Walter Winter, offiziell der Erstellung und Verteilung von Werbebroschüren und Flyern verschrieben.

Doch in der Praxis wird dieses Geschäftsmodell auf eine ganz spezielle Art und Weise betrieben.


Der Trick mit der Kölner Masche

Gewerbetreibende und Freiberufler, die in der Vergangenheit schon öfter in einer von Dritten herausgegebenen Publikation inseriert hatten, das kann eine Zeitung sein oder eine Broschüre der Stadtverwaltung, erhalten einen Anruf.

Der Anrufer bezeichnet sich mit einem Allerwelts-Namen. Er bezieht sich auf diese Anzeige, die schon wiederholt geschaltet wurde und erklärt, es müsse ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.

Per Fax kommt kurz darauf das angekündigte Formular. Tatsächlich findet sich dann darin auch die bisher verwendete Anzeige. Dick und fett hervor gehoben ist das Wort Rückfax, der Rest ist in einem DIN A4-Fax-Ausdruck eher schlecht lesbar. Auf den ersten Blick wirkt es so, als solle tatsächlich nur die Druckfreigabe für den bisherigen Auftrag erfolgen.

[Zum Muster des Formulars der Euro-Print Service Ltd. – Im Original ist es in DIN A4 und damit schlechter lesbar als auf einem Monitor]

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe – und unterschreiben. Später kommt eine Rechnung, deren Höhe die Empfänger solange verwundert, bis sie schließlich feststellen, Opfer einer Betrugsmasche geworden zu sein: 800,87 EUR will man für eine Anzeige mit der Größe 6,5 * 7 cm haben. Zu zahlen auf ein Konto bei der VR-Bank.

Und wofür ist das Geld? Die Euro-Print Service Ltd. gibt an, eine Infobroschüre „Neubürger und Bürger“ zu erstellen. Nur zu erstellen, mehr nicht. Wie sie verteilt wird, ist Sache der Inserenten. Aus dem Formular:


„Die Auflagen versendet die Euro-Print-Studio-Ltd. per Post/Kurier zu den werbenden Inserenten. Die Auflagenhöhe ergibt sich aus der Anzahl der werbenden Kunden, je Kunde und Auflage 100 Stück, insgesamt werden 5 bis 10 Kunden werben. Die weiter wirksame Veröffentlichung (eigene Auslage, 100 Exemplare) ist jedem Kunden freigestellt. Euro-Print-Studio Ltd. kann für den Werbeerfolg nicht einstehen.“

Diese Methode, an Anzeigenaufträge zu gelangen, nennt sich Fax-Masche oder auch Kölner Masche – benannt nach der Stadt, in der die Ermittlungsbehörden vor Jahr und Tag erstmalig gegen dortige Betrüger vorging. Wenn Sie regelmäßig in unserem Blog lesen, werden Sie wissen, dass die Euro-Print Service Ltd. nicht die einzige ist, die so arbeitet. Eine gefühlte halbe Hundertschaft anderer Firmen schafft auch so an.

Wer glaubt, seine Ruhe zu haben, wenn gezahlt wird, hat sich getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular wird man innerhalb eines Jahres insgesamt viermal zur Kasse gebeten. 3.203,48 EUR will die Euro-Print Service Ltd. haben. Kleingedruckt im Vertragsformular heißt es auch:


„Der Druckauftrag verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr, wenn er nicht 8 Wochen vor Ablauf schriftlich gekündigt wird.“


Eine typische Wegwerf-Firma

Die Euro-Print Service Limited ist eine der typischen Wegwerf-Firmen, die man schnell entsorgen kann, wenn es zu Problemen kommt – sei es mit den Finanzen, sei es mit den Strafverfolgungsbehörden. Offiziell hat sie ihren Hauptsitz in Birmingham, Großbritannien. Wo sie in einem Postfach sitzt, zusammen mit hunderten anderer Firmen. Ihr Stammkapital beträgt ganze 100 britische Pfund, das sind derzeit 138 EUR. Deren Verlust kann man verschmerzen.

Doch auch in der Liebknechtstrasse 33 in 70565 Stuttgart wird man die Euro-Print Service Ltd. mutmaßlich nicht in realiter antreffen. Dort befindet sich unter anderem ein Business—Center, das auch virtuelle Büros vermietet – auf Deutsch: eine Deckadresse – und Post weiter leitet.


Die Forderungsabwehr ist möglich

So zustande gekommene Aufträge an die Euro-Print Service Ltd. sind angreifbar – auch wegen deren fehlender Bestimmtheit, wie die Juristen sagen. Wenn man eine Rechnung erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 01.02.2018:

Im Jahr 2018 gibt es die Euro-Print Service Ltd. immer noch. Ihre deutsche Anschrift gibt sie jetzt mit Stockholmer Platz 1 in 70173 Stuttgart an. Dafür, dass man dort wenigsten jemanden von der Euro-Print Service Ltd. antrifft, würden wir nicht die Hand ins Feuer legen wollen. Auch unter dieser Anschrift findet sich ein Business Service, bei dem man ein sogenanntes Virtuelles Büro anmieten kann.

Der Betrag, den man von den Betroffenen für eine Anzeige in einer „Infobroschüre Neubürger und Bürger“ verlangt, ist angestiegen. Jetzt sind es schon 840,14 EUR brutto, die für eine 6,5 * 7 cm kleine Anzeige verlangt werden. 2% Skonto können bei einer Zahlung innerhalb von zwei Wochen in Abzug gebracht werden.

[Beispiel einer Rechnung der Firma Euro-Print Service Ltd. Januar 2018]

Bei einer Laufzeit von einem Jahr und vier in diesem Zeitraum erscheinenden Auflagen sind das 3.360,56 EUR brutto.

Im Handelsregister des Amtsgericht Stuttgart ist weiterhin Michael Walter Winkler als geschäftsführender Direktor eingetragen. Das britische Handelsregister (Companies House of Cardiff Nr. 07002241) ist aktueller. Winkler ist dort mit "Resigned" verzeichnet und es wird als Director ("Active") der in Deutschland lebende, 1956 geborene deutsche Staatsangehörige Heinz Werner Gink genannt.



Update vom 15.10.2019:
Jetzt mit Inkassounternehmen

Betroffene der Euro-Print Services Limited erhalten Post vom Inkassobüro FHG Inkasso GmbH aus 55585 Duchroth. Kennern der „Szene“ ist dieses Unternehmen mit seinem Geschäftsführer Frank Schäfer nicht unbekannt. Die FHG Inkasso war in der Vergangenheit schon wiederholt als Geldeintreiber ähnlich arbeitender Firmen aufgetaucht. Aus ursprünglich 840,14 EUR sind in einem Forderungsschreiben der Inkassofirma durch Zinsen, Gebühren und Auslagen bereits 1.002,44 EUR geworden.

Wenn man Post eines Inkassobüros erhält, muss man reagieren. Es können sonst können Nachteile bei Schufa, Creditreform & Co. drohen.



Update vom 11.12.2019:

Die Euro-Print Services Limited, über die wir hier berichten, ist nicht zu verwechseln mit der European Print Service Ltd. Die sitzt in Nicosia/Zypern und versucht nach übereinstimmenden Berichten auf eine nicht koschere Weise an Aufträge über Toner-Lieferungen zu gelangen.





Siehe auch:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]


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