Druckstudio Streit s.àr.l. aus Wasserbillig – Kundenfang mit der Kölner Masche

13.04.2015 mit diversen Updates, zuletzt vom 05.11.2019 – Druckstudio Streit s.àr.l. heißt eine Firma, die im Werbegeschäft der besonderen Art tätig ist. Offiziell sitzt sie im luxemburgischen Dorf Wasserbillig. Die Spuren ihrer Hinterleute führen aber nach Deutschland, in die Pfalz. Dort gibt es in der Region um Bad Kreuznach und Idar Oberstein bereits eine Vielzahl von Firmen, die mit der gleichen Methode arbeiten: mittels Spam-Anrufen Gewerbetreibende und Freiberufler durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zum Abschluss von Anzeigenaufträgen zu veranlassen. „Kölner Masche“ wird diese Methode genannt – deshalb, weil erstmals vor Jahren in großem Stil von Kölner Betrügern verwendet wurde. Andere bezeichnen sie auch als „Fax-Masche“.

Den Geschäftsführer der Druckstudio Streit s.àr.l., Sven Streit, soll man eher in der Pfalz antreffen, in 55576 Sprendlingen bei Bad Kreuznach, als in Luxemburgischen Landen.

Die Druckstudio Streit s.àr.l. besteht schon länger. Im Jahr 2002 wurde sie in das Luxemburger Handels- und Gesellschaftsregister eingetragen. Doch immer wieder gab es lange Phasen, in denen man von ihr nichts hörte. Ob sie in der Zeit „das Fach“ gewechselt hatte? Oder schlicht in den Schlaf versetzt worden war?

Zwischendurch gab es von der zweiten Firma des Sven Streit zu berichten, der Euro-Druck s.àr.l. Auch sie sitzt angeblich in Luxemburg, im Dorf Echternach.

[Zum Blog-Beitrag vom 21.05.2013]


Die Kölner Masche

Unaufgefordert werden Geschäftsleute, Freiberufler und Institutionen angerufen. Solche, die sonst regelmäßig Printanzeigen in einer Publikation eines seriösen Verlages schalten. Am Telefon wird so getan, als sei man von diesem Verlag und es müsse ganz kurzfristig für die nächste Ausgabe noch einmal die Druckfreigabe erfolgen. Die Vorlage werde man sofort per Fax übersenden, sie müsse nur unterschrieben und zurück gefaxt werden; ganz eilig sei alles.

Das Fax-Formular der Druckstudio Streit s.àr.l. , mit dem die Druckfreigabe erfolgen soll, zeigt tatsächlich das Anzeigenmotiv, mit dem man bisher warb. Auf den ersten Blick wirkt es so, als solle tatsächlich nur die Druckfreigabe für den bisherigen Auftrag erfolgen. Ansonsten ist es durch die kleine Schrift und die Fax-Übertragung schlecht lesbar. Auch dass die Firma in Wasserbillig sitzt, fällt auf den ersten, zweiten und dritten Blick nicht auf. Das Fax soll an eine kostenlose 0800er-Nummer zurück geschickt werden.

[Beispiel eines Faxformulars der Druckstudio Streit s.àr.l.]

Doch das Anzeigenmotiv ist aus der bisherigen Publikation abgekupfert worden. Was ganz nebenbei auch noch einen Urheberrechtsverstoß darstellt. Das Formular hat es im Kleingedruckten in sich: 4 mal 681,85 € würden danach als Kosten in einem Jahr entstehen – zusammen 2.727,40 €. Wofür? Für eine etwa 5 * 8 cm kleine Anzeige in einem DIN-A5 großen Druck. Als Notrufinfoflyer wird er von der Druckstudio Streit s.àr.l. bezeichnet. Viermal im Jahr werden 250 Stück gedruckt, kann man dem Kleingedruckten des Formulars der Druckstudio Streit s.àr.l. entnehmen.


Kein Werbeerfolg, wenn es der Reinigungskraft nicht gefällt

Eine Anzeige in einer Publikation zu veröffentlichen, macht nur dann Sinn, wenn die auch bei der Zielgruppe verbreitet wird. Doch bei der Frage, wie das DIN A5-Papier unter das Volk kommt, bleibt die Druckstudio Streit s.àr.l unscharf. Aus deren Formular, die Kommafehler haben wir übernommen:


„Die Verteilung des Werbeobjektes erfolgt durch eigene Verteilung oder durch einen Verteilservice an z.B. Behörden, Krankenhäuser, Handel, Handwerk, Praxen, Kindergärten, Schulen usw an mind. 10 Auslegestellen, ortsgebunden an den Firmensitz, jedoch im Umkreis von max. 25 km abhängig von der Anzahl und der Kooperationsbereitschaft der Auslegeplätze. Für die dortige Auslegung und Dauer der Auslegung übernimmt Druckstudio Streit s.àr.l keine Gewähr.“

Das kann man auch so lesen: wenn der Reinigungskraft es nicht gefällt, dass ein solcher DIN A5-Flyer herum liegt und sie ihn entsorgt, war es das mit der teuren Werbung.

Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Sparkasse Trier oder bei der BGL BNP Paribas, einer luxemburgischen Bank. Binnen 7 Tagen ohne Abzug.

[Beispiel einer Rechnung der Druckstudio Streit s.àr.l.]

Wer glaubt, seine Ruhe zu haben, wenn er der Druckstudio Streit s.àr.l. die angeforderten 681,85 € zahlt, wird eine böse Enttäuschung erleben, denn solcher Rechnungsbetrag wird nach dem Formulartext viermal gefordert. Spätestens mit der Bezahlung der ersten Rechnung habe man das Bestehen eines Vertrages akzeptiert, wird dann argumentiert werden. Und so geht es immer weiter. Auch über das Jahre hinaus, denn im Druckstudio Streit-Formular steht:


„Der Werbevertrag verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr, wenn er vom Kunden nicht spätestens drei Monate vor Ende des Vertragsablaufes schriftlich gekündigt wird.“


Eine Forderungsabwehr ist möglich

Ein wirksamer Anzeigenvertrag wird so nicht zustande kommen. Wenn man Opfer der „Kölner Masche“ alias „Fax-Masche“ wurde, ist eine frühe Reaktion der sicherste Weg, um die eigenen Rechte zu wahren. Gerne können Sie uns ansprechen.


Update vom 13.08.2015:

Betroffenen, die sich nicht oder nicht richtig verteidigt hatten, erhalten Post einer FHG Inkasso GmbH. Wie in Anbetracht der Hinterleute des Druckstudio Streit s.àr.l. kaum anders zu erwarten: das Inkassobüro sitzt im El Dorado der Kölner-Masche-Firmen, im Landkreis Bad Kreuznach, in 55585 Duchroth. Die Forderung des Druckstudios, zuzüglich aller möglichen Nebenforderungen von weiteren 210 EUR soll auf ein Konto bei der Volksbank Kaiserslautern-Nordwestpfalz eG gezahlt werden.

[Beispiel einer Zahlungsaufforderung der FHG Inkasso GmbH in Sachen Druckstudio Streit s.àr.l.]

Das Inkassounternehmen FHG Inkasso GmbH ist in Deutschland zugelassen. Es hatte in der Vergangenheit auch schon andere Firmen dieser speziellen Branche vertreten.

Spätestens dann, wenn man als Betroffener Post der FHG erhält, wird man tätig werden müssen, da die Gefahr eines negativen Schufa-Vermerkes nicht ausgeschlossen werden kann.



Update vom 14.10.2019:

Auch wenn es Gerüchte gibt, die das Gegenteil verbreiten: Firmen, wie die Druckstudio Streit s.àr.l. ziehen vor Gericht. Vor allem gegen die, die sich nicht oder falsch verteidigt hatten.

Die Firma Druckstudio Streit hat dafür den Rechtsanwalt Robert Senner-Lengsfeld aus 55543 Bad Kreuznach gefunden. Insidern der Szene ist Senner-Lengsfeld schon früher aufgefallen. Als anwaltlicher Vertreter einschlägiger Firmen wie der Euro Media Verlag GmbH. Der Regio Marketing GmbH, der Print Media Marketing s.r.o. oder der Print Media Service Ltd.

Wenn Betroffene dann immer noch darauf vertrauen, man müsse nichts dagegen machen und Schreiben des Gerichts ignorieren, folgt das böse Erwachen bei der Besuchs-Ankündigung des Gerichtsvollziehers.



Update vom 05.11.2019:

Das Fax-Formular der Druckstudio Streit s.àr.l. ist geändert. Auffällig das Kleingedruckte: "Es handelt sich um einen Neuauftrag, der in keinerlei Verbindung zu anderen Aufträgen bei uns oder anderen Firmen steht." und "Behördenunabhängig/ohne öffentlichen Auftrag)". Warum das so betont wird? Weil genau dieser Eindruck erweckt wurde? Und erweckt werden sollte?

[Formular des Druckstudio Streit 2019]




Siehe auch:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



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