Ein Zombie schickt Rechnungen: KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH

28.03.2017 – Wieder eine Firma, die versucht Gewerbetreibende zu einer Unterschrift unter ein Vertragsformular zu bewegen. Welche in der Konsequenz viel Geld kosten soll. Für Werbeanzeigen auf irgendwelchen Karten.

Die KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH sitzt offiziell in 65760 Eschborn. Doch dort in der Mergenthalerallee 10-12 wird man von der KKS niemanden antreffen. Unter der Adresse residiert ein Business-Service-Unternehmen, das „virtuelle Büros“ anbietet. Deckadressen könnte man auch dazu sagen. Aus der Werbung des Business-Service:

„Ihre Kunden adressieren Ihre Post an Ihre neue Geschäftsadresse und wir kümmern uns um die Bearbeitung und Weiterleitung.“

Alleingesellschafter der im Handelsregister des Amtsgericht Frankfurt am Main (HRB 95481) eingetragenen KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH ist der 1961 geborene Manfred-Carol Kopka.

Doch die Firma ist ein Untoter, ein Zombie. Sie ist bereits aufgelöst. Manfred-Carol Kopka ist offiziell ihr Liquidator.


Ein Außendienstler erscheint

Gewerbetreibende in Deutschland werden von einem Vertreter aufgesucht. Er macht seine Sache gut, aus seiner Sicht und derjenigen des KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH jedenfalls. Die Betroffenen glauben, es ginge um die turnusmäßige Neuauflage einer Karte oder eines Stadtplanes, den der Verlag herausgibt, bei dem sie in der Vergangenheit schon eine Werbeanzeige geschaltet hatten. Sie unterschreiben ein Formular. Auf dessen Kopf prangt ein Logo. KKS heißt es. Daneben steht Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH. Das Formular ist so aufgemacht, wie es auch ihr bisheriger Vertragspartner verwendete. Der Preis erweckt keinen Argwohn. Er entspricht dem üblichen, was man sonst auch immer bezahlt hat.

[Beispiel eines Anzeigenauftrag der Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH]

Dafür, was die Gegenleistung des KKS sein soll, gibt der Anzeigenauftrag nicht viel her. Es soll eine Karte in geringer Auflage gedruckt werden. Wann sie verteilt wird?

"Der Auftragnehmer, die KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH [im folgenden KKS oder Auftragnehmer genannt] verpflichtet sich, bis zum 31.12. des auf den Zeitpunkt des Vertragsschlusses folgenden Jahres das entsprechende vereinbarte Produkt zu erstellen und die erste Auflage zu verteilen“,

heißt es im mehr als klein Gedruckten. Mit einem im März 2017 erteilten Auftrag will die KKS sich also bis Ende 2018 Zeit lassen können. Danach wird „sukzessive“ im nächsten Halbjahr ein weiterer Teil verteilt. Also bis Mitte 2019. Zweite Auflage nennt sich das dann, obwohl es im Kleingedruckten heißt:

„Die Gesamtauflage wird zu Beginn des Vertragsverhältnisses gedruckt.“

An wen die Karte verteilt wird und nach welchen Kriterien die Empfänger ausgesucht werden, konnten wir anhand des Auftrages nicht feststellen.

Die Rechnung kommt bald nach der Unterschrift unter dem Vertragsformular.

„Bitte beachten Sie, dass Sie als Kunde laut Auftragsbedingungen vorleistungspflichtig sind“,

heißt es darin. Sie nennt einen stolzen Betrag. 2.264,09 EUR werden für die erste Auflage verlangt. Zu zahlen innerhalb von zehn Tagen auf ein Konto bei der Kreissparkasse Kaiserslautern.

[Beispiel einer Rechnung der Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH]


Die Forderungsabwehr ist möglich

So zustande gekommene Forderungen der Firma KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH sind angreifbar. Nicht nur wegen der Art und Weise ihres Zustandekommens. Sondern vor allem auch, weil mit solch dürftigen Vertragsformulierungen kein wirksamer Vertrag zustande kommt. Um es in der Juristensprache zu formulieren: es mangelt an der Einigung über die essentialia negotii.


Handelsregister: die KKS ist aufgelöst

Bis hierhin könnte unser Blog-Beitrag dem ähneln, was wir zu anderen Firmen schreiben, die zur Kölner Masche greifen. Aber es gibt eine Besonderheit. Die KKS Kommunaler Kreis- u. Stadtplanverlag GmbH gibt es nicht. Am 11.01.2017 berichtete das Handelsregister des Amtsgericht Frankfurt am Main (HRB 95481):

„Die Gesellschaft ist aufgelöst.“

Manfred Carol Kopka hatte im Dezember 2016 mit sich selbst eine Gesellschafterversammlung abgehalten und dessen Ergebnis dem Handelsregister mitgeteilt: nämlich die Liquidation der KKS. Er ernannte auch einen Liquidator. Sich selbst. Nun kann es durchaus Aufgabe eines Liquidators sein, Geschäfte zu machen. Die aber auf Richtung Beendigung des Betriebes gerichtet sind. Ein munteres Weitermachen gehört aber nicht dazu.


Ein alter Bekannter

Der Liquidator der KKS, Manfred Carol Kopka, ist ein alter Fahrensmann der Szene, der viele Spuren hinterlassen hat. Bei einer Vielzahl von Firmen taucht sein Name auf, teilweise bis heute:

Über die GSV Geographischer Stadtplanverlag GmbH & Co. KG berichteten wir in einem früheren Blog-Beitrag. Außerdem über die makomedien mit ihren alias-Namen Makomedien Ltd., Mako Medien Gruppe Limited und Mako Medien Ltd. & Co.KG. Die GSV ist mittlerweile aufgelöst, Manfred-Carol Kopka ihr Liquidator. Was sie allerdings nicht hindert, noch in diesen Tagen neue Mitarbeiter zu suchen.

[Zum Blog-Beitrag vom 12.03.2016 mit diversen Updates - Besondere Werbefirmen: GSV Geographischer Stadtplanverlag und Makomedien]

Dann gab es eine New Media Finance AG. Über sie vermerkt das Handelsregister des Amtsgericht Kaiserslautern (HRB 31046) am 27.01.2017, dass sie aufgelöst wurde. Manfred-Carol Kopka ist deren Abwickler.

Ebenfalls beim Handelsregister des Amtsgericht Kaiserslautern (HRA 10815) soll die AMS Unternehmen u. Mediendienstleistungen GmbH u. Co. KG geführt werden. Persönliche haftende Gesellschafterin dieser Firma ist die All Media Solution GmbH. So steht es auf der Firmenseite allmediasolution.de. Als deren Geschäftsführer wird dort im Impressum wiederum Manfred-Carol Kopka genannt. Beim Amtsgericht Kaiserslautern konnten wir allerdings unter diesem Aktenzeichen nichts finden.

Wenn man anfängt, zu Manfred-Carol Kopka zu recherchieren, tauchen schnell neue Entwicklungen auf: neue Firmennamen, aus anderen Ländern. Mit den Namen anderer Macher. Einem Toni, einem Dickie, um nur zwei zu nennen. Man bekommt eigenwilige Geldbewegungen genannt. Aber das wäre ein anderer Blog-Beitrag.




[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]



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