Ein falscher Fuffziger: der IHK-Verlag

25.11.2014 – Der nächste Betrüger ist im Anmarsch. IHK-Verlag nennt er sich. Mit der echten IHK, der Industrie- und Handelskammer, hat er nichts zu tun. Unterhalb seines Logos findet sich eine Erläuterung: Internethandel und Kommunikation. Der noble „Potsdamerplatz“ in Berlin wird als Anschrift angegeben. Doch man kann nicht einmal dessen Namen richtig schreiben.

Die Betrugsmasche wird uns so geschildert: Bei einem Gewerbetreibenden geht ein Anruf ein. Warum denn die Rechnung „der IHK“ noch nicht ausgeglichen sei. Doch von einer derartigen Rechnung ist dem Angerufenen nichts bekannt. Höflich verspricht der Anrufer, diese noch einmal zu übersenden, dann müsse aber sofort gezahlt werden, weil man sonst vollstrecken müsste.

Die Rechnung des IHK-Verlag kommt kurz darauf per Fax. Außer der fehlerhaften Schreibweise des Potsdamer Platz (der schreibt sich richtigerweise getrennt) fallen weiter sprachliche Holper auf: „Hiermit berechnen wir Ihnen, laut Ihrem zweiten Vertragsjahr“. 249,00 € netto soll man innerhalb von 7 Tagen zahlen; bei Zahlung innerhalb von 24 Stunden gibt es 10 % Skonto. Die Mehrwertsteuer soll selber an das Finanzamt gezahlt werden. Dass jedoch die Voraussetzungen des Reverse Charge-Verfahrens vorliegen, kann man getrost bezweifeln. Gezahlt werden soll auf ein Konto der Caixabank S.A. in Barcelona, Spanien. Wofür, wird aus dem Rechnungstext nicht recht klar. Nebulös heißt es dort:

„Branchenbucheintragsservice & Registereinträge sowie Suchmaschinenoptimierung für Google, Bundes Branchendienst, Regionalerfirmendienst ohne Vertragsverlängerung für 12 Monate.“

[Beispiel einer Rechnung des IHK-Verlag Internethandel & Kommunikation]

Angaben zur Rechtsform des IHK-Verlages oder dessen Inhaber finden sich nicht. Auch keine Telefon- oder Faxnummer. Und auch keine E-Mail-Adresse. Am Potsdamer Platz 10 kann man für kurze oder lange Zeiträume Büroräume mieten. Auch ein virtuelles Büro, ab 109,00 €. Werbespruch im Internet: „Wenn Ihr erster Eindruck eindrucksvoll sein soll. Eine Geschäftsadresse dort wo Sie es brauchen.“

Normalerweise ist eine frühestmögliche Reaktion geboten um Anspruche der Abzocker-Szene abwehren zu können. Hier, bei dem IHK-Verlag, aber nicht. Entsorgen Sie eine derartige Rechnung im nächsten Papierkorb. Legen Sie sofort auf, wenn Sie von dort angerufen werden. Lassen Sie sich nicht auf eine Diskussion ein. Nur wenn sich ein Inkassobüro meldet, müssen Sie tätig werden - wegen der dann nicht auszuschließenden Gefahr negativer Schufa-Einträge. Für wahrscheinlich halten wir das aber nicht.

Der Name wurde gewechselt, die Masche ist geblieben. Jetzt tritt man als RB-Verlag Regionaler Branchen Verlag auf und sitzt angeblich in Madrid. Das Geld lässt man von einer EuroInkasso Ltd. Forderungsmanagement & Inkassodienstleistungen aus Köln beitreiben. Doch die gibt es gar nicht.

[Zum Blog-Beitrag vom 12.10.2015: Betrug reloaded – jetzt als RB Verlag aus Madrid und Euroinkasso Ltd. aus Köln]

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