GWE-Wirtschaftsinformations GmbH, Gewerbeauskunft-Zentrale.de und Claudia Mölleken – letzter Versuch?

25.03.2013 mit Nachtrag vom 30.03.2013 - Als Agonie bezeichnet man die unmittelbar vor dem Sterben auftretenden Verhaltensformen und Lebensäußerungen eines Sterbenden. In dieser Zeit sind manchmal aggressiv-forderndes Verhalten und sinnleeres Reden zu beobachten.

Das Geschäftsmodell der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH aus Düsseldorf mit ihrer Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de ist seit dem 26.07.2012 im Sterben begriffen. Da hatte der Bundesgerichtshof eine Entscheidung getroffen, die das Geschäftsmodell der Branchenbuch-Abzocker schwer traf.

[Zum Blog-Beitrag vom 25.08.2012 - Bundesgerichtshof verdirbt Branchenbuch-Gaunern die Urlaubslaune]

In diesen Tagen tritt für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH noch einmal die Rechtsanwältin Claudia Mölleken aus 50996 Köln an. „Kanzlei für Wirtschaftsrecht“ nennt sich ihr Ein-Frau-Büro – hier in Berlin würde man fragen, ob es nicht auch eine Nummer kleiner geht. „Einleitung der gerichtlichen Klage“ droht die Überschrift eines Briefes an Geschädigte der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH.

[Brief Rechtsanwältin Claudia Mölleken vom 18.03.2013]

Nach dem Lesen des Briefes muss man rätseln: formuliert Rechtsanwältin Mölleken bewusst die Unwahrheit? Oder hat sie den Überblick über die Rechtslage verloren?

Es ist die Rede davon, dass die Rechtslage „eindeutig zu Gunsten unserer Mandantin spricht.“ Vier Urteile werden von der Anwältin genannt. Wir haben dazu schon früher etwas in einem Blog-Beitrag geschrieben.

[Zum Blog-Beitrag vom 09.07.2011 - Neuer Versuch der GWE, oder: wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?]

Vor allem aber: seit der Entscheidung des Bundesgerichtshof vom 26.07.2012 ist die Frage entschieden. Nichts ist dran an der Behauptung einer eindeutigen Rechtslage zu Gunsten der GWE. Niemand muss deshalb auf ein Vergleichsangebot eingehen, wie es Rechtsanwältin Mölleken vorschlägt - und sollte auch nicht; damit verlängert man nur die Weiterexistenz dieses Geschäftsmodells.

Wir haben den Spieß umgedreht. Und im Auftrag eines Mandanten, der nicht länger mit Forderungen für die Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de belästigt werden wollte, Klage vor dem Amtsgericht Düsseldorf erhoben – auf Feststellung, dass der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH kein Anspruch zusteht. Ein Urteil, in dem das festgestellt und von uns in diesem Blog veröffentlicht wird, wollte die GWE aber nicht riskieren. Ein anderes Anwaltsbüro trat für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH auf: Schmitz, Witte & Collegen aus 45074 Essen - und erklärte, das die GWE für immer auf die Forderung aus dem Formular „Gewerbeauskunft-Zentrale“ verzichtet und auch die Verfahrenskosten trägt.

[Schriftsatz Rechtsanwälte Schmitz, Witte & Collegen in Sachen AG Düsseldorf – 27 C 13599/12]

Auch in den letzten Wochen versuchte es die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH unter ihrem Geschäftsführer Sebastian Cyperski noch einmal mit ihrer alten Masche. Für ihre Gewerbeauskunft-Zentrale.de verschickte sie Formulare an Freiberufler und Gewerbetreibende. Deren Daten sind voreingetragen und es wird dazu aufgefordert, sie zu ergänzen oder korrigieren und dann das Formular zurück zu senden – gebührenfrei per Fax. Man muss tief ins Kleingedruckte gehen, um dort zu lesen, dass es sich um ein behörden- und kammerunabhängiges Angebot handelt und bisher keinerlei Geschäftsverbindung besteht. Warum das so betont wird? Doch wohl, weil genau dieser Eindruck erweckt wird. Sonst wäre der Satz überflüssig. 569,06 EUR will die GWE haben. Mal zwei. Denn für zwei Jahre soll man zahlen, wenn man das Formular zurückgeschickt hat. Marketingbeitrag für einen Eintrag unter Gewerbeauskunft-Zentrale.de heißt es an versteckter Stelle.

[Zum Muster des Eintragungsformulars der GWE – die Daten haben wir geschwärzt]

Wenn man irrtümlich ein Eintragungsformular für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH und ihre Gewerbeauskunft-Zentrale.de unterschrieben und zurück gesandt hat, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche und entschlossene Reaktion der sicherste Weg, um unberechtigte Forderungen abzuwehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen.


Nachtrag vom 30.03.2013:

Auch das Inkassobüro "DDI Deutsche Direkt Inkasso GmbH" aus 50858 Köln versucht jetzt noch einmal Geld für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH beizutreiben. Ebenfalls mit der "Märchenstunde", ein so zustande gekommener Vertrag über einen Eintrag auf der Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de sei wirksam - wozu auch sie in einem Schreiben vom 26.03.2013 die vier Urteile zitiert. Allerdings ist die Deutsche Direkt Inkasso GmbH vorsichtiger in ihren Formulierungen als Rechtsanwältin Claudia Mölleken. Zwar versteckt im Fließtext, aber dennoch deutlich formuliert, schreibt sie nämlich:

"Bei den oben genannten Urteilen handelt es sich um Einzelfallentscheidungen."

[Das Schreiben der DDI Deutsche Direkt Inkasso GmbH vom 26.03.2013]

Wie wahr - es war wohl schon eine besondere Art und Weise, wie diese Urteile zustande gekommen waren.




In weiteren Blog-Beiträgen setzen wir uns mit der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH und ihrer Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de auseinander:

[Zum Blog-Beitrag vom 16.06.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 09.07.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 15.07.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 22.12.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 22.02.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 01.06.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 12.04.2013 mit Update vom 14.10.2013 ]
[Zum Blog-Beitrag vom 27.05.2014]



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