Mehrere Planer für Bauvorhaben beschäftigt – wie wird abgerechnet?

20.03.2013 – Häufig ist Ärger vorprogrammiert, wenn an einem Bauvorhaben mehrere Planer beteiligt sind – weil dann Streit um das Honorar entstehen kann.

Ohne Planer gibt es kein Bauvorhaben. Und spätestens dann, wenn dieses die Größe eines Ein- oder Zweifamilienhauses überschreitet, kommen außer dem Architekturbüro noch ein oder mehrere Fachplaner hinzu.

Bezahlt werden sie nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).

[Text der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure - HOAI 2009]

Diese stellt ein Preisrecht dar; die darin genannten Honorarsätze dürfen, von Ausnahmefällen abgesehen, nicht unterschritten werden. Die HOAI regelt die Höhe des Honorars auf der Basis der sogenannten anrechenbaren Kosten. Hier muss der Bauherr aufpassen.

Streit kann entstehen, wenn sich mehrere Planer eine Planungsaufgabe teilen – zum Beispiel wenn der Architekt das Gesamtwerk plant und ein der Fassadenplaner die gläserne Hülle. Dann muss der Bauherr die beiden Teilaufträge vertraglich klar definieren und gegeneinander abgrenzen. Das, so die Erfahrung, ist den meisten Auftraggebern bekannt, jedenfalls dann, wenn „Bau“ zu ihrem Gewerbe gehört. Nicht bekannt ist dann aber oft, dass auch die Abrechnung geregelt werden muss – und zwar vertraglich, nicht auf der Basis eines „wir sehen später mal“. Tun sie das nicht, so bezahlen sie unter Umständen nachher deutlich zu viel. In unserem Beispielsfall – Architekt und Fassadenplaner – würden sich die anrechenbaren Kosten als Abgrenzungskriterium eignen, beispielsweise zwischen der Fassade einerseits und dem übrigen Gebäude andererseits. Dieses Abgrenzungskriterium gilt aber nur, wenn es vertraglich vereinbart wurde.

Deshalb: nicht nur Bauaufgaben sind vertraglich zu definieren; es ist auch die Fragen der Honoraraufteilung vorab schriftlich festzulegen. Ganz ohne erhöhte Vergütung kommt der Bauherr bei solchen Vertragsgestaltungen dann aber doch nicht davon: § 8 Abs. 2 Satz 3 HOAI sieht bei zusätzlichem Koordinierungsaufwand von mehreren Beteiligten eine entsprechende Extra-Honorierung vor. Diese Regelung soll so auch in der neuen Honorarordnung (HOAI 2013) bestehen bleiben, die nach derzeitigem Stand noch vor der Bundestagswahl in Kraft treten soll.


Mit Fragen zum Architektenhonorar haben wir uns schon öfter in unseren Bau-News beschäftigt:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 06.10.2011: Freundschaftspreis des Architekten – auch dann noch wenn die Freundschaft beendet ist?]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 09.02.2012: Bittere Entscheidung für Generalplaner - Subunternehmer können Honorar nachfordern]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 15.08.2012: Streit vermeiden: Abschlagszahlungen für Planer im Vertrag vereinbaren]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 07.12.2012: Planerleistungen auf Stundenbasis – das Streitrisiko lässt sich verringern]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 11.02.2015: Unterschreitung vorgeschriebenen Architektenhonorars nur ausnahmsweise – freundschaftliche Umgangsform kein Grund ]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 27.06.2015: Architekt kann Vertrag kündigen, wenn Bauherr sich weigert, Entscheidungen zu treffen]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 09.02.2016: Architekt halb ordentlich und halb schwarz beauftragt – dann keine Gewährleistungsansprüche bei Pfusch]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 20.02.2016: Architekt hat Anspruch auf gesetzliches Honorar – auch wenn weniger vereinbart war}

[Zum Bau-News-Beitrag vom 06.12.2018: Bautagebuch nicht geführt – Architektenhonorar wird gemindert]


Ihr Ansprechpartner: Claus Radziwill, Rechtsanwalt und
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Berlin

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