Mit neuem Anwalt: die Neue Branchenbuch AG alias Das Regionale – Telefonauskunft AG will wieder Geld

21.09.2016 mit Update vom 24.10.2016 - Viele Jahre ist es jetzt her, dass eine Neue Branchenbuch AG aus Frankfurt am Main ihre Geschäfte der besonderen Art machte. So heftig, das schließlich Gerichte sich mit deren Formular befassten, mit dem man versuchte, an Unterschriften von Gewerbetreibenden und Freiberufler zu gelangen. Und schließlich der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 30.06.2011 – I ZR 157/10 – Branchenbuch Berg) deutliche Worte fand.

Dann wurde es ruhig um die Neue Branchenbuch AG und ihre Masche. Doch sie war nicht tot.

Jetzt ist sie umso intensiver wieder da. Mittlerweile unter neuem Namen: Das Regionale – Telefonauskunft AG. Wieder dabei ist auch ihr Vorstand, der 1964 geborene Oliver Georg Heller, der mit verkürztem Namen als Oliver Heller auftritt.

Und mit einem neuen Rechtsanwalt. Der uns bereits früher aufgefallen war.


Formulare fluteten die Briefkästen...

Von Ende der Nuller-Jahren bis Anfang der Zehner-Jahren war die Firma Neue Branchenbuch AG tätig. Zu zehntausenden, wenn nicht gar hunderttausenden fanden Geschäftsleute und Freiberufler Post in ihren Briefkästen. Darin ein Formular. „Branchenbuch“, hieß es gelb unterlegt in dessen Kopf. Die Daten der Empfänger waren bereits voreingetragen. „Bitte Firmendaten überprüfen und auf Wunsch vervollständigen“, hieß es. Und „Für Rückantwort bitte den beiliegenden Rückumschlag verwenden.“

Das Muster des Formulars finden Sie in dem oben verlinkten Urteil – bitte auf Seite 3 scrollen.


... dann kamen die Rechnungen

Wer das Formular zurückschickte, in der Annahme, es mit den „echten“ Gelben Seiten zu tun zu haben, sah sich kurz darauf mit einer Rechnung konfrontiert. Versteckt im Kleingedruckten des Formulars war der Preis formuliert. 1.080 EUR für einen „Standard Business Eintrag“. Zuzüglich Mehrwertsteuer. Mal zwei, denn das Geld sollte zwei Jahre lang einmal jährlich gezahlt werden. Nicht etwa für ein Branchenbuch. Sondern für einen Eintrag im privaten Internetverzeichnis branchenbuch.ag. Oder einem anderen. Hieß es doch auf der Rückseite in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, das die Neue Branchenbuch AG alles auch unter einer anderen Internetdomain veröffentlichen darf.

Übrigens fand sich im Kleingedruckten des Formulars noch ein weiterer Satz: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unser Verlag mit den Gelbe Seite Verlagen und der DeTeMedien GmbH in keiner geschäftlichen Beziehung steht". Warum das wohl so betont wurde? Weil diesen Eindruck zu erwecken, beabsichtigt war?


Neuer Firmenname, neues Internetverzeichnis

Mittlerweile nennt sich die Neue Branchenbuch AG Das Regionale – Telefonauskunft AG. Und ihr Branchenverzeichnis im Internet dasregionale.ag. Inhaltlich entspricht es im wesentlichem dem, was man von solcherart Firmen erwarten kann. Probieren Sie es selbst – und versuchen sie, etwas darin zu finden.


Ein Anwalt taucht auf: mit einer Forderung aus der Vergangenheit

In diesen Tagen geht bei Betroffenen, die seinerzeit das Formular unterschrieben und zurückgeschickt hatten, Post von einem Rechtsanwalt Sebastian Stemmler aus 93051 Regensburg ein. Stemmler ist für uns kein Unbekannter. Bereits vor über einem Jahr fiel sein Name in einem unserer Blog-Beiträge.

[Zum Blog-Beitrag vom 30.06.2015]

Man schulde der Neue Branchenbuch AG alias Das Regionale – Telefonauskunft AG einen Betrag von 3.812,76 EUR, schreibt er jetzt. Von früher noch. Und außerdem habe sich der Vertrag verlängert. Man könne sich aber vergleichen. Indem man 1.440,42 EUR binnen zwei Wochen auf eines seiner Konten zahlen. Und droht damit, anderenfalls Klage zu erheben. Das würde dann noch einmal 2.100 EUR kosten. Mindestens. Das Landgericht Frankfurt am Main hätte mehrfach bestätigt, dass der Firma Das Regionale – Telefonauskunft AG dieses zustände.

Wir hoffen jetzt einmal für Anwalt Stemmler, dass er den Unsinn selber nicht glaubt.


Untypisch für "die Szene": eine Aktiengesellschaft

Der Handelsregisterauszug der seit dem 20.12.2007 beim Amtsgericht Frankfurt am Main zum Aktenzeichen HRB 82105 eingetragenen Firma Das Regionale – Telefonauskunft AG weist über die Jahre rege Änderungen auf. Namen, Anschriften und Verantwortliche wechseln. Oder tauchen wieder auf. So wie der von Oliver Georg Heller. Mal ist er Vorstand, mal nicht.

Die Rechtsform einer Aktiengesellschaft ist für Firmen der Branchenbuch-Szene untypisch. Sie erfordert ein deutlich höheres Stammkapital. 50.000 EUR beträgt das der Firma Das Regionale – Telefonauskunft AG.

Doch der Gründung einer Aktiengesellschaft steht ein Vorteil gegenüber, wenn Hinterleute im Dunkeln bleiben sollen. An derartige, na ja, Investoren können Aktien ausgegeben werden. Sie profitieren dann von Erträgen der Aktiengesellschaft. Doch wer die Aktionäre sind, lässt sich für Außenstehende in der Regel nicht nachvollziehen.


Er ist wieder da: Oliver Heller

Der Vorstand der Firma Das Regionale – Telefonauskunft AG, Oliver Heller, ist seit der ersten Hälfte der Nuller-Jahren im Adressbuchgeschäft. Anfänglich mit Firmen aus der Gegend um Ingolstadt, später ging es - firmenmäßig - in Richtung des Main. Das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL formulierte zu ihm im September 2006 in der Ausgabe 36 auf Seite 72 in einem Beitrag mit der Überschrift „Geflutete Briefkästen“:

„Der gelernte Bauschlosser gilt als einer der Vordenker des Adressbuchschwindels in Ingolstadt“.

Ab 2013 hörten wir wenig von Oliver Heller. Jedenfalls, soweit es um die Neue Branchenbuch AG alias Das Regionale – Telefonauskunft AG ging. Stattdessen bloggte er für die CDU. "Oliver Heller – Politik/Wahlen/pro CDU" hieß das Motto seines Internetauftritts oliver-heller.info. Warum auch immer: Heller ist, wie heute eine whois-Abfrage ergab, zwar weiterhin Inhaber der Seite oliver-heller.de. Doch Inhalte hat sie nicht mehr. Weder „pro CDU“, noch überhaupt.


Eine Forderungsabwehr ist möglich

Solcherart ergatterte Aufträge der Neue Branchenbuch AG alias Das Regionale – Telefonauskunft AG sind angreifbar. Wir berichteten schon 2012 über eine Entscheidung des Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 26.07.2012 - VII ZR 262/11) zu einem vergleichbaren Formular. Unser Blog-Beitrag trug die Überschrift „Bundesgerichtshof verdirbt Branchenbuch-Gaunern die Urlaubslaune“ - was den Inhalt des Urteils zusammenfasst.

[Zum Blog-Beitrag vom 26.07.2012]

[Zum Blog-Beitrag vom 25.08.2012]

Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten schicken Sie uns – unverbindlich – Ihre Unterlagen. Wir melden uns dann.



Update vom 24.10.2016:

In einem unserer Blog-Beiträge erwähnt zu werden, ist das letzte, was solchen Firmen gefällt. Häufig folgen dann böse Schreiben im Stil von „Drohung mit Tod, Teufel und Pestillenz“. Auch von „Oliver Heller, Vorstand“ bekamen wir derartige, "mit den Ihnen zustehenden Grüßen", wie es am Schluss hieß. Das las sich zum Beispiel in einer E-Mail mit der Betreffzeile "Abmahnung" dann so:

„[…] heute, den 10.10.2016 haben wir Kenntnis davon erlangt, dass Sie unwahr und herablassend über uns im Internet berichten […]

Wir geben Ihnen bis heute, 10.10.2016 18.00 Uhr Zeit, den Bericht über uns zu löschen. Des Weiteren haben Sie dafür Sorge zu tragen dass der Bericht aus allen Suchmaschinen entfernt wird.“

Doch bei diesem Inhalt blieb es nicht. Es folgten dann Verschwörungstheorien. Wir hätten Mitstreiter: „Kinderschänder“! „Verbrecher“!

Und natürlich würde das böse Ausland mitmischen. Von dort würden wir mit Back-Links unterstützt. Google wüsste das offenbar nicht, aber er:

„Wenn Google das mitbekommt landet Ihre Webseite für alle Zeiten im Nirwana!“

Nun ja!




Bei der sich seinerzeit Neue Branchenbuch AG nennenden Unternehmung stieß unser Internetauftritt im Juli 2011 auf wenig Gegenliebe. Wir würden die Neue Branchenbuch AG damit vorsätzlich und sittenwidrig schädigen. Deren Namen zu nennen, müsse aufhören, verlangte man.

Wir hörten nicht auf. Sondern machten das Ansinnen dieser Firma öffentlich.

[Zum Blog-Beitrag vom 02.07.2011]



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