Online Branchen Verlag Ltd. und Michael Kemner – mit Trickanrufen auf Kundenfang für dbbonline.de

01.07.2015 – Von der Familie Kemner aus Bünde/Ostwestfalen gibt es auch in diesem Sommer Neuigkeiten zu hören. Online Branchen Verlag Ltd. heißt das am 08.06.2015 gegründete jüngste Projekt, abgekürzt OBV Ltd. Offiziell sitzt die Firma allerdings nicht in Deutschland, sondern in Margate, Grafschaft Kent, Großbritannien. Ihr Director, das ist das englische Gegenstück zum deutschen Geschäftsführer, ist der 1973 geborene Michael Kemner.

Das Geschäftsmodell entspricht dem, was man in der Vergangenheit aus dem Hause Kemner schon kannte. Mittels Doppelanrufmasche und Legendenbildung werden Aufträge für das Internetverzeichnis dbbonline.de der Online Branchen Verlag Ltd. akquiriert. Das Wort dbbonline.de soll wohl als Abkürzung für Deutsches Branchenbuch Online stehen.

Anschließend wird versucht, Geld von den Betroffenen einzukassieren. Viel Geld in Anbetracht einer dürftigen Gegenleistung.


Die Masche mit den zwei Anrufen

Eine Hundertschaft von Firmen greift zu dem Trick mit den zwei Telefonaten. Sie sitzen schwerpunktmäßig in Ostwestfalen, so wie auch Michael Kemner. Häufig auch auf den steuerbegünstigten Kanarischen Inseln und links und rechts des Rhein in Nordrhein-Westfalen – von Siegburg bis Emmerich. Die Spuren zu den Hintermännern dieser Firmen führt häufig dann auch nach Ostwestfalen.

Mit einigen Abwandlungen im Detail funktioniert der Trick dieser Firmen so oder so ähnlich:

Ein Cold-Call, also ein Spam-Anruf geht bei einem Gewerbetreibenden ein. Der Anrufer kommt sofort zur Sache. Mit einer beliebten Legende: es ginge um den Eintrag im Branchenbuch oder einem Adressbuch Namens .…. – dann folgt ein Name. Das wäre im ersten Jahr kostenlos gewesen, sei aber nicht gekündigt worden. Ob man denn nicht die AGB sorgfältig gelesen habe? Jedenfalls müsse jetzt gezahlt werden. Man wolle die Daten abgleichen. Auf den Einwand, derartiges sei nicht bekannt, wird resolut reagiert: das sei so registriert. Und weiter: man hätte nur die Möglichkeit, jetzt für einen kürzeren Zeitraum, beispielsweise ein Jahr zu zahlen. Oder einen längeren Zeitraum, etwa 24 oder 36 Monate. Die Angerufenen zweifeln an sich, glauben schließlich, in der Hektik des Geschäftsalltags etwas übersehen zu haben und jetzt noch am besten davon zu kommen, wenn sie die vermeintlich günstigste Möglichkeit wählen. Dass tatsächlich vorher keine Geschäftsverbindung bestand, wird für sie nicht deutlich. Beliebt ist aber auch der Google-Trick: dabei wird behauptet, man habe in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass der Firmeneintrag sich im Internet vorne befände, man sei Kooperationspartner von Google, mitunter heißt es auch man sei von Google. Der Eintrag sei bislang kostenlos gewesen, ab jetzt aber kostenpflichtig. Eine Änderung der Geschäftspolitik. Wenn man damit nicht einverstanden sei, werde die Firma bei Google nicht mehr gelistet; was für die meisten Firmen ein großes Übel wäre.

In einem zweiten Telefonat lassen sich diese Firmen kurz darauf dann den Vertragsschluss bestätigen. Dieses Telefonat wird aufgezeichnet; aus rechtlichen Gründen, heißt es. „Man sei schließlich in Deutschland. Es muss alles seine Ordnung haben.“ Dann werden die Daten in schnellem Ton so abgefragt, dass die Antworten „ja“ lauten. „Sie antworten nur mit ja“, wird dann auch schon mal angeschnauzt, wenn versucht wird, eine Frage zu stellen. Die meisten werden dann tatsächlich kleinlaut.

Wer es mit der Online Branchen Verlag Ltd. zu tun hatte, erhält einige Tage später eine Rechnung. „Deutsches Branchenbuch Online“ heißt es im Briefkopf. Und: „Wir bringen Sie in Netz“. 169,00 EUR netto werden zum Beispiel für die „Eintragung Ihrer Firmendaten für die Laufzeit von 12 Monaten“ verlangt. Bei dbbonline.de. Zahlbar innerhalb von 10 Tagen. Weiter heißt es: "DIese Rechnung enthält steuerfreie Umsätze nach Paragraph 3 Nr. 8ff UstG, daher ist keine Umsatzsteuer enthalten uns ausgewiesen." Was wohl das Finanzamt dazu sagen würde, wenn es das erfährt?

[Beispiel einer Rechnung der Online Branchen Verlag Ltd. für einen Eintrag in dbbonline.de]

Wir haben aber auch schon höhere Rechnungen gesehen.


Nimmt man ihr das Konto, hat die Abzockerszene ein Problem

Ein Schwachpunkt von Firmen, die mit Lug und Trug arbeiten, ist das Konto. Wenn sich Beschwerden über solch spezielle Bankkunden häufen, reagieren die Banken mitunter ganz schnell: sie kündigen die Geschäftsbeziehung. Aus Sicht solcher Firmen ist das fatal. Ohne Konto kommt kein Geld. Ob das der Grund ist, dass nicht an die Online Branchen Verlag Ltd. gezahlt werden soll? „Diese Rechnung wurde abgetreten“ schreibt die Online Branchen Verlag Ltd. Das Geld soll an eine Rentel Management Ltd. auf ein Konto bei der Volksbank Welzheim gehen. Die Rentel Management Ltd. besteht seit Dezember 2014. Ihr Director und Alleingesellschafter ist der 1950 geborene Helmut Jürgen Rentel. Dass sie nur mit einem Stammkapital von 100 Britischen Pfund ausgestattet ist, deutet auf eine sogenannte Wegwerf-Firma hin. Wenn es zu Problemen kommt, kann man sich ihrer schnell entledigen, ohne dass ein großer finanzieller Verlust schmerzt.

Auch die Online Branchen Verlag Ltd. ist mit nur 100 Britischen Pfund ausgestattet; ihr Alleingesellschafter ist Michael Kemner. Unter der Anschrift, die sie auf der Rechnung angibt, wird man sie kaum antreffen. Dort gibt es nur einen Briefkasten, den sie sich mit einer Hundertschaft anderer Firmen teilt.

Bei Aufruf der Internetseite dbb-online.de wird man weiter geleitet auf die Seite deutsche-auskunft.net. Niemand kennt die Seiten, keiner braucht sie, es ist auch nicht ersichtlich, dass sie überhaupt beworben werden. Aktuell sind geschätzt kaum mehr als 1000 Namen erfasst. Aus ganz Deutschland. Das sind weit weniger als 1% der Gewerbetreibenden.


Viel zu viele zahlen – statt sich zu wehren

Viel zu viele der Betroffenen zahlen nach diversen Erinnerungen, Mahnungen und Drohungen an solche Firmen. Sie glauben, mit dem Mitschnitt des zweiten Anrufes hätte man sie in der Hand. Geht doch daraus nicht hervor, mit welchen Aussagen man im ersten Telefonat geblufft hatte. Doch bei richtiger Abwehrstrategie muss sich vor einer Forderung der Online Branchen Verlag Ltd. oder den anderen, mit solchem Geschäftsmodell, niemand fürchten. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.




Das sogenannte Deutsche Branchenbuch Online ist nicht zu verwechseln mit dem Deutschen Branchenbuchmagazin Online. Eigentlich aber schon: gleiche Masche mit zwei Anrufen. Hier wie dort wird viel Geld verlangt für wenig Gegenleistung. Und beide Male führen die Spuren nach Ostwestfalen.

[Zum Blog-Beitrag vom 23.07.2013: Wieder die Kanaren-Connection: die Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. mit dbm-online.com]





Schon früher berichteten wir über die Geschäfte von Ewa Kemner und Michael Kemner. Über deren Firmen EK-Marketing, Internet Medien Verlag Ltd. und Internet Medien Auskunft Michael Kemner:

[Zum Blog-Beitrag vom 07.06.2013, mit diversen Ergänzungen, zuletzt vom 24.09.2015]




[Der Trick mit der Doppelanruf-Masche]




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