Post vom Gericht: Mahnbescheid der Hogan & Frey Ltd gegen Abzock-Opfer der Intermedia AG Ltd

28.10.2013 – Wenn man sich nicht rechtzeitig und nachhaltig wehrt, wird die Szene frech. Das erfahren jetzt Opfer der Intermedia AG Ltd, einem Unternehmen, das sich mittels Spam-Faxen Eintragungsaufträge für ein Internetverzeichnis diegewerbeseiten.com erschlichen hat. Die Hogan & Frey Ltd hat gerichtliche Mahnbescheide gegen etliche Betroffene deren Abzockmasche beantragt.

Die Intermedia AG Ltd, angeblich sitzt sie in der Türkei, tatsächlich sind ihre Wurzeln in Deutschland, belästigte Gewerbetreibende und Freiberufler mit einem Spam-Fax. Dessen Überschrift lautete Branchenbuch der Region und versuchte den äußeren Anschein zu erwecken, von den echten Gelbe-Seiten-Verlagen zu stammen; Schrifttyp und Gestaltung ähnelten denen der echten Gelben Seiten. Die Adressdaten waren bereits voreingetragen. Auch einen Barcode gab es; wenngleich als Fake - er war auf allen Faxen gleich. Das Fax war so angelegt, dass der Empfänger in der üblichen Geschäftsroutine davon ausgehen sollte, es handele sich um einen Korrekturabzug für einen bereits bestehenden Eintrag; er müsse lediglich noch die Daten korrigieren oder ergänzen und das Formular zurück faxen. Dazu wurde mit folgendem Wortlaut aufgefordert:

„Der Gratiseintrag wurde bereits, wie nebenstehend, kostenlos für Sie eingetragen. Bitte ergänzen/korrigieren Sie Ihre Daten und faxen diese an uns zurück.“

Tatsächlich ging es weder um ein Branchenbuch, noch um einen kostenlosen Eintrag. 960 EUR sollten jedes Jahr gezahlt werden, das Ganze drei Jahre lang. Für einen Eintrag in einem Online-Register von der Art, das keiner kennt und niemand braucht: diegewerbeseiten.com. Als Geldeintreiber tauchte anfänglich eine Astoria Finance Ltd. auf, die angeblich in London sitzt. Die wiederum beauftragte eine Hogan & Frey Ltd – wohl als eine Art Unterbevollmächtigten.

Über all diese Firmen und ihre Masche hatten wir bereits in der Vergangenheit in unserem Blog berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 15.02.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 07.08.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 14.05.2013]

Diese Hogan & Frey Ltd. hat nun Mahnbescheide beim Berliner Amtsgericht Wedding beantragt – in eigenem Namen, als Antragsteller ist sie aufgeführt. Diejenigen, an deren Geld man auf diese Weise gelangen will, hatten zuvor versucht., sich ohne Unterstützung durch einen Anwalt zu wehren. 960 EUR will die Hogan & Frey Ltd. jetzt für einen Eintragungszeitraum von einem Jahr haben, dazu Zinsen: 12,5 % sollen es sein, das liegt deutlich über dem gesetzlichen Zinssatz. Außerdem Gerichts- und Rechtsanwaltskosten. Insgesamt sind das über 1.300 EUR. Das Amtsgericht Wedding ist für das gerichtliche Mahnverfahren zuständig, da die Antragstellerin, die Firma Hogan & Frey, angegeben hat, im Ausland zu sitzen.

[Beispiel eines Mahnbescheides in Sachen Hogan & Frey Ltd]

Woraus sich ergeben soll, dass die Hogan & Frey Ltd. Inhaber der Forderung geworden sein soll, ist bislang ihr Geheimnis geblieben.

Man hat tatsächlich wieder einmal einen Anwalt gefunden, der sich für einen solchen Auftrag der Szene hergibt: Klaus Johannes Brecht aus 10718 Berlin, eine Zweigstelle betreibt er noch im beschaulichen Rüdesheim. Was er vorher beruflich gemacht hat, wissen wir nicht - viel Erfahrung als Rechtsanwalt scheint er aber nicht zu haben: das Amtliche Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer nennt als Tag seiner Zulassung den 11.04.2013. Ob er weiß, wohin solche Mandate für die Abzockerszene führen können? In Köln bekamen in diesem Monat Anwaltskanzleien aus dem Umfeld einer anderen Adressbuchfirma höchst unwillkommenen Besuch von Fahndern – im Rahmen einer Razzia wegen Betrugsverdacht.

[Zum Blog-Beitrag vom 12.04.2013 mit Update vom 14.10.2013]

Wenn man einen Mahnbescheid der Hogan & Frey Ltd. für einen angeblich auf diese Weise mit der Intermedia AG Ltd zustande gekommen Eintragungsauftrag für das Internetverzeichnis diegewerbeseiten.com erhält, ist eine Zahlung der schlechteste Weg. Zum einen, weil man grundsätzlich das Geschäftsmodell derartiger Firmen nicht unterstützen sollte. Vor allem aber, weil man auch danach keine Ruhe haben wird: die Verträge sollen nach ihrem Kleingedruckten über drei Jahre laufen, so dass die nächste Rechnung nicht lange auf sich warten lassen wird. Auch dann, wenn ein Mahnbescheid kommt, ist es nicht zu spät sich gegen dieses Begehren zu wehren. Allerdings laufen dann erst einmal Fristen, die beachtet werden müssen - es ist ein Widerspruch einzulegen, entweder auf dem Formular, dass vom Gericht mit übersandt wird oder formfrei ("Ich lege gegen den Mahnbescheid zum Aktenzeichen ... Widerspruch ein").

Gerne können Sie uns ansprechen, wenn Sie von uns vertreten werden möchten. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann bei Ihnen.



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