Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schweriner Abzockerszene

02.07.2015 – Über die Schweriner Szene, die mit der Doppelanruf-Masche an Aufträge für einen Branchenbucheintrag – und natürlich an das Geld der betroffenen Gewerbetreibenden und Freiberufler - zu kommen versuchte, hatten wir in der Vergangenheit schon öfter berichtet. Es ging um Firmen, die sich Regional Gewerbe Verzeichnis Sabine Hennig, Lokale-Gewerbe-Auskunft Zanner u. Bruhn GbR oder Regional Gewerbe Verzeichnis M. Zanner nannten.

[Zum Blog-Beitrag vom 04.10.2013, mit diversen Updates, zuletzt vom 06.10.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 18.10.2013]

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Schwerin, Bleicherufer 15, 19053 Schwerin zum Aktenzeichen 251 Js 5942/14 gegen vier Beschuldigte: Madlen O. (jetzt Z.), Sabine H., Gudrun N. und Marcel B.


Wohl 2500 Geschädigte

Nach den bisherigen Ermittlungen stellt es sich für die Strafverfolgungsbehörden so dar, dass die vier teilweise unter Aliasnamen Gewerbetreibende in ganz Deutschland angerufen und angegeben hatten, sie hätten einen bislang kostenlosen Eintrag in das Internetportal regionales-gewerbe-verzeichnis gehabt. Da die Kündigungsfrist für die kostenlose Nutzung des Dienstes abgelaufen sei und die Kündigung nicht durchgeführt wurde, sei der Dienst nun kostenpflichtig.

Weiter ergaben die bisherigen Ermittlungen, dass im Zeitraum von 2012 bis 19.11.2014 ca. 2.500 Gewerbetreibende in ganz Deutschland telefonisch angesprochen wurden. Danach erhielten die meisten schriftliche Rechnungen, Mahnungen und weitere Anrufe, bei denen zur Zahlung aufgefordert wurde. Es ging um Beträge zwischen 100 und 400 EUR für eine Laufzeit von 3 bis 24 Monaten. Und natürlich floss dann auch Geld.

Teilweise wurden die Kundendaten aus einem vorhergehenden Internetverzeichnis namens gewerbeverzeichnis24.de übernommen, so der derzeitige Ermittlungsstand. Teilweise wurden auch die mit dieser Masche erlangten Daten in das Firmenverzeichnis lokale-gewerbe-auskunft.de übernommen. Da bekamen die Betroffenen dann weitere Rechnungen.

Soweit die Betroffenen ermittelt werden konnten, erhielten sie zwischenzeitlich Post von der Schweriner Kriminalpolizei: rund 2500 Fragebögen wurden verschickt.


Das Verfahren dürfte sich hinziehen

Bei dieser Masse an Geschädigten wird es nach unserer Erfahrung lange dauern, bis die Ermittlungen abgeschlossen werden und gegebenenfalls Anklage erhoben wird. Häufig wird dann in solchen Fällen von Wirtschafts- und Cybercrime prozessökonomisch handeln: die Anklage wird auf einige Dutzend Fälle beschränkt und das Verfahren wegen der weiteren Fälle im Hinblick auf die zu erwartende Verurteilung eingestellt.

[Der Trick mit der Doppelanruf-Masche]

Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte
Kontakt über Telefon
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
mail [at] radziwill.