Trittbrettfahrer aus Gran Canaria: der Gewerbeverlag Online möchte Geld für firmensucheseite1.info

25.01.2015 mit diversen Updates, zuletzt vom 14.10.2018 – Wieder einmal kommt ein neuer Name von den – auch für die Abzockerszene – steuerbegünstigten Kanarischen Inseln. Sind es erst 50 einschlägige Firmen? Oder doch schon 100? Wir haben längst aufgehört zu zählen; sie kommen und gehen.

Gewerbeverlag Online, Inhaber M. Hendrichs, nennt sich die nächste Firma, in Kurzfassung auch gvonline. Sie behauptet, in Playa del Ingles, Gran Canaria/Spanien zu sitzen. Doch bei diesem selbsternannten Gewerbeverlag handelt es sich nach unserer Einschätzung um nicht viel mehr als einen Trittbrettfahrer, der es den großen Gaunerfirmen gleich tun möchte.

Mit der Doppel-Anruf-Masche und den branchentypischen Lügen werden vom Gewerbeverlag Online Eintragungsaufträge für die Internetseite firmensuchseite1.info ergattert. Für die man viel Geld von den so Hereingelegten haben möchte.


Das Geschäftsmodell des Gewerbeverlag Online

Ein Spam-Anruf kommt bei einem Gewerbetreibenden, Handwerker oder Freiberufler an. Deren Telefonnummern wurden meist aus Online-Branchenbüchern heraus gesucht. Unter einer Legende geht es zur Sache: es ginge um den Branchenbucheintrag auf der Internetseite des Gewerbeverlag Online. Der wäre bislang kostenlos gewesen und weil er nicht gekündigt wurde, müsste jetzt gezahlt werden; man wolle die Daten abgleichen. Auf den Einwand, derartiges sei nicht bekannt, wird resolut entgegnet: das sei so registriert und man hätte nur die Möglichkeit, jetzt für – meistens wird ein Jahr genannt - zu bezahlen oder aber für einen länger laufenden Eintrag, der wäre dann teurer.

Dass tatsächlich vorher keine Geschäftsverbindung bestand, wird für die Angerufenen nicht sofort deutlich. Sie glauben, in der Hektik des Geschäftsalltags etwas übersehen zu haben und jetzt noch am besten davon zu kommen, wenn sie die vermeintlich günstigste Möglichkeit wählen. Einen Trost verspricht der Anrufer: es werde vermerkt, dass der Vertrag automatisch ende. In einem zweiten Telefonat lässt sich der Gewerbeverlag Online dann den Vertragsschluss bestätigen. Dieses Telefonat wird aufgezeichnet. Dabei werden die Daten so abgefragt, das die Antworten „ja“ lauten. Aus diesem zweiten Telefonat geht nicht die Legende hervor, die beim ersten Anruf präsentiert wurde; nämlich dass ein Vertrag nicht rechtzeitig gekündigt worden sei.

Einige Tage später folgt die Rechnung. Auf schmutzig grauem Papier. 299,00 EUR sollen für einen Firmeneintrag unter firmensucheseite1.info gezahlt werden. Auf ein Konto bei der Banco de Sabadell S.A., das in deren Zweigstelle 0402 geführt wird. 3% Skonto gibt es, wenn das binnen drei Tagen geschieht.

[Beispiel einer Rechnung des Gewerbeverlag Online]

Domaininhaber der Seite firmensucheseite1.info ist ein Dietmar Nagele, mit selber Anschrift wie der Gewerbeverlag Online. Etwas zur Qualität dieser Firmensucheseite zu sagen, ist überflüssig. Testen Sie es – und versuchen Sie mal, dort etwas zu finden! Sich dort eintragen zu lassen, ist heraus geschmissenes Geld.


Eine Gegenwehr ist möglich

Ist man einmal auf diese oder ähnliche Weise herein gelegt worden, kommen in der Regel einige Tage später die nächsten Anrufe. Wieder mit gleicher Machart, mitunter wird ein anderer Firmenname genannt. Häufig aber trickreicher. Dann wird zum Beispiel erklärt, beim letzten Mal sei das Telefonat fehlerhaft aufgenommen worden. Oder: man hätte vergessen, die automatische Kündigung aufzunehmen. Bei der Wiederholung wird ein anderer Firmenname untergeschoben, der sich ähnlich anhört. So etwas fällt erst einmal nicht weiter auf.

Der konsequenteste Weg sich zu schützen ist der Verzicht auf die üblichen Umgangsformen: einfach auflegen oder weg klicken, ohne ein Wort zu sagen. Das spricht sich herum, die Belästigungen lassen dann nach.

Bei richtiger Abwehrstrategie muss sich aber vor einer Forderung von Firmen wie dem Gewerbeverlag Online alias gvonline niemand fürchten. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.




Update vom 03.06.2015:
Jetzt mit Inkassobüro

Der Gewerbeverlag Online versucht jetzt Betroffene mit einem Inkassobüro einzuschüchtern. Als Geldeintreiber tritt jetzt die SPIEGEL Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH auf, in Kurzform SPIEGEL, dem hessischen Lampertheim auf. Mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hat sie nichts zu tun. 381,13 EUR sind es mittlerweile, die man verlangl. Zu zahlen auf ein Konto bei der Kreissparkasse Kaiserslautern.

[Beispiel eines Aufforderungsschreibens von SPIEGEL INKASSO in Sachen Gewerbeverlag Online]

Nebulös wird davon gesprochen, dass man Informationen zum bisherigen Zahlungsverhalten und zu Bonitätsinformationen auf Basis mathematisch-statistischer Verfahren bezieht. Womit man wohl andeuten will, dass es die Bonität beeinflussen könne, wenn man die Forderung nicht bezahlt. Was so direkt zwar nicht stimmt. Allerdings wird man spätestens dann, wenn sich ein Inkassounternehmen einschaltet, tätig werden müssen, da die Gefahr eines negativen Schufa-Eintrages sonst tatsächlich nicht auszuschließen ist.

Die SPIEGEL Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH ist für uns nicht unbekannt. Auch die mit dem gleichen Geschäftsmodell arbeitende BVO Branchenverzeichnis S.L wird von ihr vertreten. Wir hatten darüber in unserem Blog berichtet.

[Zum Blog-Beitrag vom 12.06.2014 mit Update vom 22.10.2014]




Update vom 03.12.2015:
Man geht gerichtlich gegen Betroffene vor

Jetzt wurde uns berichtet, dass gerichtlich gegen diejenigen vorgegangen wird, die sich bislang nicht – oder nicht richtig – gegen die Forderung des Gewerbeverlag Online alias gvonline wandten; selbst dann nicht, als die SPIEGEL Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH aus Lampertheim ins Spiel kam. Sie erhielten einen Mahnbescheid vom Gericht über die Forderung für den Eintrag in das Internetverzeichnisse und diverse weitere Kosten.

Von den Mandanten, die wir vertreten hatten, ist keiner betroffen.

Wenn man sich nicht vorgerichtlich gegen Ansinnen derartiger Firmen wehrt, erweckt man in deren Augen den Eindruck, eine leichte Beute zu sein. Gegen einen Mahnbescheid des Gerichts muss ein Widerspruch beim Gericht eingelegt werden. Dafür laufen Fristen. Es ist nicht ausreichend, wenn man gegenüber dem Gewerbeverlag Online oder der SPIEGEL Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH Einwände gegen die Forderung erhebt. Immer wieder erleben wir in unserer Beratungstätigkeit, welche Folgen Nachlässigkeiten an dieser Stelle haben: wenn man zu uns erst dann kommt, wenn sich der Gerichtsvollzieher angekündigt hat. In der Regel können wir dann nicht mehr helfen.



Update vom 14.07.2016:
Die nächste Firma des Markus Hendrichs

Die Namen von Abzockerfirmen sind nach kurzer Zeit verbrannt. Berichterstattungen, auch in unserem Blog, zeigen den Betroffenen, dass man sich wehren kann; der Geldzufluss lässt nach. Die Betreiber dieses Geschäftsmodells gründen dann die nächste Firma.

Markus Hendrichs betreibt mittlerweile unter der nächsten Firmenbezeichnung seinen Kundenfang. Firmenredaktion online, Inhaber M. Hendrichs heißt es jetzt. Auch das Internetverzeichnis ist neu: firmenredaktion-online.com. Inhaltlich ist alles – im schlechten – gleich geblieben.

Die Firmenredaktion online gibt als ihren Firmensitz Teobaldo Power s/n C.C. Sonnenland, 35100 Maspalomas auf der spanischen Kanaren-Insel Gran Canaria an. Nach Art der Szene dürfte man dort aber von der Firmenredaktion online eher wenig antreffen; außer vielleicht einen Briefkasten, dem man sich mit etlichen anderen teilt.



Update vom 22.08.2018:
Firmenredaktion Online wieder aktiv

Lange hatten wir nichts mehr von der Firmenredaktion online, Inhaber M. Hendrichs gehört. Jetzt ist sie wieder da und versucht erneut, mit der Doppel-Anruf-Masche an das Geld von Gewerbetreibenden zu kommen. 399,00 EUR werden für einen zwöfmonatigen Firmeneintrag auf der Internetseite firmenredaktion-online.com verlangt. Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Deutschen Bank Madrid innerhalb von 14 Tagen. Bei Zahlung innerhalb drei Tagen können 3% Skonto abgezogen werden.

[Beispiel einer Rechnung von Firmenredaktion online aus dem Jahr 2018]



Update vom 14.10.2018:
Jetzt mit Inkassobüro

In diesem Herbst meldet sich bei den Betroffenen der Firmenredaktion online SL, die mittlerweile auch in der Schreibweise mit vier Wörtern, Firmen Redaktion online SL, auftaucht, eine Inkassofirma. Die City Inkasso GmbH aus Frankfurt am Main. Kennern der Abzocker-Szene ist die City Inkasso bekannt. Sie vertritt eine Vielzahl einschlägiger Firmen gegen Betroffene.

[Mehr dazu:Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]

Wenn sich ein Inkassounternehmen wie die City Inkasso GmbH meldet, wird man tätig werden müssen. Es drohen sonst Nachteile bei Schufa & Co.




[Der Trick mit der Doppelanruf-Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

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