Trittbrettfahrer will Geld: Inkassogesellschaft Kaiser mbH aus Köln mit Lokale-Firmen-Suche Madrid

11.04.2016 – Wenn es einmal gelang, jemanden herein zu legen, wird es immer wieder aufs Neue versucht. Diesen Hinweis finden Sie unter vielen unserer Blog-Beiträge, die sich mit dem Geschäftsgebahren aus der Welt der Abzocker und Werbeverlage beschäftigen.

Ein besonders dreister Trittbrettfahrer ist jetzt aufgetaucht. Eine Inkassogesellschaft Kaiser mbH. Mit einer Kölner Anschrift. Der Richmodstraße 15. Sie treibt Forderungen für eine Firma Lokale-Firmen-Suche ein. Mit einer Anschrift aus Madrid/Spanien.

Doch beide Firmen gibt es nicht!


Ein Anruf...

Bei einem Gewerbetreibenden oder Freiberufler im deutschsprachigen Raum klingelt das Telefon. Man sei von einem Inkassounternehmen, der Inkassogesellschaft Kaiser, heißt es. Und suche erst einmal den Weg zum Kunden, bevor man mit Mahnungen beginne. Die seien schließlich unangenehm. Auf die besorgte Nachfrage, welche Schulden man habe, wird auf eine Firma Lokale-Firmen-Suche verwiesen. Die würde man im Hause Kaiser vertreten. Der Angerufene sei auf deren Internetseite eingetragen. Das sei für ein Jahr kostenlos gewesen, würde ab jetzt aber Geld kosten. Man würde die Rechnung übersenden. Wenn die sofort gezahlt würde, wäre ein weiteres Tätigwerden der Inkassogesellschaft Kaiser nicht mehr nötig. Ansonsten müsste man die gebotenen Maßnahmen ergreifen, „Sie verstehen“.


... und ein Brief

Tatsächlich kommt dann auch etwas. Ein Anschreiben, in deren Briefkopf es Inkassogesellschaft Kaiser mbH heißt. Ohne Unterschrift. Aus dem Text:

„… wie mit unserem Sachbearbeiter besprochen, übersenden wir ihnen anbei eine Rechnungskopie und die entsprechenden AGB zur aktuellen Forderung unseres Mandanten: Lokale-Firmen-Suche […]

Wir weisen Sie darauf hin, dass wir den offenen Saldo unter Einhaltung des § 28a Bundesdatenschutzgesetz an Auskunfteien (u.a. Schufa und Infoscore) melden werden, falls wir keine einvernehmliche Lösung finden.“

Eine Rechnung liegt bei. 299 EUR will man haben. Als Absender wird der Name Lokale-Firmen-Suche genannt. Madrider Anschrift. Das Symbol der Google-Partner ist abgedruckt. Das Geld soll innerhalb von sieben Tagen nach Rechnungserhalt auf ein Konto der Caixabank S.A. in Barcelona gehen. Einem Geldinstitut, das sich immer wieder in der Abzocker-Szene einer gewissen Beliebtheit erfreut. Die Mehrwertsteuer soll man hingegen an das örtliche Finanzamt abführen. Reverse-Charge-Verfahren nennt sich das dann.

[Anschreiben von Inkassogesellschaft Kaiser mbH mit Rechnung für Lokale-Firmen-Suche Madrid mit AGB]

Gezahlt werden soll laut Rechnungstext für „Darstellung Ihrer Firmendaten im Internet“. Auf welcher Seite? Dazu findet sich nichts. Auch nicht dazu, wer die Lokale-Firmen-Suche betreibt. Der Gerichtsstand soll in Madrid sein, in den rückseitig abgedruckten AGB - Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist hingegen von Barcelona die Rede.

Letztlich ist das auch gleich. Eine Inkassogesellschaft Kaiser mbH ist in keinem Handelsregister verzeichnet. Natürlich auch nicht im Rechtsdienstleistungsregister, in dem alle zugelassenen Inkassounternehmen verzeichnet sind. Man findet sie auch nicht in der Richmodstraße 15 in Köln. Es gibt sie nicht. Und ebenso nicht die Lokale-Firmen-Suche in Madrid. Es ist ein noch plumperer Betrugsversuch, als man das aus der Abzocker-Szene gewohnt ist.


Außer einer Strafanzeige muss man nichts machen

Normalerweise muss man tätig werden, wenn man Opfer der Branchenbuch-Betrüger wurde. In diesem Fall nicht. Mit nicht existierenden Firmen muss man sich nicht abgeben. Legen Sie kommentarlos auf, wenn Sie angerufen werden. Lassen sie sich nicht auf ein Gespräch ein. Wenn Sie Post erhalten, können Sie diese problemlos entsorgen. Entweder im Papierkorb. Oder in einem Brief, mit dem Sie bei Polizei oder Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die Hinterleute erstatten.



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