Verlag für Mediengestaltung aus Andernach verliert Prozess - und heißt jetzt Verlag für Printmediengestaltung

27.02.2016 mit diversen Updates, zuletzt vom 02.11.2018 – „Dubioses Geschäftsgebahren", „Ominöse Werber“ und „Warnung vor Betrugsmaschen" sind nur drei der Überschriften, die in mehr als einem Dutzend Zeitungsartikeln auftauchen, in denen über den Verlag für Mediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG aus 56626 Andernach berichtet wird.

Zur schlechten Presse kommt auch noch ein verlorener Prozess hinzu. Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck (AG Fürstenfeldbruck, Urteil vom 10.12.2015 – 6 C 1380/15) entschied, dass dem Verlag für Mediengestaltung kein Anspruch gegen eine unserer Mandantinnen zusteht. Es sei mit dem verwendeten Auftragsvordruck des Verlags schon kein wirksamer Vertrag zustande gekommen. Und außerdem seien die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Verlages unwirksam. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Ob so viel schlechte Presse und ein verlorener Prozess der Grund dafür sind, dass sich der Verlag für Mediengestaltung zu tarnen versucht? Seit dem 08.01.2016 ist im Handelsregister des Amtsgericht Koblenz (HRA 20121) ein neuer Name eingetragen. Jetzt nennt man sich Verlag für Printmediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG.

Warum auch immer, man verwendet eine Schachtelkonstruktion. Der Verlag für Printmediengestaltung wird vertreten durch eine andere Firma: die auch in Koblenz zu HRB 24062 eingetragene Verlag für Mediengestaltung Verwaltungs Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), die mit einem Stammkapital von 1.000 EUR in die Kategorie der Billigfirmen gehört. Sie wird wiederum vertreten von der im Februar 1969 geborenen Bürokauffrau Petra Schwickert aus dem rheinland-pfälzischen 56204 Hillscheid.


Ein falscher Eindruck entsteht

Geht man nach den vielen übereinstimmenden Berichten in der Presse aus, segelt der Verlag für Mediengestaltung UG & Co. KG alias Verlag für Printmediengestaltung UG unter falscher Flagge.

Gewerbetreibende und Freiberufler, die in einer von der Stadt oder Gemeinde veröffentlichten Broschüre mit einer Anzeige vertreten waren, werden angesprochen. Der Werber führt einen freundlichen Small Talk und verweist dann auf die bisher verwendete Anzeige. Die nächste Auflage würde bald erscheinen, ob man wieder dabei sein wolle. Die Geschäftsleute gehen davon aus, dass es um die „offizielle“ Broschüre ginge. Und unterschreiben ein Formular, in dessen Anhang die bisherige Anzeige als Druckvorlage abgebildet ist. Auch in dem von uns vertretenen Fall vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck wurde uns eine ähnliche Vorgehensweise geschildert.


Eine Rechnung folgt der anderen

Die Rechnung kommt bald. Und dann immer wieder aufs Neue. Denn aus dem Kleingedruckten des Formulars ergibt sich, dass man viermal innerhalb von zwei Jahren zahlen muss. Vielleicht aber auch noch mehr. In einigen Formularen heißt es: „Der Anzeigenauftrag verlängert sich um ein weiteres Jahr, wenn nicht spätestens drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit schriftlich gekündigt wird.“

[Beispiel eines Formular des Verlag für Mediengestaltung]

Das sind dann zusammen schon mal 2.713,20 EUR brutto. Oder noch viel mehr, bei einem größeren Anzeigenformat. Wenn nicht ein Lastschrifteinzug vereinbart ist, soll auf ein Konto bei der Volksbank Rhein-Sieg eG oder der Sparkasse Köln/Bonn gezahlt werden.

Wenn nicht gezahlt wird, meldet sich zuerst ein Inkassobüro bei den Betroffenen. Danach geht es weiter. Entgegen einem häufigen Gerücht versuchen solche Firmen nämlich auch, auf dem Klageweg an ihr Geld zu kommen. Bevorzugt bei denen, die sich im Vorfeld nicht oder schlecht gegen die Forderung verteidigt hatten. Der Verlag für Mediengestaltung UG & Co. KG alias Verlag für Printmediengestaltung UG bedient sich dazu einer Anwaltskanzlei aus dem Eifel-Städtchen Mayen.

In dem in Fürstenfeldbruck eingeleiteten Prozess wurden wir erst spät eingeschaltet; sehr spät. Zu dem Zeitpunkt war die Klage bereits erhoben. Es gelang, das Gericht davon zu überzeugen, dass kein wirksamer Vertrag zustande gekommen war. Weil, wie wir Juristen sagen, es an den essentialia negotii mangelte.


Kein wirksamer Vertrag

Dazu muss man sich nur das Auftragsformular näher anschauen. Es geht um eine „Bürgerinformationsbroschüre". Was für eine? „Beiträge über das o.g. Bundesland in Wort und Bild“ steht im Kleingedruckten des Vertragsformulars. Man kann erahnen, dass die Broschüre verteilt werden soll. Aber wo? An 100 Verteilerstellen, „Behörden, Geschäfte sowie weitere vom Verlag ausgesuchte Stellen“ werde sie übersandt, heißt es weiter. Mindestens 12 Broschüren. Doch nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl? Und wann wird die Broschüre übersandt?

Die Verteilungsgebiete sind riesig. In dem vom Amtsgericht Fürstenfeldbruck entschiedenen Fall wurde Bayern genannt. Tatsächlich erfolgte dann die Verteilung bis hin nach Thüringen und Rheinland-Pfalz. Ein Werbeeffekt für jemanden aus dem nahe München gelegenen Fürstenfeldbruck ist damit nicht verbunden.

Es steht auch noch folgende, kleingedruckte Formulierung im Formular des Verlag für Mediengestaltung:

„Behördenunabhängig – ohne öffentlichen Auftrag“

Warum das wohl so betont wird? Doch wohl deshalb, weil dieser Eindruck erweckt wurde. Und erweckt werden sollte. Auch das Amtsgericht Fürstenfeldbruck fand dazu deutliche Worte.


Häufige Namenswechsel

Der neue Name, Verlag für Printmediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG, ist nicht der erste Namenswechsel. Diese finden geradezu regelmäßig statt. Mit Fachverlag für regionale Mediengestaltung Ltd. & Co. KG hatte es im Jahr 2006 angefangen. Daraus wurde der Verlag für Mediengestaltung Ltd. & Co. KG, später dann der Verlag für Mediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG. Da muss man kein Prophet sein, um zu vermuten, dass es nicht ewig beim Verlag für Printmediengestaltung bleiben dürfte.

Auf der Homepage der Andernacher Firma ist von einem Team die Rede, das aus 12 Mitarbeitern besteht. Ob Petra Schwickert die Alleinentscheiderin ist, wissen wir nicht. Mitunter werden bei solchen Firmen Strohpuppen vorgeschoben, um die tatsächlichen Hinterleute zu schützen.


Solche Forderungen lassen sich abwehren

Viel zu viele der Betroffenen zahlen an solche Firmen, häufig, um ihre Ruhe zu haben. Und tragen so dazu bei, dass diese Art von Geschäft kein Ende findet. Doch so zustande gekommene Verträge sind angreifbar. Wegen der Art und Weise ihres Abschluss. Oder der Formulargestaltung; mit Klauseln, die man als überraschend bezeichnen kann. Und vor allem, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommt, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise mit dem Verlag für Mediengestaltung UG & Co. KG alias Verlag für Printmediengestaltung UG zustande gekommenen Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Mailen sie uns – unverbindlich – die Unterlagen; wir melden uns dann.



Update vom 25.09.2017:

Betroffene des Verlag für Printmediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG, die nicht auf dessen Zahlungsansinnen eingehen, erhalten jetzt Post von einem Inkassobüro: der Creditreform Koblenz. Man habe die Forderung des Verlages zu begleichen, heißt es darin. Und außerdem über 100 zusätzlicher Euro. Als Kosten, Gebühren und Pauschalen der Creditreform.

Wenn man ein solches Schreiben erhält, muss man tätig werden. Sonst können Nachteile bei Schufa & Co. entstehen.


Mehr zu Inkassobüros:

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]




Update vom 01.11.2018:
Die nächste Firma

Aus Andernach wurde uns die nächste Firma mit Petra Schwickert bekannt. Die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH versucht mit der selben Masche und einem fast eins-zu-eins identischem Formular an die Unterschriften von Gewerbetreibenden und Freiberuflern zu gelangen. Was die dann bis zu 8.600 Euro kosten soll.

[Zum Blog-Beitrag vom 01.11.2018 - Zweifelhafte Masche: die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH aus Andernach und ihr Werbeformular]



Informationen zum Thema "Kölner Masche":
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

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