Wie heiß muss das Badewasser werden können?

29.12.2012 – Man könnte meinen, dass in Deutschland, einem Land, in dem alles geregelt ist, ein Blick in eine Verordnung oder technische Norm Antworten liefert. Auch auf die Frage, wie heiß Badewasser in einer Mietwohnung sein muss? Da irrt man sich jedoch - das ist nicht geregelt. Die Antwort richtet sich danach, was in einem Rechtsstreit ein Richter oder eine Richterin als angenehm für sich empfinden. So in einer erst jetzt bekannt gewordenenen Entscheidung des Amtsgericht München (AG München, Urteil vom 26.10.2011 – 463 C 4744/11).

Nicht nur Vermieter, sondern auch Handwerker und Planer sollten aufhorchen.

Der Kläger war schon geraume Zeit Mieter einer Wohnung in München. Ende 2010 fiel die im Bad installierte Gastherme aus, mit der Warmwasser für Bad und Küche aufbereitet wurde. Der Defekt ließ sich nicht mehr reparieren. Die Vermieterin ließ ein neue Therme einbauen. Seitdem war dem Kläger das Badewasser zu kalt. Es kam zum Prozess. Ein Sachverständiger ließ ein Bad ein. Und stellte fest: das Wasser sei eingefüllt 41 Grad warm. Bis die Wanne gefüllt sei, würden aber 42 Minuten vergehen. In der Zeit hat sich das Wasser bereits wieder abgekühlt.

Die Vermieterin fand das in Ordnung. Eine Wassertemperatur von rund 38 Grad sei genug, meinte sie. Bei höheren Wassertemperaturen würden Herz und Kreislauf überlastet und die Haut trockene aus.

Die zuständige Richterin sah das anders und verurteilte die Vermieterin, die Warmwassertherme gegen eine andere, ausreichend dimensionierte, zu ersetzen. Wörtlich heißt es im Urteil:

„Der Einlassung der Beklagten, eine niedrigere Badetemperatur von ca. 38 Grad sei empfohlen und ausreichend, folgt das Gericht nicht, sondern sieht aus eigener Erfahrung eine Temperatur von mindestens 41 Grad für ein angenehmes Baden als erforderlich an.“

In Berlin reichen bislang übrigens 40 Grad als Warmwassertemperatur. So hatte vor einigen Jahren das Landgericht Berlin entschieden (LG Berlin, Urteil vom 28.08.2001 – 64 S 108/01 und Urteil vom 26.05.1998 – 64 S 266/97).

Der Münchener Rechtsstreit betraf zwar das Verhältnis von Mieter und Vermieter. Aber auch Handwerker und Planer sollten aufpassen und vorsorglich eher großzügig dimensionieren, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, schlecht beraten zu haben. Das betrifft insbesondere den Fall, dass ein Vermieter einen Handwerksbetrieb anruft, bittet, eine defekte Therme zu reparieren und, wenn das nicht geht, auszutauschen. Meistens hat der Vermieter nicht die technischen Kenntnisse, um beurteilen zu können, welches Ersatzgerät das Richtige ist. Hier wird der Handwerker in der Pflicht stehen, ein Gerät vorzuschlagen, das ausreichend dimensioniert ist, um Warmwasser nach der Vorstellung der Gerichte zu liefern – und im Zweifelsfall noch einen Spielraum nach oben hat, falls der nächste Richter ein Vollbad erst bei 42 Grad als angenehm empfindet.


Siehe auch:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 21.01.2019 - Berliner Urteil: Warmwasser muss nach 15 Sekunden kommen – sonst Mietminderung]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 23.09.2020 - Urteil: Wassertemperatur in Bad und Dusche darf sich nicht schlagartig ändern]



Dieser Beitrag ist im Blog „Bau-News“ erschienen.

Ihr Ansprechpartner: Claus Radziwill, Rechtsanwalt und
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Berlin

Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte

Kontakt über Telefon
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
mail [at] radziwill.info