Wieder Dirk Mayer – jetzt mit Werbeagentur24 GmbH aus CH-Wollerau

01.04.2014 – Es gibt Namen aus der „Szene“, von denen man immer wieder hört. So von Dirk Mayer, geboren 1977. Mit etlichen Geschäftsmodellen der Abzocker-Szene ist er vertraut. Derzeit ist er aktiv mit der Werbeagentur24 GmbH, deren angeblicher Sitz in CH-8832 Wollerau/Schweiz ist. Dirk Mayer ist der Geschäftsführer.

Ihre Methode entspricht der „Kölner Masche“, die so heißt, weil sie vor vielen Jahren zuerst von Kölner Betrügern verwendet wurde. Bei ihr wird wahrheitswidrig vorgegaukelt, jemand anderes zu sein, der für einen laufenden Auftrag nur noch schnell eine Unterschrift benötige.


Die Methode der Werbeagentur24 GmbH

Unter solch falscher Flagge segelt die Werbeagentur24 GmbH des Dirk Mayer. Etwa so: Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit in einer von Dritten herausgegebenen Publikation regelmäßig inseriert hatten, erhalten einen Anruf. Der Anrufer bezieht sich auf diese Anzeige. Er erklärt, es müsse ein Formular unterschrieben werden, da das Inserat sonst nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden könne. Es eile alles, wegen der Drucktermine. Tatsächlich kommt kurz darauf das angekündigte Formular per Fax. In diesem findet sich auch die bisher verwendete Anzeige. Dick und fett angekreuzt ist das Wort „Rückfax“, der Rest ist eher schlecht lesbar.

[Muster des Formulars der Werbeagentur24 GmbH]

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe – schließlich war ihnen das Fax angekündigt und erläutert worden. Sie unterschreiben und schicken es zurück. Später kommt eine Rechnung, deren Höhe die Empfänger erst einmal verwundert, bis sie schließlich feststellen, Opfer einer Betrugsmasche der Werbeagentur24 GmbH geworden zu sein. 852,00 € will sie für eine 7,2 x 7,2 cm große Anzeige haben. 25,56 € Skonto gibt es, wenn innerhalb von drei Tagen gezahlt wird. Außerdem findet sich auf der Rechnung noch die Bezeichnung „Reverse-Charge Verfahren“.

[Beispiel einer Rechnung der Werbeagentur24 GmbH]

Das Reverse-Charge Verfahren des § 13b UStG sieht vor, dass der Rechnungsempfänger selbst den zusätzlich entstehenden Mehrwertsteuerbetrag an das Finanzamt abführen muss. Das sind bei diesem Rechnungsbetrag weitere 161,88 €. Dass die Voraussetzungen des Reverse-Charge Verfahrens überhaupt gegeben sind, dürfte an sich schon zweifelhaft sein.

Wer dann den Fax-Vordruck näher liest, was gar nicht so einfach ist in Anbetracht der schlechten Qualität, stellt fest, dass es nicht um die bisher erschienene Anzeige geht. Die Werbeagentur24 GmbH hat ins Kleingedruckte geschrieben, dass sie mit der Rücksendung beauftragt wird, eine Werbeanzeige in einem „Haushaltsinformationfolder“ auszudrucken und zu verteilen. Was auch immer sich dahinter verbirgt – ein Belegexemplar ist der Rechnung nicht beigefügt.

Dieser sogenannte Folder soll nach dem Kleingedruckten auf dem Formular der Werbeagentur 24 GmbH eine Auflage von 1.000 Stück haben. Die Verteilung steht im Ermessen der Werbeagentur24. Entweder in „öffentlich zugänglichen Gebäuden“, was immer darunter zu verstehen ist, oder an „Haushalte“. Doch nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht? Dazu herrscht Schweigen im Kleingedruckten. Nur zum Verteilungsgebiet lässt sich etwas entnehmen. Das beispielsweise eine Verteilung im Postleitzahlengebiet 61 erfolgen soll – die Orte liegen bis zu 80 km auseinander. Ein Werbeeffekt ist damit nicht gegeben.

Wer glaubt, wenn er zahlt, würde er seine Ruhe haben, hat sich getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular wird man innerhalb eines Jahres insgesamt viermal zur Kasse gebeten. 3.408,00 € will die Werbeagentur24 GmbH also haben. Hinzu kommen weitere 647,52 € MwSt.

So zustande gekommene Verträge sind alleine schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der von der Werbeagentur24 GmbH geschuldeten Leistung unwirksam. Auf die Art und Weise, wie die Unterschriften unter dem Formular ergattert wurden, kommt es gar nicht mehr an.

Bei einer Firma, die behauptet, in der Schweiz zu sitzen, vermutet man, dass Zahlungen auf das Konto einer schweizerischen Bank zu leisten sind oder zumindest einer deutschen Bank, die in der Schweiz auch eine Filiale hat. Anders bei der Werbeagentur24 GmbH - was auch dafür sprechen dürfte, dass dort außer einem Briefkasten nicht viel von ihr zu finden sein wird. Sie gibt ein Konto bei der Sparkasse Rhein-Nahe an. Vom schweizerischen Ort Wollerau sind das etwa 440 km. Die Gegend um Bad Kreuznach ist ein El Dorado von Firmen, die versuchen, mit der Kölner Masche an das Geld ihrer Opfer heranzukommen. Hier sitzen die Hinterleute. Einen Schweizer Geschäftssitz anzugeben, kann nützlich sein, wenn man sich vor Nachfragen deutscher Behörden schützen will. Auch mit anderen Firmen wird zu diesem Trick gegriffen: so haben wir in diesem Jahr über die Argosmedia Ltd. berichtet, die angeblich in London sitzt, deren Spur aber nach Bad Kreuznach führt.

[Zum Blog-Beitrag vom 06.01.2014: Argosmedia Ltd. – Pseudo Londoner Firma mit Betrugsmasche]
[Zum Blog-Beitrag vom 10.03.2014: Argosmedia Ltd. - die Spur führt nach Bad Kreuznach]

Zudem gibt es einen kleinen Nebeneffekt einer schweizerischen GmbH-Gründung: das geht mit weniger Stammkapital als bei einer deutschen GmbH. Dirk Mayer ist nicht nur Geschäftsführer der Werbeagentur24 GmbH, sondern auch deren alleiniger Gesellschafter. Er hat die Werbeagentur24 GmbH mit 20.000 CHF ausgestattet, das sind etwa 16.000 €. In Deutschland wären 25.000 € erforderlich.


Dirk Mayer und die Allgemeine Gewerbeverwaltung Industrie, Handel und Gewerbe e.K

Die Werbeagentur24 GmbH ist nicht das einzige Vorhaben, das mit Dirk Mayer in Verbindung steht. Er wurde uns zuerst bekannt als Inhaber der Berliner Firma „Allgemeine Gewerbeverwaltung Industrie, Handel und Gewerbe e.K.“. Firmen, die im Handelsregister eine Neueintragung oder eine Änderung vorgenommen hatten, erhielten von ihm eine Rechnung über 442,68 €, der ein Überweisungsvordruck beilag. Die Rechnung ähnelte nach der Aufmachung einer Behörden-Rechnung. Die Empfänger sollten glauben, dass es sich um die amtlichen Gebühren für den Handelsregistereintrag handelt. Tatsächlich hatte die Allgemeine Gewerbeverwaltung damit nichts zu tun, sondern bot im „Kleingedruckten“ an, den Text in einem privaten Register des Dirk Mayer im Internet zu veröffentlichen.

[Zum Blog-Beitrag vom 21.09.2011]

Derartige Geschäftsmethoden gelten in der Strafjustiz als Betrug und führten schon wiederholt zu Verurteilungen. Dirk Mayer bekam wohl noch rechtzeitig die Kurve, er löschte diese Firma.


Dirk Mayer und die GAV Gewerbeanzeiger Verlags GmbH

Sofort machte er mit der „GAV Gewerbeanzeiger Verlags GmbH“ weiter. Die hatte sich dem Adressbuchschwindel verschrieben: an Geschäftsleute wurden Vordrucke versandt; auf amtlich wirkendem Papier, wo bereits die Firmendaten und ein Barcode eingetragen waren. Die Empfänger wurden aufgefordert, die Daten zu prüfen und das Formular zurück zu senden. Versteckt im Kleingedruckten hieß es, dass dann für zwei Jahre für einen Eintrag in einem privaten Internetverzeichnis insgesamt 1.685,04 € fällig werden. Viele fielen darauf herein.

Später begann Dirk Mayer sich mit dieser Firma auf die Zielgruppe der Ärzte zu spezialisieren. Dann wurde ihm wohl auch dieses Geschäft zu heikel. Er gab gegenüber dem Handelsregister an, von Berlin in die Schweiz umgezogen zu sein und diese Firma im November 2012 aufgelöst zu haben. Was ihn allerdings nicht hinderte, noch im Sommer 2013 mit Hilfe eines Inkassobüros zu versuchen, für diese nicht mehr existente Firma an das Geld Betroffener heran zu kommen.

[Zum Blog-Beitrag vom 04.06./16.07.2013: GAV Gewerbeanzeiger Verlags GmbH – ein Untoter will ans Geld]


Verträge mit der Werbeagentur24 GmbH sind angreifbar

Nun ist Dirk Mayer also mit der „Kölner Masche“ aktiv. Ob als Strohmann der Bad Kreuznacher „Szene“-Größen? Oder als jemand, der dorthin eine „Gebühr“ zahlen muss? Dafür, dass er dieses Geschäftsmodell nutzt?

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise der Werbeagentur24 GmbH aus CH-8832 Wollerau/Schweiz erteilten Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühstmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte
Kontakt über Telefon
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
mail [at] radziwill.info