Wieder die Kanaren-Connection: die Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. mit dbm-online.com

23.07.2015 mit diversen Updates, zuletzt vom 01.12.2017 - Im Vergleich zu den Vorjahren war es in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden um die deutsche Betrügerszene, die von den steuerbegünstigten Kanarischen Inseln mit der Doppel-Anruf-Masche an das Geld von Gewerbetreibenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz will. Ermittlungen gegen diese Kanaren-Connection wurden bekannt. Doch ganz will man das einträgliche Geschäftsmodell noch nicht aufgeben.

Ein neuer Name ist aus San Bartolome de Tiranja, einem Ort auf der spanischen Kanaren-Insel Gran Canaria, aufgetaucht. Eine Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. ergaunert Aufträge für einen Eintrag in ihrem privatem Internetverzeichnis dbm-online.com. Eine ordentliche Stange Geld sollen anschließend die Hereingelegten zahlen.

Nach außen treten als Gesellschafter beziehungsweise Geschäftsführer der Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. Dagmar Irmgard Christ und Klaus Otto Kremer auf.


Viel Geld für kaum mehr als Nichts

Das Geschäftsmodell mit der Doppelanruf-Masche, funktioniert so oder so ähnlich:

Ein Cold-Call, also ein Spam-Anruf kommt, der Anrufer sitzt in einem Call-Center und hat ein recht resolutes Auftreten: es ginge um den Branchenbucheintrag der angerufenen Firma in .…. – dann folgt ein Name. Der wäre bislang kostenlos gewesen und weil er nicht gekündigt wurde, müsste jetzt gezahlt werden; man wolle die Daten abgleichen. Oder es wird auf eine Art Premium-Eintrag verwiesen – jetzt koste der Geld. Den Einwand, derartiges sei nicht bekannt, kennt der Anrufer schon aus voran gegangenen Telefonaten bei anderen Firmen. Bestimmt und deutlich wird entgegnet, das sei aber so registriert und man hätte nur die Möglichkeit, jetzt für – meistens wird ein halbes oder ein ganzes Jahr genannt - zu bezahlen oder aber für einen länger laufenden Eintrag, der wäre aber teurer. Dabei wird auch schon mal angeschnauzt: das man doch von jemandem im Geschäftsleben ein besseres Gedächtnis erwarten könne. Dass tatsächlich vorher keine Geschäftsverbindung bestand, wird für die Angerufenen nicht sofort deutlich. Sie glauben schließlich, in der Hektik des Geschäftsalltags etwas übersehen zu haben und jetzt noch am besten davon zu kommen, wenn sie die vermeintlich günstigste Möglichkeit wählen. In einem zweiten Telefonat lassen sich die Firmen dann den Vertragsschluss bestätigen. Dieses Telefonat wird aufgezeichnet. Als Begründung wird das deutsche Fernabsatzgesetz genannt – das es seit mehr als zehn Jahren schon nicht mehr gibt. Die Daten werden so abgefragt, dass die Antworten „ja“ lauten.

Für ihre Internetseite dbm-online.com akquiriert jetzt die Firma Deutsches Branchenmagazin SL mit der Doppel-Anruf-Masche.

Überschrieben ist die Seite mit den Worten „Ihr zuverlässiger Partner für die Suche von Firmen und Branchen in Ihrer Nähe“. Weit her ist es damit aber nicht. Machen Sie selber einmal den Test mit dbm-online.com – ein zuverlässiges Branchenverzeichnis sieht anders aus. Überhaupt: wir können nicht erkennen, dass dieses selbsternannte Deutsche Branchenmagazin auf dbm-online.com beworben wird. Die Folge: niemand kennt es. Noch zurückhaltend formuliert: eine adäquate Gegenleistung erhält man für sein Geld nicht. Soll aber ordentlich zahlen. 298 EUR für einen sechsmonatigen Eintrag unter dbm-online.com, maximal 3% Skonto kann man in Abzug bringen. Ein Empfänger-Konto bei der Santander Bank wird genannt. Zusammen mit der Rechnung erhält man auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen - AGB; derzeit mit Stand vom 01.06.2015.

[Beispiel einer Rechnung der Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. für dbm-online.com mit AGB]


Eine Wegwerf-Firma

Die Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. ist seit dem 11.03.2015 in Las Palmas registriert. SL steht für Sociedad de responsabilidad limitada, was sich am ehesten mit einer deutschen GmbH vergleichen lässt. Mit einem Stammkapital von gerade einmal 3.020 EUR gehört sie zu den Wegwerf-Firmen. Solchen, derer man sich schnell entledigen kann, wenn es bedrohlich wird – ohne dass dann ein großer Kapitalverlust schmerzt.

Die Internetseite dbm-online.com ist nur zwei Tage älter. Sie wurde am 09.03.2015 registriert.


Kein unbeschriebenes Blatt

Irmgard Christ Dagmar ist kein unbeschriebenes Blatt. In den spanischen Registern ist sie derzeit auch als Liquidatorin der GGSO-Branchenverzeichnis SL eingetragen. Die GGSO-Branchenverzeichnis SL aus Gran Canaria war schwerpunktmäßig in den Jahren 2012 und 2013 mit der Doppel-Anruf-Masche auf Opferjagd in Deutschland. Später meldete sich bei denen, die nicht zahlten, sich aber auch nur schlecht – oder gar nicht – gegen die Forderung der Firma verteidigten, ein alter Bekannter aus der Abzockerszene: das Inkassounternehmen National Inkasso GmbH aus Düsseldorf.

Seit dem 14.05.2013 ist Irmgard Christ Dagmar auch als Geschäftsführerin der Canary Pages Atlantico SL registriert. Als „Das Firmenverzeichnis der Kanarischen Inseln“ tritt man nach außen auf.

Wir schätzen nach unserem derzeitigen Erkenntnisstand Irmgard Christ Dagmar und Otto Kremer Klaus nicht als die wirklichen Entscheider der Firma Deutsches Branchenmagazin SL ein. Nur als diejenigen, die dringend etwas Geld brauchen – und sei es auf solche Art und Weise. Die wahre Herrschaft vermuten wir in Deutschland, im Raum Ostwestfalen. Dort, wo man derzeit etwas vorsichtiger agiert – weil die Einschläge in Form von Ermittlungsverfahren bedrohlich nahe kommen.


Weitere Anrufe drohen

Bei Firmen, die mit diesem Geschäftsmodell arbeiten, ist es üblich, eine Zweit- und Drittverwertung der besonderen Art zu versuchen. Sprich: wenn es gelungen ist, jemanden hereinzulegen, wird es bald darauf wieder versucht. Wieder mit gleicher Machart, mitunter wird ein anderer Firmenname genannt. Häufig aber trickreicher. Dann wird zum Beispiel erklärt, beim letzten Mal sei das Telefonat fehlerhaft aufgenommen worden. Oder: man hätte vergessen, eine automatische Kündigung aufzunehmen. Bei der Wiederholung wird ein anderer Firmenname untergeschoben, der sich ähnlich anhört. So etwas fällt erst einmal nicht weiter auf.


Eine Forderungsabwehr ist möglich

Viele schämen sich, herein gelegt worden zu sein. Sie zahlen. Und halten so dieses ganz spezielle Business seit Jahren am Laufen.

Doch bei richtiger Abwehrstrategie muss sich vor einer auf diese Weise ergatterten Forderung der Firma Deutsches Branchenmagazin S.L. aus Gran Canaria niemand fürchten. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.

Sollten Sie weitere Anrufe derartiger Firmen erhalten, empfehlen wir, die bürgerlichen Höflichkeitsformen hinten anzustellen. Legen Sie einfach kommentarlos auf! Diese Sprache versteht man in der Abzocker-Szene. Irgendwann hört man dann auf.



Update vom 06.08.2015:

Die Firma Deutsches Branchenmagazin SLU versucht jetzt die Opfer ihrer Masche mit einem Insidern der Branchenbuch-Szene bekannten Inkassobüro einzuschüchtern. Der SPIEGEL Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH, in Kurzform SPIEGEL, aus dem hessischen Lampertheim. Mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hat das Inkassobüro nichts zu tun. 480,91 EUR werden dann beispielsweise verlangt. Zu zahlen auf ein Konto bei der Kreissparkasse Kaiserslautern.

[Beispiel eines Aufforderungsschreibens von SPIEGEL INKASSO in Sachen Deutsches Branchenmagazin SLU]

Darin heißt es dann auch, dass man Informationen zum bisherigen Zahlungsverhalten und zu Bonitätsinformationen auf Basis mathematisch-statistischer Verfahren bezieht. Womit man wohl andeuten will, dass es die Bonität beeinflussen könne, wenn man die Forderung nicht bezahlt. Was so direkt zwar nicht stimmt. Allerdings wird man spätestens dann, wenn sich ein Inkassounternehmen einschaltet, die Forderung abwehren müssen, da sonst tatsächlich die Gefahr eines negativen Schufa-Eintrages bestehen kann.

Auch die mit dem gleichen Geschäftsmodell der Doppel-Anrufe arbeitenden Firmen BVO Branchenverzeichnis S.L, sie nennt sich jetzt IBV Internetbranchenverzeichnis Deutschland SL, DBV Online S.C.P. Geld und der Gewerbeverlag Online, Inhaber M. Hendrichs wurden bislang schon von Spiegel Inkasso vertreten. Wir hatten darüber in etlichen Blog-Beiträgen berichtet.




Update vom 03.02.2016:
Jetzt droht auch Anwalt Rudolph

Rechtsanwalt Bernd Rudolph von der RR Rechtsanwaltskanzlei Bernd Rudolph aus 68623 Lampertheim soll jetzt für die Firma Deutsches Branchenmagazin SLU das Geld von den Betroffenen eintreiben. Von seiner Zweigniederlassung in 67655 Kaiserslautern werden Briefe verschickt. "Dies ist die letzte außergerichtliche Zahlungsaufforderung" heißt es darin. Innerhalb von 14 Tagen solle das Geld fließen. Aus einer Forderung von beispielsweise 298,00 EUR sind in solchem Schreiben schon einmal 454,42 EUR geworden. "Sofern Sie auch dieses Schreiben ignorieren und die vorgenannte Zahlungsfrist verstreichen lassen, bin ich beauftragt, das gerichtliche Mahnverfahren gegen Sie einzuleiten", wird weiter gedroht.

Dem Schreiben ist auch ein Ratenzahlungsvordruck beigefügt: "Falls Sie die [...] Forderung nicht in einer Summe zahlen können". Nach Art der Szene enthält er eine Falle. Wer unterschreibt, erkennt an, die Forderung zahlen zu müssen: "[...] ausdrücklich zur Begründung einer selbständigen, vom ursprünglichen Rechtsgrund unabhängigen Verbindlichkeit". Danach kann man sich nicht mehr damit verteidigen, dass eine solcherart zustande gekommene Forderung der rechtsunwirksam ist.

Wer solche Schreiben von Anwalt Rudolph erhält, wird sich gegen die Forderung der Firma Deutsches Branchenmagazin SLU wehren müssen. Sich zu ducken, in der Hoffnung, das Unheil würde dann über einen hinweg fliegen, dürfte nicht gelingen.



Update vom 09.05.2016:

Der Firma Firma Deutsches Branchenmagazin SLU und ihren Geschäftsführern Dagmar Irmgard Christ und Klaus Otto Kremer gefällt dieser Blog-Beitrag nicht. Aus einem Schreiben Ihres Rechtsanwalts:

"Darüber hinaus sind Ihre Behauptungen in höchsten Maße geschäftsschädigend und erfüllen in Bezug auf die Geschäftsleitung die Tatbestände der Verleumdung und der üblen Nachrede.

Wegen Ihres Verhaltens mahne ich Sie namens und in Vollmacht meiner Mandantschaft ausdrücklich ab. Des weiteren fordere ich Sie auf, sämtliche Inhalte in Bezug auf meine Mandantin und deren Geschäftsführer bis längstens 20. Mai 2016 auf Ihrer Internetseite vollständig zu löschen."




Update vom 01.12.2017:
Neuer Name

2017 hat man sich umbenannt. Jetzt tritt man als Deutsche Gewerbeeintrage SL (kein Vertipper!) auf. Weiterhin mit der Doppel-Anruf-Masche. Betroffene sollen für einen auf diese Weise ergatterten Auftrag über einen Brancheneintrag auf der Internetseite deutschegewerbeeintrage.com zahlen.

[Zum Blog-Beitrag vom 01.12.2017 - Kanaren-Connection immer noch aktiv: jetzt als Deutsche Gewerbeeintrage SL mit deutschegewerbeeintraege.com]





Das sogenannte Deutsche Branchenbuchmagazin Online ist nicht zu verwechseln mit dem Deutschen Branchenbuch Online. Eigentlich aber schon: gleiche Masche mit zwei Anrufen. Hier wie dort wird viel Geld verlangt für wenig Gegenleistung. Und beide Male führen die Spuren nach Ostwestfalen.

[Zum Blog-Beitrag vom 01.07.2015: Online Branchen Verlag Ltd. und Michael Kemner – mit Trickanrufen auf Kundenfang für dbbonline.de]


Mehr zur Doppel-Anruf-Masche:

[Der Trick mit der Doppel-Anruf-Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]


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