Wieder die Kanaren-Connection: Kleinanzeigen Online SL mit gewerbe-anzeigen.com

30.04.2018 mit Update vom 28.10.2018 – Immer noch gibt es Gauner, die von den steuerbegünstigten Kanarischen Inseln mit der Doppel-Anruf-Masche an das Geld von Gewerbetreibenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen wollen.

[Mehr zur Doppel-Anruf-Masche]

Zwar scheinen die Zeiten vorbei zu sein, als es von dort aus eine gefühlte halbe Hundertschaft von Betrügerfirmen versuchte. Doch eine unverdrossene Nachhut will das einträgliche Geschäftsmodell nicht aufgeben und einige Nachwuchsganoven versuchen, es den Altvorderen nach zu machen.

Aus Las Palmas auf der Insel Gran Canaria ist uns ein neuer Name bekannt geworden. Eine Kleinanzeigen Online SL mit ihrem Geschäftsführer Marko Lehmann versucht per Telefon Aufträge für einen Eintrag in dem Internetverzeichnis gewerbe-anzeigen.com zu ergattern. Und will an das Geld der Betroffenen.


Ein Trickanruf kommt

Das Geschäftsmodell mit der Doppelanruf-Masche, wird uns so oder so ähnlich berichtet:

Ein Cold-Call, also ein Spam-Anruf kommt. Der Anrufer sitzt in einem Call-Center, manchmal auch Ein-Mann-Büro, weil die anderen Call-Center-Agents gemerkt haben, für was sie missbraucht werden. Er hat ein recht resolutes Auftreten: es ginge um den Branchenbucheintrag der angerufenen Firma in .…. – dann folgt ein Name. Der wäre bislang kostenlos gewesen und weil er nicht gekündigt wurde, müsste jetzt gezahlt werden; man wolle die Daten abgleichen. Oder es wird auf eine Art Premium-Eintrag verwiesen – jetzt koste der Geld. Den Einwand, derartiges sei nicht bekannt, kennt der Anrufer zur Genüge schon aus voran gegangenen Telefonaten bei anderen Firmen; schließlich gab es zuvor noch nie eine Geschäftsbeziehung. Bestimmt und deutlich wird entgegnet, das sei aber so registriert und man hätte nur die Möglichkeit, jetzt für – meistens wird ein halbes oder ein ganzes Jahr genannt - zu bezahlen oder aber für einen länger laufenden Eintrag, der wäre aber teurer. Dabei wird auch schon mal angeschnauzt: das man doch von jemandem im Geschäftsleben ein besseres Gedächtnis erwarten könne. Dass tatsächlich vorher keine Geschäftsverbindung bestand, wird für die Angerufenen nicht sofort deutlich. Sie glauben schließlich, in der Hektik des Geschäftsalltags etwas übersehen zu haben und jetzt noch am besten davon zu kommen, wenn sie die vermeintlich günstigste Möglichkeit wählen.

In einem zweiten Telefonat lassen sich die Firmen dann den Vertragsschluss bestätigen. Dieses Telefonat wird aufgezeichnet. Als Begründung wird das deutsche Fernabsatzgesetz genannt – das es seit mehr als zehn Jahren schon nicht mehr gibt. Oder – man sei ja schließlich Deutsch – verweist auf das Nonsens-Argument „Der guten Ordnung halber“. Die Daten werden so abgefragt, dass die Antworten stets „ja“ lauten.


Absolut keine Gegenleistung

Wenn die erste Rechnung kommt, bemerken die Betroffenen meist den Schmu der Kleinanzeigen Online SL 299 EUR sollen sie für einen sechsmonatigen Eintrag unter gewerbe-anzeigen.com zahlen. Innerhalb von 10 Tagen auf ein Konto der in der Abzockerszene offenbar beliebten Caixa-Bank in Barcelona. Bei einer Zahlung innerhalb von fünf Tagen kann man sich 3% Skonto abziehen. „Umsatz im Inland nicht steuerbar“, heißt es. Na ja!

Später wird mit Mahnungen und allerletzten Mahnungen ein Druck-Szenario aufgebaut.

Das Internetverzeichnis gewerbe-anzeigen.com schafft es, die meisten vergleichbaren Verzeichnisse der "Szene" auf der nach unten offenen Skala noch zu toppen. Sowohl vor drei Tagen, als auch heute suchten wir die Seite auf. Man konnte nichts suchen. Nichts finden. Absolut nichts funktionierte.

Überhaupt können wir nicht erkennen, dass die Seite gewerbe-anzeigen.com beworben wird. Man kennt sie deshalb nicht. Jeder Cent, den man dafür an die Kleinanzeigen Online SL zahlt, ist in Anbetracht dieser Gegenleistung einer zuviel.


Eine Wegwerf-Firma

Die Firma Kleinanzeigen Online SL ist seit dem 21.09.2017 als Neugründung im Handelsregister von Las Palmas registriert. Mit einem Stammkapital gerade einmal 3.000 EUR gehört die sie zu den Wegwerf-Firmen. Solchen, derer man sich schnell entledigen kann, wenn es bedrohlich wird – ohne dass dann ein großer Kapitalverlust schmerzt.

Der im Handelsregister eingetragene Gesellschaftszweck ist weit gespannt: "Agencias de publicidad. Venta de espacios publicitarios en lapágina web. La promoción, construcción, reforma, explotación, administración de viviendas, bungalows" [Werbeagenturen. Verkauf von Werbeflächen auf der Website. Entwicklung, Bau, Sanierung, Betrieb, Hausverwaltung, Bungalows], liest man. Einen derartigen Geschäftszweck findet man nahezu wortgleich auch bei anderen Firmen der kanarischen Abzocker-Szene.

Die Internetseite gewerbe-anzeigen.com wurde am 30.09.2017 registriert. Offizieller Inhaber ist ein US-amerikanischer Anonymisierer aus Scottsdale/Arizona. Eine in dieser Geschäftswelt weit verbreitete Vorgehensweise, wenn man Namen verschleiern möchte.

Der im Handelsregister eingetragene Marko Lehmann war uns bislang in dieser speziellen Geschäftswelt noch nicht aufgefallen. Ob er der wirkliche Entscheider ist der Firma wissen wir nicht. Häufig wird ein williges Strohpüppchen vorgeschoben, um die Hinterleute zu schützen. Wenn die dann nach einiger Zeit auf und davon sind, fällt den Strohpüppchen für sie unerwartet noch die Aufgabe zu, den spanischen Finanzbehörden zu erklären, dass Steuerzahlungen nicht zu erwarten sind.


Solche Forderung lässt sich abwehren

Das Geschäftsmodell der Doppel-Anruf-Masche hält sich seit vielen Jahren. Viel zu viele zahlen nämlich, selbst nachdem sie merken, um was es wirklich geht. Um ihre Ruhe zu haben. Und halten so dieses ganz spezielle Business am Laufen.

Forderungen der Kleinanzeigen Online SL aus solcherart zustande gekommenen Verträgen für einen Eintrag unter gewerbe-anzeigen.com lassen sich aber angreifen. Je früher desto besser. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns erst einmal – unverbindlich – Ihre Unterlagen. Wir melden uns dann.


Seien Sie unhöflich!

Und immer wieder ist aufs Neue festzustellen: wenn es einer Firma gelang, mit dem Doppel-Anruf an einen Auftrag zu kommen, ist der nächste nicht weit. In den AGB der Kleinanzeigen Online SL wird das sogar recht unverblümt angekündigt:

„Der Kunde erklärt sich damit einverstanden, dass die Kleinanzeigen Online S.L. ihn künftig anrufen darf, um ihm Leistungen im Bereich der Onlinewerbung, Einträge auf Webseiten, Zusatzleistungen, Suchmaschinenoptimierung und Maßnahmen zur Verbesserung des Rankings in Suchmaschinen vor zustellen.“

Da hilft nur eines: drücken Sie konsequent solche Anrufe kommentarlos weg. Lassen Sie sich nicht auf ein Gespräch ein.



Update vom 28.10.2018:
Ein Inkassobüro kommt

Betroffene der Kleinanzeigen online S.L. erhalten jetzt Post vom nächsten Inkassobüro: der National Inkasso GmbH aus 40591 Düsseldorf. Alles sei rechtmäßig. Deshalb müsse man zahlen. Sonst werde man dem "Auftraggeber empfehlen, die Forderung unverzüglich gerichtlich geltend zu machen", heißt es.

Kennern der "Szene" ist die National Inkasso GmbH bekannt. Sie vertrat in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl von Firmen, die mit der Doppel-Anruf-Masche arbeiten.

Wenn ein Inkassobüro wie die National Inkasso GmbH sich meldet, wird man sich wehren müssen. Sonst können Nachteile bei Schufa & Co drohen.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]





Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]




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