Wieder einmal aus Bad Kreuznach: Anzeigen für "Umgebungskarten" der Pro City Consulting UG

10.01.2018 mit diversen Updates, zuletzt vom 31.08.2021 – Geburt und Tod sind Zyklen des Lebens. Auch in der Businesswelt von Bad Kreuznach, einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt. Dort tummelt sich eine Hundertschaft von Firmen, die sich einem besonderen Geschäft mit Werbeanzeigen verschrieben haben. Und deren Namen kommen und gehen.

Jetzt ist uns eine Pro City Consulting UG (haftungsbeschränkt) bekannt geworden. Aus der Reinhessenstraße 16a in 55545 Bad Kreuznach versucht sie mit ihrem Geschäftsführer, dem laut Handelsregister 1958 geborenen Michael Blume, an Unterschriften von Gewerbetreibenden und Freiberuflern unter einem Auftragsformular zu gelangen. Die sollen dann viel Geld für Anzeigen auf sogenannten „Umgebungskarten“ zahlen.

Doch so, wie es die Pro City Consulting UG versucht, kommen keine wirksamen Verträge zustande.


Ein geschäftstüchtiger Außendienstler erscheint

Gewerbetreibende und Freiberufler in ganz Deutschland werden von einem Außendienstler der Pro City Consulting UG aufgesucht. Aus Sicht der Pro City Consulting UG macht er seine Sache gut, wenn er den Ort mit einer Unterschrift unter einem Anzeigenvertrag verlässt.

Unabhängig davon, wie die Pro City Consulting UG es schaffte, die Unterschriften unter ihr Werbeformular zu ergattern; es ist damit kein wirksamer Vertrag zustande gekommen. Wie wir Juristen dazu sagen: es mangelt an den essentialia negotii.


Kein wirksamer Vertrag

Die Anzeigenaufträge an die Pro City Consulting UG sollen auf einer Umgebungskarte erscheinen. Von "insgesamt mindestens 150 Stellen" ist in den Auftragsbedingungen auf der rechten Seite die Rede, an denen sie verteilt werden sollen. Als Gemeinschaftswerbung. Die Karte soll durch die Pro City Consulting UG verteilt werden. Aber wo? Das Kleingedruckte des Formulars hilft nicht weiter:

„Die Verteilung erfolgt gewöhnlich im Umkreis von bis zu 100 km zum Sitz der teilnehmenden Werbekunden.“

Was soll „gewöhnlich“ heißen. Und außerdem: ein Umkreis von 100 km entspricht einem Durchmesser des Verteilungsgebietes von 200 km. Was soll das dann für eine „Umgebung“ auf der Karte sein? Sie wäre größer als die meisten deutschen Bundesländer. Wo bleibt da der geschuldete Werbeerfolg?

Und an wen soll sie verteilt werden? Wieder aus dem Formular:

„Vorgesehene Auslieferungsstellen sind die Inserenten, Einzelhandelsgeschäfte, Handwerk, Banken sowie öffentliche Einrichtungen und Behörden.“

Doch nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl?

Unklar geht es weiter. Es ist noch nicht einmal der Erscheinungszeitpunkt der Karte eindeutig geregelt:

„Veröffentlichungszeitpunkt ist ca. alle 6 Monate, gerechnet ab dem Eingang des letzten zur Serie gehörenden Auftrages beim Verlag.“

Übersetzt heißt das: wir warten in aller Ruhe ab, bis wir irgendwann soviele Unterschriften haben, dass es sich richtig lohnt. Und dann lassen wir uns immer noch ein halbes Jahr Zeit. Vielleicht („circa“) auch ein bisschen länger.

Etwas taugen muss die „Umgebungskarte“ auch nicht. Vor allem muss sie nicht richtig sein:

„Durch ständige bauliche Veränderungen der Städte und Gemeinden, sowie der umliegenden Infrastruktur und Umbenennung von Straßen kann der Verlag keine Gewähr für die aktuelle Richtigkeit und Vollständigkeit der Karten übernehmen.“

[Beispiel eines Anzeigenformulars der Pro City Consulting UG]


Ein eins-zu-eins-bekanntes Auftragsformular

Kennern dieser speziellen Werbeszene wird das Auftragsformular der Pro City Consulting UG Regiokart bekannt vorkommen. Es entspricht nahezu eins-zu-eins, dem Formular der Regiokart Regionale Kartographien aus 65189 Wiesbaden. Über diese Firma und ihren Geschäftsführer Fritz Jürgen Hehn hatten wir bereits in unserem Blog berichtet.

[Zum Blog-Beitrag vom 24.01.2017 - Kein Schnäppchen: Anzeigen auf "Umgebungskarten" der Regiokart Regionale Kartographien GmbH]

Vergleichen Sie einmal selber die Formulare:

[Beispiel eines Anzeigenformulars der Firma Regiokart Regionale Kartographien GmbH]

Ungewöhnlich ist so etwas in dieser speziellen Geschäftswelt, in der im Hintergrund vieles mit allem zusammen hängt, nicht.


Viel Geld wird gefordert

Bald nachdem die Unterschrift geleistet wurde, kommt schon die Rechnung. Das Geld soll auf ein Konto bei der Commerzbank AG Bad Kreuznach gehen.

Viel Geld, in Anbetracht der dürftigern Gegenleistung, soll man zahlen. Doch dabei bleibt es nicht. Ausgehend von dem Kleingedruckten auf dem Auftragsformular erscheint die sogenannte Umgehungskarte zweimal im Jahr („circa alle 6 Monate“). Bei einer je nach Vereinbarung bis zu dreijährigen Laufzeit und zwei Auflagen pro Jahr werden das sechs Rechnungen. Manchmal aber noch mehr. In den Auftragsbedingungen findet sich vorgedruckt folgende Klausel:

„Der Vertrag verlängert sich jeweils um ein weiteres, wenn er nicht spätestens drei Monate vor Vertragsablauf gekündigt wird.“

Wer nicht zahlt, erhält etliche Zahlungsaufforderungen, Mahnungen und allerletzte Mahnungen.


Wegwerf-Firma aus Bad Kreuznach

Die Pro City Consulting UG wurde am 17.03.2017 in das Handelsregister des Amtsgericht Bad Kreuznach (HRB 22506) eingetragen. Mit einem Stammkapital von gerade einmal 500 EUR gehört sie zur Gruppe der Wegwerffirmen. Solcher Firmen kann man sich schnell entledigen, ohne dass der Verlust von Stammkapital allzu schmerzt.


Solche Forderungen lassen sich abwehren

Viel zu viele der Betroffenen zahlen. Einige, weil sie bis zum Schluss nichts merken. Andere, um ihre Ruhe zu haben. Und tragen so dazu bei, dass solche Werbegeschäfte kein Ende finden. Doch so zustande gekommene Verträge sind angreifbar.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise mit der Pro City Consulting UG zustande gekommenen Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen sie uns – unverbindlich – die Unterlagen; wir melden uns dann.



Update vom 30.04.2018:
Ein Inkassobüro taucht auf

Nach etlichen Mahnungen erhalten die Betroffenen der Pro City Consulting UG jetzt auch Post von einem Inkassobüro. Die AktivaInkasso GbR Ass. jur. Eliane Becker-Lerner aus Bad Kreuznach fordert zur Zahlung auf. Um 150 EUR hat sich die Forderung erhöht. Die AktivaInkasso ist für uns keine Unbekannte, In der Vergangenheit vertrat sie regelmäßig einschlägige Werbefirmen aus dem Raum Bad Kreuznach.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]



Update vom 13.12.2018:
Neuer Geschäftsführer, neues Konto

Wir schrieben bereits, dass das Auftragsformular der Pro City Consulting UG nahezu eins-zu-eins dem Formular der Regiokart Regionale Kartographien aus 65189 Wiesbaden mit ihrem Geschäftsführer Fritz Jürgen Hehn entspricht. Mittlerweile ist der 1963 geborene Hehn auch Geschäftsführer der Pro City Consulting. Michael Blume schied aus.

Eines der großen Probleme der Firmen, über die wir regelmäßig in unserem Blog berichten, ist die Bankverbindung Konto. Häufen sich Beschwerden, kündigen Banken recht schnell das Konto. In der Biographie eines früher für die Abzocker-Szene tätigen Anwalts las sich das so:

"Wenn ich keine Konten hatte, dann konnte ich den Schuldnern auch nicht mitteilen, wohin sie ihr Geld überweisen sollten. Wenn man nicht überweisen konnte, dann kam auch nichts rein. So einfach war der Käse.“

[Zum Blog-Beitrag vom 24.07.2012: Die toten Ratten eines Abzockeranwalts – drei Lehren für den Kampf]

Was der Grund dafür ist, dass die Pro City Consult UG nicht mehr die Commerbank AG Bad Kreuznach angibt, wissen wir nicht. Im Dezember 2018 wurde jedenfalls auf Rechnungen ein Konto der Sparkasse Rhein-Nahe genannt.



Update vom 29.01.2020:
Auf nach Berlin

Der Schmu ist umgezogen. Offiziell residiert die Pro City Consulting UG jetzt in 10117 Berlin, Friedrichstrasse 90. Dafür, dass man dort außer einem Briefkasten noch jemanden von dieser Firma antrifft, würden wir allerdings keine große Wette eingehen wollen. Fritz Jürgen Hehn ist weiterhin Geschäftsführer geblieben.

Die Pro City Consulting UG hat bei dieser Gelegenheit auch das Handelsregister gewechselt. Sie ist jetzt eingetragen beim Berliner Amtsgericht Charlottenburg (HRB 210982 B).



Update vom 311.08.2021:
Sie lebt noch

Im Sommer 2021 fiel uns die Pro City Consult UG wieder auf. Mit Hilfe des Inkasso-Unternehmens AktivaInkasso aus Bad Kreuznach will man an das Geld Betroffener gelangen. 12,5% (!) Verzugszinsen fordert man von ihnen.




Der vormalige Geschäftsführer Michael Blume ist immer noch im Geschäft. Jetzt mit einer neuen Firma: Verlagsservice MBH UG (haftungsbeschränkt).

[Zum Blog-Beitrag vom 12.05.2019: Mit Kölner Masche: die Verlagsservice MBH UG aus Eschwege. Oder doch Bad Kreuznach?]



Mit der "Kölner Masche", der Spezialität einer Vielzahl von Bad Kreuznacher Werbefirmen, befasst sich ein Beitrag:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]



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