Die Tricks der Print Media Marketing s.r.o. aus Bratislava

01.03.2019 mit Update vom 10.10.2019 – Früher führten die Werbefirmen, über die wir in unserem Blog berichten, gerne die Wortbestandteile „Gelb“ und „Branchen“ in ihrem Namen. Das hat sich geändert. Jetzt sind es „Media“ und „Print“.

Print Media Marketing s.r.o. heißt eine Firma, die angeblich in der slowakischen Hauptstadt Bratislava sitzt. Trickreich versucht sie an Anzeigenaufträge von deutschen Gewerbetreibenden heran zu kommen. Für die dann viel Geld verlangt werden. Ohne adäquate Gegenleistung.

Prüft man im slovakischen Handelsregister, wird als Geschäftsführerin der Print Media Marketing s.r.o wieder einmal Helena Baierová genannt. Der Name der Rentnerin ist im Zusammenhang mit einschlägigen Werbefirmen aus dem Nachbarland Tschechien schon häufiger aufgefallen.


Es beginnt mit einem Trickanruf

Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine in Deutschland, die in der Vergangenheit in einer Zeitung oder einer von Kirchen oder Gemeinden heraus gegebenen Broschüre regelmäßig inseriert hatten, erhalten einen Anruf, wird uns berichtet. Der Anrufer bezieht sich auf diese Anzeige und erklärt, es müsse ganz schnell ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden. Kurz darauf kommt das angekündigte Formular. „Zum Gegenzeichnen“, heißt es. Tatsächlich findet sich darin auch die bisher verwendete Anzeige.

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe – und unterschreiben; schließlich hatte man gerade darüber gesprochen. Die Telefonnummer mit der Vorwahl 03963 weist auf Meckenburg-Vorpommern hin und auch die Fax-Nummer, an die das Formular zurück gesandt werden soll, erweckt mit der Vorwahl 03222 erst einmal kein Aufsehen. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Vorwahl ohne Ortsnetzbezug.

Später kommt eine Rechnung ("maschinell erstellt, daher nicht unterschrieben"), deren Höhe die Empfänger erst einmal verwundert. Bis sie schließlich feststellen, Opfer einer Betrugsmasche geworden zu sein: 731,50 EUR netto will man für eine Anzeige mit der Größe 40*90 mm haben. Zu zahlen auf ein Konto bei der in „der Szene“ beliebten tschechischen Unicredit Bank. “Binnen 10 Tagen, nach Rechnungserhalt, ohne Abzug“, heißt es.

Wenn nicht gezahlt wird, folgen diverse Mahnungen mit jeweils 10 EUR Mahngebühren, allerletzte Mahnungen und Drohungen mit einem Inkassounternehmen. Per Briefpost soll man übrigens nicht mit der der Print Media Marketing s.r.o. korrespondieren. “Erforderlicher Schriftwechsel bitte unbedingt im Vorfeld per Fax“, heißt es auf der Rechnung. Die ganze Aufmachung der Rechnung einschließlich dieses Satzes entspricht der, welche auch die Firma Media Print Verlag Service s.r.o. verwendet.

Die Akquisemethode ist nicht neu. „Kölner Masche“ wird sie genannt. Bereits vor fünfzehn Jahren wurde sie erstmals in großem Umfang aus Köln angewandt und erfreut sich bis heute bei unseriösen Werbefirmen größter Beliebtheit.

[Mehr zur Kölner Masche]


Was ist die Gegenleistung?

Das Formular der Print Media Marketing s.r.o. gleicht nahezu eins-zu-eins dem, das die Firma Media Print Verlag Service s.r.o. verwendet. Darin wird angegeben, ein „Objekt Info-Folder“ zu erstellen. Was auch immer damit gemeint ist; ein Belegexemplar ist jedenfalls der Rechnung nicht beigefügt. Die sollen nach dem Kleingedruckten auf dem Formular der Print Media Marketing s.r.o. eine Auflage von „mindestens“ 500 Exemplaren haben.

„Die Verteilung erfolgt durch Postversand an Gewerbetreibende, Gewerbeämter, Stadtverwaltungen und sonstige öffentl. Einrichtungen und/oder durch direkte Auslieferung bei den aufgeführten Stellen“ ,

heißt es im Formular. Doch nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht? Nur zum Verteilungsgebiet lässt sich etwas entnehmen. Zum Beispiel, das im Postleitzahlgebiet 88 verteilt wird. Das reicht zum Beispiel von 110 km vom Lindau bis Laupheim. Oder 125 km von Mülheim an der Donau bis Isny im Allgäu. Ein Werbeeffekt ist bei gerade einmal 500 verteilten „Info-Foldern“ damit nicht gegeben.

Im Kleingedruckten des Formulars heißt es übrigens:

“Ohne öffentlichen Auftrag/behördenunabhängig“.

An anderer Stelle:

„Es handelt sich hier um einen neuen Auftrag, der mit anderen Aufträgen bei uns oder bei anderen Firmen nicht in Verbindung steht und deren Gültigkeit nicht berührt. Der Auftraggeber bestätigt ausdrücklich, dass weder Werbestadtpläne bzw. Werbekarten und Broschüren anderer Verlage Grundlage dieses Auftrages sind.“

Warum man das so betont? Doch wohl, weil genau dieses suggeriert werden sollte und wurde!


Weitere Rechnungen folgen

Wer glaubt, er würde seine Ruhe haben, wenn er zahlt, hat sich getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular wird man innerhalb von zwei Jahren insgesamt viermal zur Kasse gebeten. Macht dann zusammen 2.926 EUR. Manchmal auch noch mehr, denn im Kleingedruckten des Formulars findet sich vorformuliert eine bei derartigen Firmen verbreitete Verlängerungsfalle:

„Der vorliegende Anzeigenvertrag verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr, wenn der Auftrag nicht drei Monate vor Vertragsablauf schriftlich gekündigt wird.“


Wegwerffirma

Die Firma Print Media Marketing wurde am 22.02.2018 gegründet und in das Handelsregister in der Rechtsform einer Spoločnosť s ručením obmedzeným, abgekürzt s.r.o. eingetragen. Das Stammkapital der Firma (Základne imanie) beträgt 5.000 EUR, was ein Fünftel des Mindestkapitals einer deutschen GmbH ist. Sie fällt damit noch in die Kategorie der sogenannten Wegwerffirmen. Wenn es brenzlig wird, kann man sich ihrer schnell entledigen, ohne dass der Verlust des Stammkapitals allzu sehr schmerzt.

Geschäftsführerin ist die 1953 geborene Helena Baierová. Kennern der Abzockerszene ist der Name schon öfter aufgefallen. Sie trat als Geschäftsführerin der tschechischen Firmen Pro Reclama s.r.o., Print-media Konzept s.r.o., Pro Stadtmarketing s.r.o., Firma Media Print Verlag Service s.r.o und Top-Inkasso s.r.o auf. Dass sich die Trickformulare aller dieser Firmen ähneln, liegt auf der Hand. Dafür, dass Baierová in den Firmen wirklich etwas zu sagen hat, würden wir aber nicht die Hand ins Feuer legen wollen. Nach Art der Szene könnte es sich auch um eine Strohfrau handeln, hinter der sich die wahrscheinlich deutschen Hinterleute verstecken wollen.

Sicher sind wir uns auch nicht, dass unter der Anschrift Kopcianska 10 in Bratislava überhaupt jemand von der Print Media Marketing s.r.o. anzutreffen ist. In dem Haus sitzt ein Büroservice-Unternehmen, das im Internet virtuelle Büros anbietet:

“Sídlo vo výškovej budove "Vienna Gate" Vám zabezpečí atraktívnu obchodnú adresu pre sídlo Vašej firmy zapísanú v obchodnom registri,príjem pošty a notifikáciu o jej prijatí prostredníctvom emailu. V prípade záujmu a predplatenia si služby preposielaniepísomností Vám bude všetku poštu preposielať na Vami zvolenú adresu v rámci EÚ“.

Auf Deutsch:

“Am Hauptsitz im Hochhaus "Wiener Tor" erhalten Sie eine attraktive Geschäftsadresse für den Sitz Ihres Unternehmens, den Posteingang und die Empfangsbestätigung per E-Mail. Bei Interesse und Abonnement sendet Ihnen der Speditionsdienst alle E-Mails an die von Ihnen gewählte Adresse innerhalb der EU.“


Die Forderungsabwehr ist möglich

So zustande gekommene Verträge sind angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern auch schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der von der Print Media Marketing s.r.o. geschuldeten Leistung. Wie Juristen sagen: es mangelt an den essentialia negotii.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise an die Print Media Marketing s.r.o., Bratislava, erteilten Auftrag erhält, eine frühest mögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 10.10.2019:

Wir haben es schon oft in unserem Blog geschrieben. Solche Firmen ziehen vor Gericht, wenn man sich nicht (oder falsch) wehrt. So auch die Print Media Marketing s.r.o. Vertreten wird sie dabei von einer Anwaltskanzlei, die nicht etwa in Tschechien oder der Nähe dorthin sitzt. Sondern aus Bad Kreuznach.

Wer regelmäßig unseren Blog liest, weis, dass Bad Kreuznach der örtliche Schwerpunkt der Kölner-Masche-Szene ist. In der Region tummelt sich eine Hundertschaft derartiger Firmen.




Auch über andere Firmen, bei denen der Name Helena Baierovká auftaucht, haben wir in unserem Blog schon berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 29.01.2014: Print-media Koncept s.r.o aus Pilsen und Pro TN Trade e.K. aus Bad Kreuznach - zwei ganz spezielle Anzeigenfirmen]

[Zum Blog-Beitrag vom 08.06.2017: Kölner Masche aus Pilsen: die Pro Stadtmarketing s.r.o. und ihre Bürgerfolder]

[Zum Blog-Beitrag vom 28.02.2019 - Abzocke aus Prag: die Media Print Verlag Service s.r.o.]

[Zum Blog-Beitrag vom 05.03.2019 - Noch eine Firma mit Kölner Masche aus Bratislava: Trend Media Service s.r.o.]

[Zum Blog-Beitrag vom 27.07.2020 - Mit Identitätsdiebstahl und Kölner Masche: die pro Stadtmarketing s.r.o.und der Media-Print-Info-Verlag s.r.o]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]




Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte
Kontakt über Telefon
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
mail [at] radziwill.info