Hinflug nicht angetreten - Rückflug verfallen? Urteil gegen Bluff der Fluggesellschaften!

Stellen Sie sich einmal vor, Sie gingen zu Ihrem Lieblingsgriechen. Bestellen eine Grillplatte. Die kommt, wie es sich gehört: zuerst der Krautsalat mit Peperoni, dann ein Teller mit ordentlich Fleisch und Kartoffeln. Doch heute steht Ihnen nicht der Sinn nach Krautsalat und Peperoni, mehr nach dem Fleisch. Sie rühren das „Grünzeug“ nicht an. Das sieht der Wirt und verbietet Ihnen, das Fleisch zu essen. Verrückt? Natürlich! Doch verbreitete Praxis bei Fluggesellschaften. Wenn man den – bezahlten - Hinflug nicht antritt, wird man auch nicht auf dem – bezahlten – Rückflug mitgenommen; unter Verweis auf Beförderungsbedingungen. Der Platz wird dann von der Fluggesellschaft möglicherweise noch einmal verkauft.

Eine solchen Masche hat der Bundesgerichtshof schon 2010 untersagt (BGH, Urteil vom 29.04.2010 – Xa ZR 5/09).

Doch immer wieder versuchen es Fluggesellschaften. So auch in einem von unser Kanzlei Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn bearbeiteten Fall vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding (AG Wedding, Urteil vom 07.11.2012 – 15a C 386/12).

Eine fünfköpfige Familie, Vater, Mutter und Kinder, hatte im Reisebüro für eine Urlaubsreise einen Flug von Berlin-Tegel nach Antalya und zurück gebucht - und bezahlt. Nicht bei einer obskuren Gesellschaft, sondern einer der Großen, halbstaatlich, Mitglied der Star Alliance. Da erlitt die Mutter einen Unfall. Im Krankenhaus dauerte es etwas und als man am Flughafen ankam, war der Check-In-Schalter bereits geschlossen. Ärgerlich, dachte man, aber kein Problem: dann kauft man eben neue Tickets für den nächsten Flug im Flughafenbüro der Gesellschaft. Doch groß war die Überraschung, als ihnen dort erklärt wurde, auch den gebuchten Rückflug würden sie nicht in Anspruch nehmen können; weil sie den Hinflug nicht angetreten hätten. Sie müssten diese Plätze noch einmal bezahlen. Man gab es sogar schriftlich. Das war dann doch zu teuer, der Urlaub war geplatzt. Die Familie verlangte das Geld für den bereits bezahlten Rückflug, den die Fluggesellschaft Ihnen verweigerte.

Die zahlte nicht, es kam zum Prozess. Ihr Argument: die Rechtsprechung des Bundesgerichtshof gelte nicht für sie. Das stände so in Ihren Bedingungen und außerdem seien ihre Tickets besonders günstig. Das Amtsgericht Wedding sah das anders. Und verurteilte sie schließlich.

Zahlte danach die Fluggesellschaft? Nicht ganz freiwillig. Es bedurfte erst der Androhung einer Zwangsvollstreckung durch unsere Kanzlei.

Übrigens, wir hätten Ernst gemacht. So wie vor einigen Jahren. Da hatte eine Gesellschaft das Fluggepäck unseres Mandanten verloren. Schadensersatz leistete sie nicht – auch nicht, nachdem sie dazu verurteilt wurde. Vielleicht glaubte sie sich vor einer Zwangsvollstreckung sicher, weil sie im Ausland saß und kein Büro in Deutschland unterhielt. Das aber war ein Irrtum. Als wieder eine ihrer Maschinen in Berlin-Tegel gelandet war, ging der von uns beauftragte Gerichtsvollzieher an Bord – und pfändete den Inhalt der Kasse aus dem Bordverkauf.

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