Architekt hat keine Vollmacht zur Auftragserteilung für den Bauherrn

15.09.2011 - Die Vollmacht eines Architekten endet vor der Brieftasche des Bauherrn. Wieder einmal musste auf diesen Grundsatz ein Gericht aufmerksam machen; dieses Mal das Oberlandesgericht Hamm (OLG Hamm, Urteil vom 05.05.2011 – 24 U 147/08).

Im Verlauf von Bauvorhaben kommt es mitunter zur Notwendigkeit von Änderungen oder Erweiterungen von Vertragsinhalten. Nicht immer können diese von der beauftragten Baufirma kostenneutral ausgeführt werden. Häufig wird aber übersehen, dass der Architekt nicht derjenige ist, der für den Bauherrn einen dann notwendigen Nachtrag vereinbaren kann. Aus der bloßen Tatsache, dass ein Architekt im Rahmen eines Bauvorhabens bestellt wurde, kann nämlich noch nicht auf eine weit reichende Vollmacht geschlossen werden. Vereinfacht formuliert: die Vollmacht des Architekten endet am Portemonnaie des Bauherrn.


Nachträge vom Bauherrn erteilen lassen

Einem Werkunternehmer ist deshalb dringend anzuraten, sich den Nachtrag direkt vom Bauherrn erteilen zu lassen. Wenn dennoch eine Beauftragung zusätzlicher Leistungen durch den Architekten erfolgte und später der Bauherr die Bezahlung mit dem Argument verweigert, dies hätte nicht seinem Wunsch entsprochen, kann die Baufirma im Regelfall keinen Regress beim Architekten nehmen. Begründet wird das von den Gerichten damit, dass ein Bauunternehmen wissen müsste, dass der Architekt keine Vollmacht für so etwas habe.

In dem jetzt entschiedenen Fall konnte der Werkunternehmer aber noch einen Teil des Geldes retten. Im Bauvertrag waren nämlich die nach Ermessen des Architekten noch anzufertigenden Werkpläne und Detailzeichnungen als maßgeblich bezeichnet worden. Damit war der Anschein gesetzt worden, dass der Architekt bevollmächtigt war, Änderungsanordnungen im Hinblick auf die Ausführungsdetails zu erteilen; das reichte.


(Zuletzt bearbeitet am 01.12.2015)

Mit dem Thema Architekt und Fragen rund um seine Tätigkeit haben wir uns in unserem Blog schon öfter beschäftigt. Zum Beispiel mit Fragen zum Architektenhonorar:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 09.02.2012: Bittere Entscheidung für Generalplaner - Subunternehmer können Honorar nachfordern]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 15.08.2012: Streit vermeiden: Abschlagszahlungen für Planer im Vertrag vereinbaren]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 07.12.2012: Planerleistungen auf Stundenbasis – das Streitrisiko lässt sich verringern]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 20.03.2013: Mehrere Planer für Bauvorhaben beschäftigt – wie wird abgerechnet?]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 11.02.2015: Unterschreitung vorgeschriebenen Architektenhonorars nur ausnahmsweise – freundschaftliche Umgangsform kein Grund ]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 17.04.2015: Urteil: Architekt muss nicht ständig persönlich für Bauherrn erreichbar sein – Fax und Mail reichen]

Haben Architekten eigentlich Urheberrechtsansprüche für Ihr Werk und können sie damit lange nach Ende ihrer Arbeit dem Bauherrn ihre Wünsche aufzwingen? Theoretisch ja, praktisch aber viel seltener als mancher Architekt denkt:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 18.04.2013: Urheberrechtsschutz des Architekten – nicht für jedes Bauwerk, nicht immer, nicht unbegrenzt]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 17.08.2013: Urheberrechtsschutz des Architekten – nicht jedes Wohnhaus ist ein Kunstwerk]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 09.05.2014: OLG Frankfurt am Main: einmal darf man Architektenplan präsentieren - dann keine Urheberrechtsverletzung]

Außerdem:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 12.04.2013: Der Bau wurde teurer als geschätzt - Schadensersatz vom Planer?]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 26.01.2014: Das Eigenheim mit einem Architekten bauen?]

[Zum Bau-News-Betrag vom 13.08.2014: Urteil – Wer Architekt werden will, muss auch Bauwerke entworfen und geplant haben]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 27.06.2015: Architekt kann Vertrag kündigen, wenn Bauherr sich weigert, Entscheidungen zu treffen]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 17.09.2015: Architekt haftet für Planungsfehler, auch wenn Bauherr mit Ausführung einverstanden war]

Wer bauen lässt, hat ein Recht darauf, dass dies mängelfrei geschieht. Die Praxis sieht manchmal anders aus. Doch immer wieder müssen wir feststellen, dass die Durchsetzung ihrer Rechte manchen Bauherren schwerfällt – sie mitunter auch Fehler dabei machen.

[Zum Bau-News-Beitrag vom 04.07.2015: Der Bau, die Mängel und die Rechte des Bauherrn]

Dieser Beitrag ist im Blog „Bau-News“ erschienen.

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